Streit um Bauarbeiten

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Verkehrsminister oder Bahn: Einer muss irren

Mecklenburg-Vorpommerns Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) 
Mecklenburg-Vorpommerns Verkehrsminister Christian Pegel (SPD)
Jens Büttner

Dass im Sommer die Bahnstrecke aus MV nach Berlin gesperrt werden soll, hat viele verärgert. Bahn, Politik und der Fahrgastverband Pro Bahn streiten nun darüber, wer schuld ist.

Auf den ersten Blick scheint die Lage klar: Die böse Deutsche Bahn sperrt im Sommer monatelang wegen Bauarbeiten die wichtige Bahnstrecke zwischen dem östlichen Mecklenburg und Berlin – und alle sind sauer. Auch Landes-Verkehrsminister Christian Pegel (SPD), dessen Behörde im Nordkurier ihrem Ärger über die Sperr-Politik der Bahn Luft machte.

Doch ganz so einfach ist es nicht, betont der Fahrgastverband Pro Bahn. Dessen Sprecher Marcel Drews sagt: Christian Pegels Ministerium hätte die Sperrung verhindern können. Denn die Länder Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg, die für den Verkehr auf der betroffenen Linie RE 5 verantwortlich sind, hätten laut Drews bei der Bahn durchsetzen können, dass die Linie während der Bauarbeiten nicht wie geplant in Oranienburg gebrochen wird, sondern die Züge umgeleitet werden.

Ministerium: Wir wussten von nichts!

Es gäbe eine Umleitungsstrecke: den westlichen Berliner Ring. Die Züge müssten dann über Henningsdorf und Berlin-Spandau zum Berliner Hauptbahnhof fahren. „Die Fahrtzeit wäre circa zehn Minuten länger“, sagt Marcel Drews. Vor allem entfiele das lästige und zeitraubende Umsteigen in die S-Bahn zwischen Berlin-Gesundbrunnen und Oranienburg.

Auch die Bahn bestätigt auf Nachfrage des Nordkurier, dass diese Möglichkeit bestanden hätte. Bahn-Sprecher Gisbert Gahler teilt mit: Man habe diese Variante in Rücksprache mit den Aufgabenträgern des Regionalverkehrs verworfen.

Hat das Land MV die Sperrungen also doch sehenden Auges in Kauf genommen? Nein, stellt das Schweriner Verkehrsministerium auf nochmalige Nachfrage klar – jedenfalls was die Sperrung im Sommer angehe. Zwar habe man tatsächlich zugestimmt, die Linie zwischen dem 9. Februar und dem 14. März zu unterbrechen. Aber über die Sperrung in den Sommermonaten sei man bislang nicht informiert worden. „Das Land hat bislang allein durch Presseberichterstattungen davon erfahren.“

Bei Fernzügen ging es doch auch anders

Bei dieser Gelegenheit betont das Schweriner Verkehrsministerium überdies: Man habe in der Vergangenheit wegen der Bauarbeiten am Karower Kreuz in Berlin bereits mehrfach bei der Bahn interveniert und dabei auch deutliche Verbesserungen für die Reisenden erwirkt. Die Bahn hatte die Strecke nämlich ursprünglich für volle 18 Monate sperren wollen.

Wie auch immer: An der Sperrung bis März und im Sommer führt wohl kein Weg vorbei. Dass es auch anders geht, beweist dabei ausgerechnet die Deutsche Bahn selbst. Ihre Fernzüge, für die sie – anders als für die Regionalzüge – kein öffentliches Geld erhält, werden während der Sperrzeit als einzige über Berlin-Spandau umgeleitet und fahren ohne Umsteigen nach MV.