Immer neue Bauarbeiten

Verkehrsminister Pegel hat genug von der Bahn

Die Bahn muss ihr marodes Netz sanieren. Bloß dass dies zuletzt immer neue Vollsperrungen bedeutete. Dass MV im Sommer nun erneut monatelang von Berlin abgetrennt wird, sorgt für Protest.

Mecklenburg-Vorpommerns Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) ist bislang nicht gerade als Schutzpatron der Bahnreisenden im Land aufgefallen: In die Amtszeit des Ministers fallen eher unrühmliche Stilllegungs-Kapitel, darunter die Südbahn. Auch beim Wiederaufbau der Bahnstrecken nach Usedom und Zingst er wenig Elan gezeigt.

Angesichts der jüngsten Ankündigung der Bahn, im Juni, Juli und August fast durchgängig die Strecke zwischen dem östlichen Mecklenburg und Berlin bei Oranienburg zu kappen, ist Pegels allerdings deutlich geworden. „Die bevorstehenden Einschränkungen werden durch das Ministerium kritisch gesehen“, teilte das Ministerium dem Nordkurier auf Anfrage mit: „Insbesondere hätte sich das Land Mecklenburg-Vorpommern eine frühzeitige Information zu dieser Problematik gewünscht.“

Ministerium: Bahn geht es nur um die Kosten

Weiter heißt es: Man weise die Bahn regelmäßig auf die Probleme der Reisenden hin, „um für die Zugnutzerinnen und -nutzer übermäßige Belastungen auch in Baustellensituationen zu vermeiden.“ Diese Kritik führe aber nur in wenigen Fällen tatsächlich „zu spürbaren problemlösenden oder problemmindernden Veränderungen der Planungen.“ Die Bahn wolle bloß die Baukosten so niedrig wie möglich halten.

Das geht jedoch zulasten der Fahrgäste: Die Sperrung bei Oranienburg verlängert die Reisezeit für Berlin-Reisende aus und in Richtung Neustrelitz, Waren, Neubrandenburg und Demmin um bis zu eine Stunde und macht mindestens einen zusätzlichen Umstieg in Oranienburg erforderlich. Dies ist gegenwärtig und noch bis Anfang März der Fall – und dann noch einmal im Juni, Juli und August. Grund sind Bauarbeiten am Karower Kreuz nördlich von Berlin.

Bahn-Antwort fiel sehr knapp aus

Auch zwischen Rostock und Schwerin ist noch bis April eine der wichtigsten Strecken im Land gesperrt. Dass die Strecke nach Berlin ausgerechnet im Sommer gesperrt ist, könnte Auswirkungen auf den Tourismus haben, der durch die Lage auf der abgesackten A20 ohnehin schon mit Anreise-Problemen rechnen muss.

Von der Bahn hieß es dazu, man habe vor allem die Interessen von Pendlern im Auge gehabt und sich für „das kleinere Übel“ entschieden. Eine Reihe weiterer Fragen zu den Bauarbeiten, die der Nordkurier dem Staatskonzern am Donnerstag übermittelt hatte, blieb bislang unbeantwortet.

Gabriel Kords

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