Unter Beschuss vom eigenen Koalitionspartner: SPD-Bildungsministerin Bettina Martin. Im Hintergrund ist Aufsichtsratschef Math
Unter Beschuss vom eigenen Koalitionspartner: SPD-Bildungsministerin Bettina Martin. Im Hintergrund ist Aufsichtsratschef Mathias Brodkorb von Universitätsmedizin Rostock zu sehen. Bernd Wüstneck
Universitätsmedizin Rostock

Wann wusste Bildungsministerin Martin vom Uni-Skandal?

Der Druck auf Bettina Martin wächst. Die CDU nimmt die Ministerin ins Visier und schließt einen Untersuchungsausschuss zur Aufklärung der Missstände an der Uniklinik Rostock nicht mehr aus.
Schwerin

Auch zwei Tage nach der Sondersitzung des Bildungsausschusses im Landtag ist Daniel Peters noch mächtig angefasst. Die Aussage von Bettina Martin, sie habe erst durch den Brandbrief von 41 zum Teil leitenden Ärzten von der katastrophalen Situation an der Universitätsmedizin Rostock erfahren, hält der CDU-Landtagsabgeordnete für „massiv zweifelhaft”.

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Es gibt durchaus Hinweise, dass die zuständige Bildungs- und Wissenschaftsministerin bereits vorher von den finanziellen, personellen und strukturellen Missständen gewusst habe, betont Peters. Es gebe enorme Widersprüche zwischen den Aussagen des Aufsichtsrates der Uniklinik, des Vorstandes und des Ministeriums. „Offenbar haben die SPD-Ministerin und der von ihrem Parteifreund Mathias Brodkorb geführte Aufsichtsrat ihre Rechts- und Fachaufsicht vernachlässigt”, ätzte Peters im Gespräch mit dem Nordkurier.

Brandbrief der Ärzte

Doch nicht nur die Rolle der Ministerin müsse kritisch hinterfragt werden, auch der mangelnde Kommunikationswillen von Brodkorb sei desaströs. Es sei jetzt nach Einschätzung von Peters wichtig, dass die Politik Akteneinsicht bekomme, um sich detailliert Protokolle und Beschlüsse von Vorstand und Aufsichtsrat anzuschauen. „Wenn wir dabei weitere Ungereimtheiten feststellen oder das Bildungsministerium auf Zeit spiele, will ich einen Parlamentarischen Untersuchungsausschuss nicht mehr ausschließen”, kündigte der CDU-Politiker an. Auch Linke und AfD liebäugeln mit der Einsetzung eines Untersuchungsausschusses.

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Durch den Brandbrief der Ärzte Anfang August war in der Öffentlichkeit bekanntgeworden, dass die Universitätsmedizin ihre Rolle als medizinischer Maximalversorger nicht mehr gewährleisten könne und die Kinder- und Jugendmedizin ebenfalls in ihrer Arbeitsfähigkeit gefährdet sei. Unmittelbar nach dem Brandbrief hatte die Landesregierung eine kurzfristige Finanzspritze in Höhe von insgesamt sieben Millionen Euro in die Unimedizin Rostock gepumpt. Im Jahr 2019 hatte die Einrichtung 28 Millionen Euro Verlust gemacht.

Zwischen dem Vorstand mit ihrem mittlerweile beurlaubten Vorsitzenden Christian Schmidt und Aufsichtsratschef Mathias Brodkorb war es in jüngerer Vergangenheit offenbar immer wieder zu Auseinandersetzungen um einen Sparkurs gekommen. Kritiker werfen Brodkorb vor, dass er diesen Sanierungskurs trotz der Belastung durch die Corona-Pandemie durchziehen wollte.

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