So sehen die Fettklumpen aus - hier fotografiert am Strand von Wampen bei Greifswald.
So sehen die Fettklumpen aus – hier fotografiert am Strand von Wampen bei Greifswald. Martina Rathke
Fettklumpen am Strand

Verschmutzung könnte von Nord-Stream-Baggerschiffen stammen

Kurz nach dem Start der Baggerarbeiten für die Ostseepipeline Nord Stream 2 sind Fettklumpen am Ostsee-Strand angespült worden. Selbst die Pipelinebauer halten einen Zusammenhang für möglich.
dpa
Greifswald

Nach dem Fund von Schmierfett-Klumpen an mehreren Ufern und Stränden des Greifswalder Boddens haben die Umweltbehörden die vom Pipelinebauer Nord Stream 2 AG beauftragten Baggerschiffe als mögliche Verursacher im Verdacht. Die Labor-Analytik habe bestätigt, dass es sich bei den Anlandungen um ein Maschinen-Schmierfett auf Mineralölbasis handele, sagte eine Sprecherin des Umweltministeriums am Donnerstag.

Die Nord Stream 2 AG habe eingeräumt, dass es möglicherweise einen zurückliegenden Vorfall gegeben haben könnte. Bei einem Baggerschiff seien Auffälligkeiten festgestellt worden, die die Verursachung einer Schmierfett-Verunreinigung nicht ausschließen, hieß es. Das Schiff sei umgehend außer Betrieb genommen und in den Hafen zu technischen Untersuchungen beordert worden. Ein Sprecher von Nord Stream 2 verwies darauf, dass die Untersuchungen zum Verursacher noch nicht abgeschlossen seien.

Fünf Baggerschiffe sind im Einsatz

Der Pipelinebauer Nord Stream 2 hatte am 15. Mai mit den Baggerarbeiten für die Ostseepipeline im Greifswalder Bodden begonnen. In dem Randgewässer der Ostsee soll die Trasse in einem Unterwassergraben verlegt werden. Fünf Baggerschiffe sind derzeit mit der Aushebung des Grabens beschäftigt.

Die kaugummi- bis tennisballgroßen Klumpen waren über Pfingsten – also wenige Tage nach Beginn der Baggerarbeiten – an mehreren Ufern und Stränden des Greifswalder Boddens und des östlichen Strelasunds entdeckt worden. Betroffen waren zunächst das Gebiet um Zudar, Stahlbrode und der Palmer Ort, wo rund 30 Kilogramm der violett gefärbten Klumpen entdeckt worden waren.

Am Donnerstag meldete der Umweltverband Nabu weitere Funde bei Wampen, am Struck und am Ufer der Freesendorfer Wiesen. Die Wasserschutzpolizei ging zusammen mit dem Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt auf Kontrollfahrt, um den Verursacher der Umweltverschmutzungen ausfindig zu machen.

Umweltschützer fordern sofortigen Baustopp

Der Umweltverband Nabu forderte erneut einen sofortgen Baustopp und eine lückenlose Aufklärung. „Die Genehmigung für Nord Stream 2 gehört auf den Prüfstand“, sagte der Experte für Meeresumwelt, Kim Detloff. Der Verband hoffe weiter auf eine schnelle Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Greifswald. Der Nabu hatte dort Klage und zwei Eilanträge eingereicht, über die noch nicht entschieden wurde. Die Problematik der Verunreinigung sei bereits aus dem Projekt Nord Stream 1 bekannt gewesen, so Detloff weiter. Schon damals habe die Feuerwehr Strände von Schmierfetten befreien müssen.

Nach Angaben des Umweltministeriums führte eine Driftftanalyse des Havariekommandos zu dem Baggerschiff. Die Untersuchungen liefen noch, um den Verursacher der Verunreinigung „mit letzter Sicherheit festzumachen“, wie die Sprecherin weiter sagte. Eine Anzeige gegen den Schiffsbetreiber oder gegen Nord Stream 2 werde geprüft.

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