Ein Blick in die Kühlkammer eines Krematoriums: Särge sind mit der Aufschrift „SARS-CoV-2 positiv Corona&rdquo
Ein Blick in die Kühlkammer eines Krematoriums: Särge sind mit der Aufschrift „SARS-CoV-2 positiv Corona” versehen. Julian Stratenschulte
Statistik

Verzerrte Zahlen in MV auch bei den Corona-Toten

Nächstes Kapitel bei den verfälschten Corona-Zahlen: Viele Verstorbene, die in den offiziellen Statistiken im Land MV als Corona-Tote gezählt werden, sind gar nicht an Corona gestorben.
Schwerin

Dass in Mecklenburg-Vorpommern – und auch in Hamburg und Bayern – während der Corona-Pandemie mit fragwürdigen Zahlen politische Botschaften gesandt werden, hat bundesweit mächtig Staub aufgewirbelt. So waren beispielsweise im November und Dezember im nordöstlichsten Bundesland in den Corona-Statistiken Infizierte, deren Impfstatus nicht bekannt war, einfach in die Kategorie „Ungeimpft” eingeordnet – und damit die Inzidenz der Ungeimpften fälschlicherweise in die Höhe getrieben worden.

Verzerrte Todesstatistik

Jetzt gibt es weitere Daten aus der Corona-Statistik, die ebenfalls aufhorchen lassen. Vom 1. Dezember 2021 bis zum 18. Januar 2022 wurden in Mecklenburg-Vorpommern 209 Corona-Tote gemeldet. Davon verstarben 156 (75 Prozent) wegen der Corona-Erkrankung. Aber 19 (9 Prozent) verstarben nicht an Corona. Bei weiteren 34 (16 Prozent) ist die Todesursache unbekannt. Aber: All diese Fälle wurden in der Statistik als Corona-Tote registriert. Auch andere Bundesländer meldeten im selben Zeitraum Corona-Tote, obwohl die Todesursache nicht Corona oder eben unbekannt war.

Wie kann es zu solchen verzerrten Statistiken kommen? Anja Neutzling, Pressesprecher des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lagus), antwortete auf eine entsprechende Nordkurier-Anfrage. „Es ist in der Praxis nicht immer eindeutig zu entscheiden, inwieweit die Corona-Infektion direkt zum Tod geführt hat. Sowohl Menschen, die unmittelbar an der Erkrankung verstorben sind (,gestorben an'), als auch Personen mit Vorerkrankungen, die mit Corona infiziert waren und bei denen sich nicht abschließend nachweisen lässt, was die Todesursache war (,gestorben mit'), werden in der Statistik erfasst.”

Mehr lesen: Corona-Prämien: Der Staat gibt am meisten

Todesursache nur durch Obduktion ermittelbar

In die Statistik des Robert-Koch-Instituts sowie des Lagus gingen somit alle Covid-19-Todesfälle ein, bei denen ein laborbestätigter Nachweis von SARS-CoV-2 (direkter Erregernachweis) vorliege und die in Bezug auf diese Infektion verstorben seien, so die Lagus-Sprecherin. Und: Die Personen, die nicht dazu gezählt würden, trotz eines laborbestätigten Nachweises von SARS-CoV-2, seien definitiv nicht im Zusammenhang mit der Infektion verstorben. Neutzling wörtlich: „Dies sind zum Beispiel Personen mit anderen schwersten Erkrankungen oder auch der öfter mal zitierte Todesfall im Zusammenhang mit einem Verkehrsunfall, wobei der Verletzte bei der Einlieferung positiv getestet wird und dann verstirbt.”

In dem Zusammenhang wies Neutzling darauf hin, dass es auch Fälle gäbe, in denen die Todesursache nur durch eine Obduktion ermittelt werden könnte. Für eine solche Obduktion sei die Zustimmung der Angehörigen erforderlich. Allerdings würden in vielen Fällen die Hinterbliebenen einer Obduktion nicht zustimmen.

Schwesig „eines der Gesichter der Pandemie”

So weit die fachliche Sicht aus dem Lagus – doch es gibt auch einen politischen Blick auf die Statistiken. Und hier insbesondere auf die im November und Dezember verfälschten Zahlen bei den Inzidenzen der Ungeimpften. Schließlich wurden in dieser Zeit auch wichtige Entscheidungen über Einschränkungen für Ungeimpfte von der Landesregierung getroffen.

Genau dort setzt die Kritik von Franz-Robert Liskow, CDU-Fraktionschef, an. „Politische Entscheidungen müssen auf Tatsachen basieren, es darf niemals auch nur den Anschein haben, dass die Realität zurechtgebogen wird, um Entscheidungen durchzudrücken”, sagte der Christdemokrat. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig sei an der Stelle ganz besonders in der Pflicht, weil sie sich gern und häufig zu Corona äußere. Sie sei in Deutschland eines der Gesichter der Pandemie.

Die CDU wird auch den MV-Landtag in der nächsten Woche nutzen, um offene Fragen zu klären. „Uns interessiert vor allem, wie es zur Veröffentlichung fragwürdiger Zahlen kommen konnte und wer die Verantwortung dafür trägt”, kündigte Liskow an. Auch die FDP hatte in den vergangenen Tagen bereits nach der Verantwortung gefragt und gegebenenfalls Konsequenzen gefordert.

 

Corona-Update per Mail

Der regelmäßige Überblick über die Fallzahlen, aktuellen Regelungen und neuen Entwicklungen rund um das Corona-Virus in Mecklenburg, Vorpommern und der Uckermark. Jetzt kostenfrei anmelden!

zur Homepage