KATASTROPHENALARM AUFGEHOBEN

Waldbrand bei Lübtheen gelöscht

Es war der größte Waldbrand in der Nachkriegsgeschichte Mecklenburg-Vorpommerns. Nun ist er weitgehend gelöscht, doch Glutnester könnten das Feuer wieder aufflackern lassen.
dpa
Für die sogenannte Brandnachsorge sind mehrere Wochen veranschlagt.
Für die sogenannte Brandnachsorge sind mehrere Wochen veranschlagt. Jens Büttner
Lübtheen.

Der Waldbrand auf dem früheren Truppenübungsplatz bei Lübtheen in Südwestmecklenburg ist weitgehend gelöscht. Der Landrat des Kreises Ludwigslust-Parchim und Chef des Einsatzstabs, Stefan Sternberg (SPD), hob am Montagnachmittag den seit dem 30. Juni bestehenden Katastrophenalarm auf. Damit werde der Einsatz für beendet erklärt. Das Feuer auf dem stark mit Munition belasteten Areal hat nach Angaben Sternbergs etwa 1200 Hektar Wald in Mitleidenschaft gezogen. Es gilt damit als größter Waldbrand in der Nachkriegsgeschichte Mecklenburg-Vorpommerns.

Bei einem Kontrollflug am Montag seien keine offenen Feuer mehr entdeckt worden, hieß es. Doch gebe es auf einer Fläche von etwa 500 Hektar weiterhin Glutnester im Boden, die immer wieder aufflackern könnten und daher weiter beobachtet würden. Für die sogenannte Brandnachsorge veranschlagt Sternberg mehrere Wochen. Damit soll sichergestellt werden, dass bei einem möglichen Wiederaufflammen des Feuers schnell reagiert werden kann. Eigentümer des Areals sei der Bund. Damit liege die Verantwortung der Nachsorge bei der Bundesforstverwaltung, erklärte Sternberg. Das Betreten des Waldstückes sei weiterhin verboten.

Militär bereits am Wochenende abgezogen

Alle beteiligten Einsatzkräfte hätten sehr gut mitgezogen, betonte Sternberg. „Wir waren organisationsübergreifend ein sehr gutes und großes Team, das ein gemeinsames Ziel hatte, das Feuer unter Kontrolle zu bekommen.” Das sei gelungen. Zeitweilig seien bis zu 3200 Einsatzkräfte aus ganz Norddeutschland abwechselnd an der Brandbekämpfung beteiligt gewesen. Neben Feuerwehrleuten waren darunter auch Angehörige des THW, der Polizei und der Bundeswehr. Das Militär, dessen Einsatz durch den Katastrophenalarm ermöglicht wurde, war bereits am Wochenende unter großem Dank der Bevölkerung abgezogen. Am Montag lag die Zahl der Einsatzkräfte noch bei etwa 120.

Die Löscharbeiten waren durch hochgradige Munitionsbelastung des Gebietes erheblich erschwert. Feuerwehrleute konnten wegen detonierender Sprengkörper nicht zum Brandherd vordringen und nur vom Rand her ein Übergreifen der Flammen auf angrenzende Dörfer unterbinden. Vier Orte mussten vorübergehend geräumt werden, doch konnten bis zum Samstag alle Betroffenen wieder in ihre Häuser zurückkehren.

Bundeswehr und Bundespolizei, deren Einsatz nach Aufhebung des Katastrophenalarm nun offiziell beendet ist, hatten mit Hubschraubern tagelang die Löscharbeiten aus der Luft unterstützt. Räumpanzer legten bis zu 30 Meter breite Schneisen rund um den Brandherd und verhinderten damit die weitere Ausdehnung des Feuers auf dem insgesamt 6000 Hektar großen Truppenübungsplatz.

Einstiger Verdächtiger wieder auf freiem Fuß

Schon wenige Tage vor dem Ausbruch des Großbrandes hatte es bereits ein Feuer auf dem Übungsgelände gegeben, das etwa sechs Hektar erfasst hatte und vergleichsweise rasch gelöscht wurde. Die Behörden vermuten vorsätzliche Brandstiftung als Ursache des zweiten Feuers. Die Ermittlungen dazu laufen.

Ein 38 Jahre alter Mann aus der Lübtheener Gegend, der am Wochenende im Sperrgebiet angetroffen und vorübergehend festgenommen worden war, ist wieder auf freiem Fuß. Nach bisherigen Erkenntnissen habe er nichts mit dem Waldbrand zu tun, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Doch weil in dessen Haus unter anderem Gewehre und Munition gefunden worden seien, werde gegen ihn wegen Verdachts auf Verstoß gegen das Sprengstoff- und gegen das Kriegswaffengesetz ermittelt.

Die Bundeswehr hatte das Manövergebiet mit Schießbahnen 2013 verlassen. Doch nicht nur Munitionsreste von Übungen von NVA und Bundeswehr bergen Gefahren. In dem Gebiet liegen nach Angaben von Umweltminister Till Backhaus (SPD) auch große Mengen von Munition aus dem Zweiten Weltkrieg. Nach dem neuerlichen Brand wurden Forderungen laut, die Beräumung voranzutreiben.

Bundesweite Einsatzgruppe soll geschaffen werden

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) sieht vorrangig den Bund in der Pflicht, rasch für mehr Sicherheit zu sorgen. Der Bund habe für die Beräumung des Übungsplatzes 50 Millionen Euro eingeplant. Diese Mittel sollten nun schneller als geplant zum Einsatz kommen, verlangt die Regierungschefin.

Wie Schwesig macht sich auch ihr Innenminister Lorenz Caffier (CDU) für die Schaffung einer bundesweiten Einsatzgruppe stark. Diese solle nach dem Vorbild der bestehenden Medical Task Force an die Katastrophenschutzeinheiten angebunden werden und Feuerwehren insbesondere bei der Brandbekämpfung in munitionsbelasteten Gebieten unterstützen.

„Mit dieser Task Force und einer nationalen Strategie zur Waldbrandbekämpfung müssen sich Bund und Länder im Hinblick auf Ausrüstung, Ausbildung und taktisches Wissen bei der Bekämpfung von Landschaftsbränden für die Zukunft richtig aufstellen”, betonte Caffier. Am Mittwoch will er sich mit Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), dem Präsidenten des Technischen Hilfswerks, Albrecht Broemme, und dem Bundespolizeipräsidenten Dieter Romann in Lübtheen treffen, um auch darüber zu sprechen.

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Lübtheen

zur Homepage