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Als Jäger hat Lorenz Caffier (CDU) das Recht Waffen zu kaufen. Doch bei wem der Minister 2018 eine Pistole erwarb, das könnte ihm noch mächtig Ärger einbringen. Martin Schutt
Zweifel an Aussagen

Waffen-Affäre – Neue Vorwürfe gegen Lorenz Caffier

Rücktrittsforderungen gegen den Innenminister, das ist für Lorenz Caffier nichts Neues. In der Affäre um ein privates Waffengeschäft wird dem CDU-Mann nun aber auch vorgeworfen, er habe in mehrfacher Hinsicht gelogen – und lügen lassen.
Schwerin

Einen Tag nach der Waffen-Beichte von MVs Innenminister Lorenz Caffier mehren sich die Rücktrittsforderungen der politischen Konkurrenz. Gefährlicher dürften für den CDU-Mann die Behauptungen sein, er habe in der Angelegenheit nicht nur lange geschwiegen, sondern auch gelogen. Auch ein ehemaliger Polizei-Chef sät Zweifel an den Aussagen des Ministers.

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Waffengeschäft mit rechtsextremem Netzwerker

Am Freitag hatte Caffier eingestanden, dass er privat eine Waffe bei einer zentralen Figur der Ermittlungen zum rechtsextremen Nordkreuz-Netzwerk gekauft hatte. Konkreten Fragen dazu war der Minister über Wochen und zuletzt auch öffentlich ausgewichen. Das sei ein Fehler gewesen, erklärte er nun, kritisierte aber gleichzeitig, dass ihm nun eine Nähe zu dem Netzwerk „angedichtet werden soll.”

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Zweifel an Caffiers Worten

Der Innenminister rechtfertigte seine Geschäftsbeziehungen unter anderem damit, dass zum Zeitpunkt des Waffenkaufs nicht klar gewesen sei, welche Verbindungen der Mann ins rechtsextreme Milieu gehabt habe. Doch genau dies ziehen nun nicht nur Politiker und Journalisten in Zweifel. Nach eigenen Angaben will Caffier die Waffe Anfang 2018 erworben haben. Die Ermittlungen, Vernehmungen und Verhaftungen im Zusammenhang mit dem Nordkreuz-Netzwerk laufen bereits seit dem Sommer 2017. Dabei rückte auch der Waffenhändler und Veranstalter von Schießtrainings Frank T. schnell in den Fokus der Behörden. Caffier selbst behauptet, er habe erst 2019 Informationen des Bundeskriminalamtes zum Thema erhalten. Die Ermittler geben dagegen an, dass bereits 2017 und 2018 Informationen an Behörden in MV gegeben wurden.

Ex Polizei-Chef kritisiert Minister

Auch der ehemalige Leiter der Polizeiinspektion Neubrandenburg, Siegfried Stang, äußerte sich gegenüber dem Nordkurier kritisch zu den Erklärungen des Ministers. Caffier werde mit dem Waffenkauf im Dunstkreis Rechtsextremer wohl zum Gespött seiner Innenminister-Kollegen, so der langjährige Polizist. „Die damalige angebliche Unbescholtenheit des Verkäufers dürften ihm Verfassungsschutz-Insider nicht ohne Weiteres abkaufen. Der Verfassungsschutz sammelt schon sehr früh Erkenntnisse über Personen. Es fragt sich, ob dieser Mann überhaupt in der Lage ist, sein Amt noch auszufüllen. Durch die jetzige Affäre ist sein Amt erneut beschädigt, und im Grunde ist er als Innenminister nicht mehr tragbar”, sagt er. Es ist nicht das erste Mal, dass Stang gegen seinen einstigen Dienstherren austeilt.

Hat der Minister gelogen oder lügen lassen?

Gerüchte über das Waffengeschäft gab es schon länger. Entsprechende Anfragen aus Redaktionen auch. Caffier antwortete darauf gar nicht oder ausweichend. Katrin Bennhold, Leiterin des Berliner Büros der New York Times wirft ihm nun sogar vor, die Unwahrheit verbreitet zu haben. „Gegenüber der NYTimes hat Caffier es über seine Sprecherin Marion Schlender im Juli dementieren lassen. Er habe nie Waffe von Frank T(...) gekauft”, schreibt sie auf Twitter.

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