ÄRGER IN ROSTOCK

Verliert die Hanse Sail ihre größte Attraktion?

Die Ausrichter des Segler-Spektakels schlagen Alarm: Wenn dringende Arbeiten am Hafen nicht bald angegangen werden, sind am Ende die Zuschauer die Leidtragenden. Sie müssten auf die spektakulärsten Schiffe verzichten.
Uwe Reißenweber Uwe Reißenweber
Traditionssegler und Museumsschiffe bei der Geschwaderfahrt der Hanse Sail vor Rostock-Warnemünde.
Traditionssegler und Museumsschiffe bei der Geschwaderfahrt der Hanse Sail vor Rostock-Warnemünde. Bernd Wüstneck
Rostock.

Die Kulisse des größten Traditionssegler-Treffens der Welt ist möglicherweise bald um eine ihrer Hauptattraktionen ärmer: Weil der Stadthafen in Rostock seit mehreren Jahren nicht mehr ausgebaggert wurde, fehlt bald der Tiefgang für die ganz großen Windjammer. Davor warnte jetzt der Leiter des Hanse-Sail-Büros, Holger Bellgardt: „Die nautischen Bedingungen werden immer schlechter. Wir brauchen ein Konzept und Lösungen.“

Das zuständige Wasser- und Schifffahrtsamt Stralsund (WSA) teilt die Einschätzung Bellgardts. „Die Darstellung ist sicherlich richtig so“, sagt Vize-Amtsleiter Wolf Laule. Aber das WSA als Bundesbehörde müsse die volkswirtschaftlichen Aspekte im Auge behalten: „Es geht hier nur um eine Veranstaltung im Jahr und auch nur um die Großsegler.“ Sprich: Die Kosten sind zu hoch.

Sechs Meter Tiefgang werden benötigt

Laut Laule koste die Beseitigung eines Kubikmeters im Stadthafen fast das Doppelte von dem, was an anderen Orten bezahlt werden muss – 18 statt etwa 10 Euro. Der Grund: Im Stadthafen muss Schlamm beseitigt werden. Anders als Sand, der auf See verklappt werden kann, muss der Schlamm an Land gebracht und dann entsorgt werden.

Sechs Meter Tiefgang werden benötigt – an manchen Stellen sind es jetzt schon nur noch vier Meter. Man sei in Gesprächen, so Wolf Laule. Sowohl mit der Stadt als auch mit dem Land. Aber eine Lösung habe man noch nicht gefunden.

Auch der Rostocker Hafenkapitän Gisbert Ruhnke bestätigt das: „Wir haben schon vor zwei Jahren alle Unterlagen eingereicht. Aber eine Wirtschaftlichkeit konnten wir trotz Hanse Sail nicht nachweisen.“ Dennoch wolle man unbedingt, dass der Hafen erhalten bleibt und gebaggert wird. „Bei unserem letzten Gespräch mit dem WSA im März haben wir vorgeschlagen, nach und nach Stücke zu übernehmen. Aber nur, wenn der Bund vorher baggert und auch die Schleuse instand setzt“, so der Hafenkapitän.

Bund will Wasserstraßen an die Kommunen abgeben

Eine große, kostenintensive Baggerung, die der Bund übernimmt, könnte sich für die Stadt rechnen. Danach kommt die Kommune – bei regelmäßiger Pflege und auf lange Zeit gerechnet – viel billiger davon. Außerdem gehen die Einnahmen aus den Marinas dann auch nicht mehr an den Bund – sondern Rostock kassiert. Laut will das aber keiner sagen.

Die Landesregierung bleibt unterdessen hart. „Der Bund ist für die Unterhaltung von Bundeswasserstraßen und zugehörigen Anlagen verantwortlich“, stellt der Sprecher des Verkehrsministeriums in Schwerin, Steffen Wehner, klar. Allerdings seien die Mittel knapp, weshalb der Bund an einigen Stellen Unterhaltungsmaßnahmen seit Längerem unterlassen habe. Vielmehr verfolgt der Bund mittlerweile das Ziel, Teile des Bundeswasserstraßennetzes abzugeben.

Laut Wehner verquickt der Bund in Rostock seine Unterhaltungs- und damit Baggerungspflicht mit seinem Interesse, einige Bundeswasserstraßenabschnitte an die Hansestadt zu übertragen. Soll wohl heißen: Wahrscheinlich baggert der Bund doch noch einmal. Wenn Stadt und Land die Wasserstraße übernehmen.

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