Bei einer Parchimer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen machten Polizisten Gebrauch von ihren Schlagstöcken.
Bei einer Parchimer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen machten Polizisten Gebrauch von ihren Schlagstöcken. Screenshot Twitter @bildwerkrostock
Polizei-Erklärung

▶ Video zeigt Schlagstock-Einsatz auf Corona-Demo in Parchim

Ein Video zeigt angeblich „unverhältnismäßige Polizeigewalt” auf einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen in Parchim. Die Polizei erklärt den Hintergrund.
Parchim

Ein Videoausschnitt von einer Parchimer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen wird seit Samstag in den sozialen Netzwerken geteilt. Dort werden auch Polizisten gezeigt, die mit Schlagstöcken in Richtung der Teilnehmer schlagen. Was genau ist vorgefallen?

Die Polizeimeldung am Samstagabend teilte mit, dass zeitweise mehr als 450 Teilnehmer an der Demonstration in der Parchimer Innenstadt teilgenommen hatten. Dabei herrschte zwischenzeitlich eine „aggressive Grundstimmung”. Unter anderem warfen Versammlungsteilnehmer mit Flaschen nach Polizeibeamten. Ein Polizist wurde dabei leicht verletzt, drei Menschen wurden vorläufig festgenommen. Die Polizei dokumentierte zahlreiche Verstöße gegen die Maskenpflicht, hieß es weiter. Insgesamt verlief die Demo jedoch zum größten Teil friedlich.

Demo-Aufzug sei zu entzerrt gewesen

Das anscheinend aus einem Fenster gefilmte Video, dessen Urheber dem Nordkurier bislang nicht bekannt ist, zeigt über zwei Minuten einen Ausschnitt der Demonstration. Kurzzeitig wird da ab etwa Minute 0:14 in einer Straße eine Polizeikette gebildet, einige der Beamten holen gelegentlich mit ihren Schlagstöcken aus. Zwischendurch gehen mindestens drei Demo-Teilnehmer herausfordernd jeweils auf Polizisten zu, diese drängen sie immer mit einem Schlag zurück. Zwischendurch hebt ein Teilnehmer die Arme wie zum Boxen und schlägt einmal in Richtung eines Beamten, ein anderer tritt einen Polizisten. Nachdem sich die Demo-Spitze kurz staut und vereinzelte Teilnehmer schon durch die Kette durchgebrochen sind, löst sich die Polizei-Reihe auf und die Demonstration geht weiter. Ein Kritiker der Demonstranten postete das Video auf Twitter.

Das Video wird mehrfach im Internet hochgeladen, unter anderem mit den Worten „unverhältmäßige Polizeigewalt”. Doch was sagt die Polizei selbst dazu? „Es gab keinen angeordneten Schlagstock-Einsatz”, betont Klaus Wiechmann, Sprecher der Polizeiinspektion Ludwigslust. Die Kette sei aus der Situation heraus entstanden. „Im Video ist zu sehen, dass der Aufzug entzerrt war. Wir wollten, dass die Spitze des Aufzugs wieder mit Hauptteil eine Einheit bildet. Das wollten wir erstmal verbal verhandeln, doch das hat nicht geklappt”, erklärt er.

Schon zuvor sei der Aufzug von der zugewiesenen Strecke abgewichen. Damit sich nicht auch noch Gruppen unkontrolliert absetzen konnten, sollte die Demonstration verlangsamt werden. „Die Schlagstöcke sind als Distanzmittel und nicht Schlagmittel eingesetzt worden”, sagt Wiechmann fest. Er könne sich aber noch nicht erklären, wie es in den Einzelfällen zu den Ausnahmen gekommen ist. Es wurden allerdings auf Seiten der Demonstration „keine Verletzte” gemeldet.

NPD zeigt sich solidarisch

„Das Video wurde kurz vor den Flaschenwürfen aufgenommen. Dem Versammlungsleiter ist da schon kurzzeitig die Kontrolle entglitten, es gab zahlreiche Verstöße gegen die Maskenpflicht.” Und es waren 450 Teilnehmer, zeitweise auch mehr, vor Ort, „und nicht, wie an einigen Stellen im Internet behauptet wird, 4.000 oder so”, entkräftet der Beamte. Unter den Demonstranten sei laut Wiechmann „bürgerliches Klientel gewesen, aber auch Einige aus dem rechten Spektrum”.

Damit scheint er richtig zu liegen: Der Landesverband der NDP postete am Samstag auf Facebook Fotos der Demonstration und schrieb, dass sich „auch eine Vielzahl von NPD-Mitgliedern [...] am Protest” in Parchim beteiligten. Weiter hieß es: „Wir als NPD begrüßen den Freiheitsdrang unserer Landsleute und werden auch weiterhin mit ihnen auf der Straße stehen.”

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