Mit wilden Partys und Alkoholexzessen geriet die Polizei-Hochschule des Landes in Güstrow immer wieder in die Schlagzeile
Mit wilden Partys und Alkoholexzessen geriet die Polizei-Hochschule des Landes in Güstrow immer wieder in die Schlagzeilen. Die neuen Vorwürfe sind allerdings deutlich dramatischer. Stefan Tretropp
Skandal an Hochschule

Vergewaltigung – Polizei-Anwärter in Güstrow unter Verdacht

Schwerer Vorwurf an Güstrower Polizei-Fachhochschule: Kommissaranwärter (21) der Vergewaltigung verdächtigt – Einsätze wegen weiterer Missstände
Güstrow

Die Staatsanwaltschaft ermittelt an der Güstrower Polizei-Hochschule gegen einen Kommissar-Anwärter. Der 21-Jährige soll laut Angaben von Harald Nowack, Sprecher der Staatsanwaltschaft Rostock, nach einer Party eine junge Frau vergewaltigt haben – so der Vorwurf. Das ganze soll sich in der Nacht zum 3. Oktober ereignet haben.

Durchsuchung im Wohnheim

Die Kripo durchsuchte das Zimmer. „Alle Beteiligten waren ziemlich betrunken, das mutmaßliche Opfer hat die Anzeige erst zwei Tage nach der Tat erstattet“, so Nowack. „Die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen laufen derzeit und bis zum Abschluss sind dem Anwärter vorsorglich die Teilnahme am Studium und der Aufenthalt auf dem Campus untersagt worden“, erklärte Daniela Hett, Pressesprecherin der Fachhochschule.

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Direktorin Marion Rauchert versicherte: „Wir werden alles dazu beitragen, um den Sachverhalt konsequent aufzuklären. Jedes Fehlverhalten, das uns bekannt wird, wird verfolgt und geahndet.“ Alle Vorfälle sollen nun intern aufgearbeitet werden. Denn: „Mit Beginn von Ausbildung und Studium werden den Anwärtern die Erwartungshaltungen sowohl an das dienstliche als auch außerdienstliche Verhalten vermittelt“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Skandal-Hochschule für angehende Polizisten

An der Polizei-Fachhochschule in Güstrow sind in der Vergangenheit immer wieder Missstände publik geworden. Es soll heiß hergehen, neben ausufernden Partys mit viel Alkohol machten Polizeischüler auch durch laute Musik, das Zünden von Feuerwerk und Ruhestörung auf sich aufmerksam. Deshalb musste die Polizei in der Vergangenheit öfter auf das Campus-Gelände an der Goldberger Straße ausrücken, weil angehende Polizisten über die Stränge schlugen.

Die Fehlverhalten reichen bis ins Jahr 2017 zurück. So wurden seitdem vier Anwärtern der Wohnheimplatz gekündigt, nachdem diese gegen „die Regeln für das Zusammenleben verstoßen” hätten. Außerdem hat die Fachhochschule seit 2017 ebenfalls vier Anwärter aus dem Beamtenverhältnis auf Widerruf entlassen, gegen die sie disziplinarrechtlich ermittelt hat. Diese teilte Daniela Hett, Pressesprecherin der Einrichtung, mit. Im Dezember letzten Jahres mussten zwei Streifenwagen und die Bereitschaftspolizei auf dem Campus anrücken, weil sich Anwohner über den Lärm aus einem der Wohnheime beschwert hatten. „Die beteiligten Anwärter haben nach der Aufforderung durch die Polizei sofort ihre Zusammenkunft beendet und den Lärm eingestellt“, erklärte Hett dazu.

Alkohol und Sprengstoff

Bei einem neuerlichen Vorfall am 24. September dieses Jahres rückte die Polizei ebenfalls wieder an und beendete eine Party auf dem Campusgelände. Auch diesmal floss viel Alkohol, die Musik dröhnte über das Gelände, Anwärter zündeten zudem Feuerwerk vor dem Wohnheim. Auf einem Video (liegt der Redaktion vor) ist zu sehen, wie Beteiligte Raketen aus ihrer Hand starten lassen, diese gegen die Hauswand fliegen und nur knapp die geöffneten Fenster des Wohnheims verfehlen.

„Die eintreffende Polizeistreife belehrte die Anwärter, die sich einsichtig und kooperativ zeigten, sie schalteten die Musik aus und gingen in die Wohnheimzimmer“, sagte Hett. Von ausufernden Feierlichkeiten innerhalb der Wohnheime will die Fachhochschulleitung nichts wissen. Auf einem weiteren, der Redaktion vorliegenden Video, ist zu sehen, wie junge Anwärter innerhalb eines Wohnheims laut feiern, Musik hören, grölen und einer von ihnen, mit Polizei-Dienstmütze und Sonnenbrille, eine auf einem Stuhl sitzende Frau erotisch antanzt, sich unters Hemd fassen lässt.

Unter vorgehaltener Hand wird von einem größeren Alkoholproblem in der Bildungseinrichtung gesprochen und davon, dass der „Deckmantel des Schweigens“ über diese Thematik geworfen wird. „Alkoholabhängigkeiten wurden bisher nicht festgestellt“, erklärte Daniela Hett. Während der Unterrichtszeit sei laut ihrer Auskunft der Konsum von alkoholischen Getränken per Hausordnung auf dem gesamten Campusgelände untersagt. In unregelmäßigen Abständen finden Kontrollen auf die Dienstfähigkeit statt, die bereits vereinzelte Verstöße aufdeckten, die wiederum disziplinarrechtliche Konsequenzen nach sich gezogen hätten.

 

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