NOVUM IN DEUTSCHLAND

Warum ein Däne Rostocker Oberbürgermeister werden will

Im Mai 2019 wird in Rostock gewählt. Unter den Bewerbern ist einer, dessen Kandidatur der Hansestadt ein Alleinstellungsmerkmal bescheren könnte.
dpa
Claus Ruhe Madsen will neuer Rostocker Oberbürgermeister werden.
Claus Ruhe Madsen will neuer Rostocker Oberbürgermeister werden. Bernd Wüstneck
Rostock.

Der Däne Claus Ruhe Madsen will für ein Novum sorgen. Geht der Plan des 46-Jährigen auf, wird er Ende Mai als erster Ausländer zum Oberbürgermeister einer deutschen Großstadt gewählt. Eine Konstellation, die es nach Angaben des Deutschen Städte- und Gemeindebundes so noch nicht gegeben hat. Madsens Botschaft könnte mit „viel reden, viel lachen und dann entscheiden“ zusammengefasst werden. Damit möchte er in den kommenden sieben Monaten Wahlkampf machen.

Bis zur Wahl Ende Mai muss sich der parteilose Madsen, der von CDU und FDP nominiert wurde, mit Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke), dem grünen Fraktionschef Uwe Flachsmeyer, dem Personalchef der Stadtverwaltung Dirk Zierau (Wählerbündnis UFR) und voraussichtlich mit Finanzsenator Chris Müller-von Wrycz Rekowski (SPD) messen. Ein Rennen, bei dem Beobachter noch keinen Favoriten ausgemacht haben. Trotz aller politischer Unterschiede werde er seinen ruhigen kommunikativen Stil beibehalten, bekräftigt Madsen.

Politologe Jan Müller: „Er hat durchaus gute Chancen”

Vor mehreren Monaten war der Präsident der IHK zu Rostock und Chef einer Möbelkette mit fünf Standorten und 100 Mitarbeitern „aus dem politischen Raum“ angesprochen worden, ob er sich nicht um den Posten des Verwaltungschefs von Mecklenburg-Vorpommerns größter Stadt bewerben wolle. „Das habe ich zunächst nicht ernst genommen, aber als dann konkrete Nachfragen kamen, habe ich mich ernsthaft damit beschäftigt“, erzählt Madsen.

Lange habe es nicht gedauert und Madsen, der seit 1998 in Rostock lebt und hier seine Karriere aufgebaut hat, war nach Gesprächen mit der Familie und den Partnern in seiner Firma bereit. „Ich könnte nun nach 20 Jahren ein Buch schreiben, aber nach weiteren 20 Jahren als Möbel-Unternehmer wäre es nicht dicker“, verweist er auf seinen Tatendrang.

„Er hat durchaus gute Chancen“, sagt der Rostocker Politologe Jan Müller. Madsen vertrete den wichtigen Wirtschaftsbereich in der Region und könne sich wegen seiner Parteilosigkeit den Wählern als unabhängig darstellen. Zudem sei in der politischen Mitte viel Platz für einen Kandidaten wie ihn.

Dauerkonflikte mit Bürgerschaft und Landkreis

Hintergrund der Kandidatur sei, dass es richtig viel zu tun gibt in der Hansestadt, die in den vergangenen 14 Jahren vom parteilosen Roland Methling geführt wurde, sagt Madsen. Methling hatte die Stadt mit mehr als 210 Millionen Euro Kassenkredite übernommen und die Zeit genutzt, diesen Schuldenberg vollständig abzubauen. Madsen möchte dies zwar als gute und richtige Arbeit, aber nicht ausschließlich als Verdienst betrachten. „Es ist ein Trugschluss, dass wir nun eine heile Welt haben“, verweist er auf den teils indiskutablen Zustand von Straßen, das fehlende Radwegenetz, Probleme im Wohnungsbau oder die unzureichende Digitalisierung in Schulen. „Da blieb viel zum Schuldenabbau liegen.“

Mitverantwortlich dafür seien auch die Dauerkonflikte Methlings mit der Bürgerschaft und dem umliegenden Landkreis Rostock. Sollte er gewählt werden, läge seine Priorität in diesen Gesprächen. „Wir müssen uns zusammensetzen und Kaffee trinken“, sagt Madsen, bei dem täglich zwei Liter Kaffee Standard sind. Dabei müssten auch geplante Großprojekte wie Volkstheater, Buga 2025, Museum oder Sporthallen auf den Prüfstand gestellt werden. „Wenn aber die Dinge festgezurrt sind, gilt, dass Verträge zu halten sind.“

Sei Aschenbrödel! - Dein personalisierbares Märchenbuch zum Film!

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Rostock

zur Homepage

Kommentare (1)

würde ich den Uwe Flachsmeyer von den Grünen als Bürgermeister-Kandidaten empfehlen (= Daumen hoch).

De Däne Claus Madsen (Gemeinschaftlicher Kandidat von CDU&FDP) weiß nicht, was er sich und der Stadt Rostock mit seiner Kandidatur antut. Er sollte besser Möbelhaus-Chef bleiben, schon seinen Angestellten zuliebe.

Die anderen drei Kandidaten (SPD, Linke und Freie Wähler) kann ich nicht einschätzen, ob sie fachlich und menschlich geeignet wären, den OB-Job vom Methling zu übernehmen.

Die angedachten Großprojekte (Turnhallen, Museen, Volkstheater, Bundesgartenschau 2025) sind sinnvoll, definitiv und sollten unbedingt durchgezogen werden, egal ob es in den nächsten Jahren eine größere Wirtschaftskrise gibt oder nur eine kleinere. Denn: "In jeder Krise liegt auch eine kleine Chance, man muß sie nur zu nutzen wissen." (aus dem Chinesischen relativ frei übersetzt)