Fachkräftemangel

Vietnamesische Pflegekräfte sehen sich Ressentiments ausgesetzt

Der Fachkräftemangel zwingt die Gesundheitsbranche, im Ausland nach Fachkräften zu suchen. Die Universitätsmedizin Rostock hat ihren Blick nach Südostasien gewendet.
dpa
Die Universitätsmedizin Rostock hat auf der Suche nach Fachkräften ihren Blick nach Südostasien gewendet.
Die Universitätsmedizin Rostock hat auf der Suche nach Fachkräften ihren Blick nach Südostasien gewendet. Bernd Wüstneck
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Rostock.

Die Hoffnungen waren groß, als Ende August die Pflegeausbildung von 20 jungen Vietnamesen an der Universitätsmedizin Rostock begann. Die Hoffnungen haben sich erfüllt, aber es gab auch überraschende Ressentiments, wie Annett Laban, Pflegevorstand der Klinik, sagt. Völlig unerwartet für die Organisatoren war demnach, dass es Vorbehalte unter den anderen 80 Auszubildenden des Jahrgangs gab. „Die Deutschen meinen, dass die Vietnamesen bevorzugt werden”, erklärte Laban. Sie betonte, dass dies nicht der Fall sei. Etwa mit speziellen Unterrichtseinheiten wolle man gegen diese Vorbehalte angehen.

Die Vietnamesen selbst sind zufrieden. „Es geht mir gut”, bestätigt Pflegeschülerin Anh Tu Do aus Hanoi. „Es war eine gute Entscheidung, nach Deutschland zu kommen”, sagt die 22-Jährige. Do arbeitet nach den Wochen der Eingewöhnung und Sprachkursen auf der onkologischen Station. Eine Arbeit, die sie schon aus Vietnam kenne. Wie ihre Kollegen aus Südostasien ist sie eine ausgebildete Fachkraft. Nur wird die Ausbildung in Deutschland nicht anerkannt. Deshalb sind 16 Frauen und 4 Männer laut Laban von der Fachlichkeit her ihren deutschen Kollegen voraus – vielleicht ein Grund für die Vorbehalte.

„Es gibt keine Bedenken, dass die Vietnamesen die Probezeit bestehen” sagt Projektleiterin Caren Erdmann. Allerdings beginne bei einigen langsam das Heimweh. Mit einem Fest zum vietnamesischen Neujahr am 5. Februar will die Pflegeleitung dagegen angehen. Von Vorteil sei, dass es in Rostock eine lange, schon aus DDR-Zeiten rührende Tradition im Zusammenleben mit Vietnamesen gebe.

Für die kommende Ausbildung ab Herbst 2019 steht die nächste Gruppe Vietnamesen bereit, sagte Laban. Dies beruhe auf einer Zusammenarbeit mit dem Vivantes-Konzern, der seit 2012 in Vietnam Pflegekräfte rekrutiere. „Jetzt muss aber bereits das Jahr 2020/21 organisiert werden.” Die Uniklinik hoffe dabei auf das Land, das seit längeren eine eigene Initiative in Gang gesetzt hat.