Neuer Anlauf im Missbrauchs-Prozess

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 Vater soll Töchter 63 Mal missbraucht haben

Am Landgericht Schwerin muss sich Mann verantworten, der immer wieder seine beiden Töchter missbraucht haben soll (Symbolbild).
Am Landgericht Schwerin muss sich Mann verantworten, der immer wieder seine beiden Töchter missbraucht haben soll (Symbolbild).
Jens Büttner

Ein inzwischen 52 Jahre alte Vater muss sich wegen sexueller Übergriffe vor Gericht verantworten. Es soll seine beiden Töchter insgesamt 63 Mal missbraucht haben.

Ein wegen schweren sexuellem Missbrauchs seiner Töchter angeklagter Mann aus Boizenburg hat zum Prozessauftakt am Dienstag am Landgericht Schwerin die Aussage verweigert. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 52 Jahre alten Maurer vor, sich zwischen 1996 und 2002 in 63 Fällen an den Mädchen vergangen zu haben.

Zum Zeitpunkt des ersten mutmaßlichen Vorfalls war das ältere Kind acht Jahre alt. Der Mann soll den Mädchen laut Anklage vermittelt haben, dass es „normal” sei, wenn ein Vater mit seinen Töchtern Sex hat. Die Mädchen hatten die Übergriffe für sich behalten, erst 2012 zeigte eine der beiden den Vater an.

Erster Prozess abgebrochen

Ein erster Prozess gegen den Angeklagten war im Herbst 2017 abgebrochen worden, weil der Verteidiger längerfristig erkrankte. Damals hatte eine der Töchter den Angeklagten schwer belastet. Die andere wollte die Vorwürfe vor Gericht nicht wiederholen. Beide Töchter sollen erneut als Zeuginnen vernommen werden.

Den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zufolge verging sich der Angeklagte an dem älteren Mädchen in 61 Fällen und an dem jüngeren in einem Fall. In einem weiteren Fall missbrauchte er beide Töchter zusammen. Die Übergriffe fanden meist im elterlichen Haus oder auch auf Reisen im Campingwagen statt. Zusätzlich wird dem Angeklagten der Besitz von Kinderpornografie vorgeworfen.

Glaubhaftigkeit der Zeugenaussagen

Der Verteidiger beantragte, eine Sachverständige wegen Befangenheit abzulehnen. Sie hatte während der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in ihrem vorläufigen Gutachten eingeschätzt, dass die Aussagen der Hauptbelastungszeugin glaubhaft sind. Zuvor hatte ein anderer Sachverständiger dies beiden Töchtern abgesprochen.

Einerseits sei die Gutachterin ohne Rücksprache mit der Verteidigung von der Staatsanwaltschaft ausgesucht worden, sagte der Anwalt. Ihr vorläufiges Gutachten sei zudem voller Formulierungen, die einen „Jagdeifer” gegenüber dem Angeklagten vermuten lassen.

Außerdem habe der Bundesgerichtshof (BGH) vor rund zwei Jahren in einem anderen Verfahren das Urteil des Landgerichts Schwerins aufgehoben, weil die Sachverständige ein Kind nicht so untersucht habe, wie die Strafprozessordnung es vorschreibt. Über den Befangenheitsantrag wird das Gericht voraussichtlich entscheiden, wenn der Prozess am 26. Juni fortgesetzt wird.