ONLINE-LEXIKON

Warum ein Bremer auf Wikipedia so viel über MV schreibt

Roland Kutzki arbeitete viele Jahre im Nordosten. Dieses Wissen nutzte er, um sich im Rentenalter dem Schreiben von Internet-Artikeln zu widmen – mit beträchtlichem Output.
Auf dem Wissensportal Wikipedia können Autoren Fakten aufschreiben. Sie können dann alle kostenfrei lesen.
Auf dem Wissensportal Wikipedia können Autoren Fakten aufschreiben. Sie können dann alle kostenfrei lesen. Sebastian Gollnow
Roland Kutzki war viele Jahre lang Chef der Städtebauförderung der Landesregierung MV.
Roland Kutzki war viele Jahre lang Chef der Städtebauförderung der Landesregierung MV. privat
Seenplatte ·

Jeder liest nahezu täglich Beiträge auf dem weltbekannten Internetportal Wikipedia. Doch wer die Artikel über die Ereignisse, Bauten und Persönlichkeiten des Nordostens in diesem virtuellen Lexikon verfasst, bleibt zumeist verborgen. Dabei stecken hinter den Recherchen oftmals interessante Persönlichkeiten – wie Roland Kutzki.

Dass es außerhalb von Rostock und Stralsund lange Zeit relativ wenig aus Mecklenburg-Vorpommern auf Wikipedia zu lesen gab, hatte ihn vor einigen Jahren schlichtweg geärgert. „Die Leere störte mich.” So begann der Bremer irgendwann einfach auch über den Nordosten zu schreiben. Heute verfasst Kutzki fast nur noch Beiträge über Mecklenburg-Vorpommern auf dem Wissensportal.

Dutzende Artikel über Bauwerke

Reichlich Übung hatte er schon, als er sich vor rund zehn Jahren erstmals dem Nordosten widmete: Denn nach seinem Eintritt in den Ruhestand konnte der ehemalige Workaholic nicht einfach abschalten und entdeckte das Schreiben früh für sich. 2006 begann er zunächst mit Geschichten über seine Heimatstadt Bremen aber auch aus eigenem Interesse über Strukturen und Persönlichkeiten der Sowjetunion.

Von mehr als 3000 Beiträgen, die Kutzki seither für Wikipedia verfasst hat, widmen sich nunmehr schon rund 500 Mecklenburg-Vorpommern. Zum Beispiel schrieb er rund zwei Dutzend Artikel über Bauwerke in Neustrelitz, wie über denkmalgeschützte Häuser, den Marktplatz oder das Rathaus. Er verfasste unter anderem Beiträge über Kirchen in Altentreptow, Röbel, Anklam, Mirow oder Dargun, über Windmühlen in Woldegk, das Stadtarchiv Malchow oder über das Kreiskrankenhaus und den Berliner Speicher in Demmin.

Ex-Leiter der Städtebauförderung

Das Know-How des heute 79-Jährigen kommt nicht von ungefähr: Nach der Wende leitete Kutzki 14 Jahre lang die Städtebauförderung der Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern – und begleitete auf diese Weise unzählige Projekte selbst. In Neubrandenburg sorgte er nach eigener Schilderung beispielsweise dafür, dass die Konzertkirche nach langem Kampf gegen schlechte Konzepte schließlich doch noch nach einem aus seiner Sicht „brillanten Entwurf” eines finnischen Architekten gestaltet werden konnte. Nicht überraschend, dass er dann natürlich auch den Beitrag über die Konzertkirche zusammentippte.

Zu Demmin fand er zunächst keinen richtigen Draht, wie er sagte. Das änderte sich aber wohl, als er mit den Menschen dort näher in Kontakt trat. So zählt er bislang immerhin acht Beiträge aus der Hansestadt in seiner Statistik. In Altentreptow begeisterte ihn damals die aus seiner Sicht überaus durchsetzungsstarke Bürgermeisterin Sybille Kempf. Auch über Bauwerke der Kleinstadt an der Tollense schrieb er bislang neun Beiträge.

Geld gibt’s für die Artikel nicht

Genauso wie bei seiner früheren Arbeit ist Kutzki beim Schreiben seiner Wikipedia-Artikel natürlich auf Hilfe angewiesen – gerade weil er in der Regel aus der Ferne schreibt. Die findet er oft, aber nicht immer. Roland Kutzki ist auch schon auf Widerstände gestoßen wie beispielsweise beim Schreiben eines Artikels aus der Hansestadt Wismar, über die Kutzki besonders viel wiedergegeben hat.

Anfeindungen erlebte Kutzki wiederum selten. Es drohte zwar einmal ein Rechtsstreit, dieser löste sich jedoch ohne Folgen. So schreibt Kutzki selbstbewusst weiter unter Angabe seines richtigen Namens. Dass das im Internet längst nicht alle Autoren tun, bedauert Kutzki: „Viele müssten gar nicht anonym schreiben.” Geld bekommt Kutzki für seine Beiträge übrigens nicht. Unter den Autoren hat sich das sogar zu einer Art Kodex gemausert, genauso wie der Verzicht auf Werbung. „Wir reagieren sogar empfindlich, wenn jemand daran verdient.”

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