Der Stieglitz ist in MV im Aufwind. Das Besondere: Er ernährt seine Jungen nicht mit Insekten, sondern rein vegetarisch.
Der Stieglitz ist in MV im Aufwind. Das Besondere: Er ernährt seine Jungen nicht mit Insekten, sondern rein vegetarisch.
Stunde der Gartenvögel

Vegetarier in MV klar im Vorteil

Während Blaumeisen und Hausrotschwänze es schwer haben, gibt es bei den Vögeln in Mecklenburg-Vorpommerns Gärten einen Gewinner: den Stieglitz. Interessant: Er ernährt seine Jungen ausschließlich mit Pflanzen.
Neubrandenburg

Trotz kühlen Wetters und Regen beteiligten sich am Himmelfahrtswochenende in Mecklenburg-Vorpommern mehr als 2.400 Menschen an der Stunde der Gartenvögel. Nach dem vergangenen Rekordjahr, in dem im Nordosten mehr als 3.700 Vogelfreunde mitzählten, ist dies die zweithöchste Beteiligung seit Beginn der Aktion im Jahr 2006, teilte der Naturschutzbund Deutschland (NABU) mit. Ein wenig werden sich die Zahlen noch verändern, denn bis zum 24. Mai kann noch nachgemeldet werden.

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Bisher wurden 65.000 Vögel aus 1.580 Gärten gemeldet. Ihnen macht das derzeit sehr wechselhafte und teils recht kühle Wetter wenig aus. „Einige Arten profitieren sogar davon, wie die Amsel, die bei feuchtem Wetter viel besser an Regenwürmer im Boden kommt“, sagt Benjamin Weigelt vom NABU Mecklenburg-Vorpommern. Bisher belegt der schwarze Vogel nach Haussperling und Feldsperling Platz drei der am häufigsten gemeldeten Gartenvögel. Nach wie vor ist sie auch der zuverlässigste Gartenbesucher und konnte in über 94 Prozent aller Gärten in MV entdeckt werden.

Viele Blaumeisen verstorben

Mit Spannung erwartet wurden die Zählergebnisse der Blaumeise. Bei der kleinen Meise mit dem blauen Köpfchen hatte im Frühjahr 2020 ein bakterieller Erreger namens Suttonella ornithocola erstmals zu einem Massensterben in vielen Teilen Deutschlands geführt. Dort, wo es grassierte, hatten die Sichtungen bei der Vorjahreszählung deutlich abgenommen. Eine Welle verstorbener Blaumeisen war zwar auch in diesem Frühjahr wieder festzustellen, sie war jedoch deutlich kleiner. „Die Blaumeise hat sich vom Einbruch im vergangenen Jahr offenbar erholt“, so Weigelt.

Bisher entsprechen die gemeldeten Zahlen im Nordosten dem langjährigen Mittel. Wenngleich sie ihren normalen Durchschnittswert deutschlandweit wohl nicht ganz erreichen wird. Vermutlich konnten erfolgreiche Bruten die Verluste jedoch weitgehend ausgleichen.

Insgesamt konnten in Mecklenburg-Vorpommern pro Garten mit 41,1 Individuen wieder deutlich mehr Vögel als im Vorjahr entdeckt werden. Während die Gesamtzahl der Vögel im Siedlungsraum im Gegensatz zu den Beständen in der Agrarlandschaft damit weiterhin weitgehend konstant bleibt, gibt es doch für viele Vogelarten besorgniserregende Entwicklungen: So verharren die Sorgenkinder Mauersegler und Mehlschwalbe auf Höhe der schlechten Ergebnisse aus den Vorjahren. Die Zahlen sind auch in diesem Jahr deutlich zurückgegangen.

Hausrotschwanz hat es schwer

Ähnlich sieht es beim Hausrotschwanz aus. Die eigentlich häufigere Rotschwanzart nimmt seit vielen Jahren kontinuierlich ab. Inzwischen wird im Vergleich zum Beginn der Aktion vor 16 Jahren nur noch die Hälfte an Vögeln seiner Art gemeldet. „Diese Entwicklung ist besorgniserregend“, sagt NABU-Ornithologie Benjamin Weigelt. „Vermutlich leidet er als Gebäudebrüter wie Mehlschwalbe und Mauersegler am Verlust von Brutmöglichkeiten und als Insektenfresser an fehlender Nahrung.“

Positiv entwickeln sich weiterhin die Gartenbestände von eigentlichen Waldvögeln wie der Ringeltaube. Ein besonderer Gewinner der aktuellen Zählung ist offensichtlich der Stieglitz. Die gemeldeten Zahlen dieses farbenfrohen Finkenvogels machten einen großen Sprung: In diesem Jahr konnte er in 20 Prozent aller Gärten in MV mit 0,6 Vögeln pro Garten entdeckt werden. Das sind doppelt so viele wie in den Vorjahren. Die Besonderheit dieser Art ist, dass er als einer von ganz wenigen Singvögeln seine Jungen nicht mit Insekten, sondern vegetarisch ernährt.

Aktuelle Zwischenstände und erste Ergebnisse sind unter www.stundedergartenvoegel.de abrufbar und können mit vergangenen Jahren verglichen werden. Mit einem Endergebnis wird Ende Mai gerechnet.

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