RÜGEN-FÄHRE

Viele fordern Comeback der Königslinie Sassnitz-Trelleborg

Die Reederei Stena Line hatte das Aus für die Fährlinie Sassnitz-Trelleborg verkündet. Jetzt wird der Ruf nach einem Comeback der Königslinie zwischen Rügen und Schweden nach der Coronakrise immer lauter.
Vom Hafen Mukran war Trelleborg mit dem Fährschiff „Sassnitz” nach nur vier Stunden Fahrt erreichbar. Nun bem
Vom Hafen Mukran war Trelleborg mit dem Fährschiff „Sassnitz” nach nur vier Stunden Fahrt erreichbar. Nun bemühen sich Hafen- und Tourismuswirtschaft um ein Comback der eingestellten Königslinie. Port Mukran
Sassnitz.

Das Sterben der Königslinie, die vor 111 Jahren mit majestätischen Grüßen eingeweiht worden war, vollzog sich langsam und mit immer schmerzhafteren Einschnitten. Eingeläutet wurde es 2012, als die Reederei Scandlines ihre Anteile an den Göteburger Konkurrenten Stena Line verkauft hatte, die damit alleiniger Betreiber der kürzesten und mit vier Stunden schnellsten Fährlinie zwischen Deutschland und Schweden wurde.

Schon zwei Jahre später wurde der Güterverkehr mit Eisenbahnwaggons eingestellt und nach Rostock verlegt. Später wurde die Zahl der Überfahrten auf zwei pro Tag gekürzt. Ab September 2018 wurde die Königslinie nicht mehr täglich bedient. Und in den Herbstferien vergangenen Jahres schließlich gab es nur noch vier Abfahrten, im ganzen November gerade mal sechs.

Dann wurde das Fährschiff „Sassnitz“ zur Verstärkung der Linie Rostock-Trelleborg in den Überseehafen abkommandiert. Vollmundig hatte Stena Line-Sprecher Martin Wahl damals im Nordkurier verkündet, die Reederei richte ihr Angebot stets am Bedarf der Kunden aus. Die beiden geographisch nahen Ostseelinien von Rostock und Sassnitz sehe man im Verbund, um agil und flexibel auf die Nachfrage der Kunden reagieren zu können, hieß es. Kunden, die für ihre Reise keine Abfahrt ab Sassnitz fänden, würden auf dem Buchungsportal automatisch über mögliche Alternativen über die sechsstündige Überfahrt Rostock-Trelleborg informiert.

Kritik an geplanter Stilllegung

In den sozialen Netzwerken hagelte es Kritik. Nicht nur deutsche Tagesausflügler, Skandinavien-Urlauber und Norwegen-Angler, sondern auch viele Südschweden äußerten ihr Unverständnis über die drastischen, ausschließlich profitorientierten Kürzungen. Dann kam die Corona-Krise, die Fährgeschäfte weltweit zum Erliegen brachte. Im Dunstschleier der Pandemie verkündete das Management von Stena Line, das noch ein Jahr zuvor das 110. Jubiläum der tradionsreichen Königslinie gefeiert hatte, das endgültige Aus.

Die Wut und Enttäuschung, mit der Lokalpolitiker wie der Sassnitzer Bürgermeister Frank Kracht (Linke) und auch Mecklenburg-Vorpommerns Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) auf die Reederei-Entscheidung reagierten, ging in den Schlagzeilen über die Folgen des Corona-Virus weitgehend unter.

Doch inzwischen wird der Ruf nach einer Wiederaufnahme der Reederei nach der Corona-Katastrophe lauter, am besten aber nicht mehr mit Stena Line. Mit der Übernahme durch Stena Line seien die Zahlen im Passagierbereich, aber auch im Frachtbereich deutlich nach unten gegangen, kritisiert ein Sprecher von Mukran Port. Zuletzt seien gerade mal 300.000 Passagiere auf der Königsroute befördert worden.

Hohes Potenzial der Königslinie

Management-Fehler sieht offenbar auch Thomas Langlotz, Vorsitzender des im Februar 2019 gegründeten Vereins Destination Rügen – Cruise & Ferry Network. „Mit der richtigen Vermarktungsstrategie und Fahrplänen, die in beide Richtungen gut abgestimmt sind, sehen wir ein Potenzial von 500.000 Passagieren für die Königslinie“, sagt er. Das müsse nur von allen Beteiligten gewollt und mit Anstrengungen unternommen werden.

Beliebt sei die Fährverbindung vor allem bei den Schweden, weiß Mana Peter, Geschäftsführerin der Tourismuszentrale Rügen, die für dieses Jahr gleich zwei Reise-Kampagnen für schwedische Gäste organisiert hatte. „Die schwedischen Touristen mögen die kulturellen Sehenswürdigkeiten der Insel, vor allem die Ostseebäder, die es in dieser Form in ihrem Land nicht gibt.“

Wenn die Schweden nicht mehr kommen

Rügen war ein beliebtes Ziel der Schweden, die sich ganz nebenbei im Bergener Real-Markt auch noch so manches Spirituosen-Schnäppchen für daheim geleistet hatten. Doch nicht nur die Insel ist von der Einstellung der Linie besonders betroffen. Auch die einst von den Schweden regierte Hansestadt Stralsund dürfte das Ausbleiben der Skandinavier nach der Corona-Krise zu spüren bekommen.

Der abgeschlossene Ausbau der B96 als schnelle Verbindung zum Festland biete ideale Bedingungen für einen Besuch der Weltkulturerbestadt, sagt André Kretzschmer, Betriebsleiter der Tourismuszentrale Stralsund. Auch Ausflüge nach Vorpommern, etwa entlang der kulturhistorischen Schwedenstraße bis nach Brandenburg, stünden im Interesse vieler schwedischer Gäste.

 

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