MAUSGERUTSCHT?

Verwirrende Tweets von SPD-Abgeordneter Steffen

Auf dem Twitter-Account der SPD-Politikerin Sonja Steffen aus Stralsund wurde über die neue Justizministerin gelästert. Steffen selbst erklärt das damit, sie sei gehackt worden – aber stimmt das?
Gabriel Kords Gabriel Kords
Auf Twitter wurde im Namen von Sonja Steffen (SPD, rechts) über die neue Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) gestänkert.
Auf Twitter wurde im Namen von Sonja Steffen (SPD, rechts) über die neue Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) gestänkert. NK-Collage (Fotos: Kay Nietfeld, Stefan Sauer)
Stralsund.

Bundestagsabgeordnete (SPD) aus M-V, Justiziarin der Fraktion, twittere selbst” – so lautet die Selbstbeschreibung der Stralsunder SPD-Abgeordneten Sonja Steffen im Internet-Kurznachrichtendienst Twitter. Bislang sah alles danach aus, als stimme das auch: Steffen twitterte für eine Abgeordnete aus Mecklenburg-Vorpommern sogar relativ rege und stetig. So müsste man eigentlich auch davon ausgehen, dass zwei Tweets, die sie am Mittwoch absetzte, ebenfalls von ihr stammen. Doch Steffen sagt: Nein, das sind nicht meine Tweets.

Neue Justizministerin eine „Fehlentscheidung”?

Kein Wunder, denn die fraglichen Kommentare waren für die als diplomatisch und ausgleichend bekannte Steffen ungewöhnlich garstig. Im ersten Tweet hieß es: „Man muss auch verlieren und gönnen können. Glückwunsch an Christine Lambrecht. Trotzdem Fehlentscheidung einer waidwunden kommissarischen Parteiführung. So kommen wir nicht aus dem selbstverschuldeten Tief. Wir müssen weiblicher werden. Männer schaffen Probleme, Frauen Lösungen.” Der zweite Tweet lautete: „Jetzt bleibt nur noch die Hoffnung, daß die Groko hält, bis wir als SPD wieder auf die Beine kommen und dann eine rot-rot-grüne Koalition bilden. Ich stehe dafür bereit, als Ministerin. Und Parteivorsitz und Koalitionsvorsitz der SPD müssen zwingend in Frauenhände!”

Minuten später waren beide Tweets wieder verschwunden – stattdessen hieß es: „Ich möchte darauf hinweisen, dass der letzte Twitter Eintrag in Bezug auf die Justizministerin und die Parteiführung nicht von mir ist. Offensichtlich wurde mein Twitter Account gehackt. Ich verlasse daher jetzt meinen bestehenden Twitteraccount und melde mich demnächst neu an.”

„Irgendein Nerd, dem meine Nase nicht gefällt”

Heißt im Klartext: Erst wurde auf Sonja Steffens Twitter-Account und unter ihrem Namen über die neue Justizministerin geschimpft und unverblümt darauf hingewiesen, dass Steffen selbst gerne Ministerin geworden wäre – kurz darauf hieß es, das Ganze sei ein Hack und stamme nicht von Steffen. So stellte es Steffen auch auf Nachfrage dar: „Ich bin sehr froh, dass ich das sofort gesehen habe. So konnten wir ganz schnell reagieren.” Sie habe ermitteln können, dass der Tweet von einem Android-Gerät stamme, das sie selbst nicht verwendet habe: „Das ist schon das zweite Mal binnen kurzer Zeit, dass ich gehackt wurde”, sagte Steffen: „Erst kürzlich war mein privater E-Mail-Account betroffen.”

Weiter sagte Steffen, sie könne sich auch nicht erklären, wer es da auf sie abgesehen habe: „Da sitzt offenbar irgendein Nerd, dem meine Nase nicht gefällt.” Ob sie sich tatsächlich von Twitter abmeldet und einen neuen Account anlegt oder ob sie ihren alten doch weiter verwendet, will sie erst demnächst mit etwas mehr zeitlichem Abstand entscheiden.

Neue Justizministerin Lambrecht „richtig gute Juristin”

Zur neuen Justizministerin erklärte Steffen, sie freue sich, dass die SPD-Führung sich für eine „richtig gute Juristin” aus der SPD-Fraktion entschieden habe: „Von denen haben wir bekanntlich einige – und dass mein Name zeitweise auch zu denen gehörte, die genannt wurden, fand ich toll.”

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