Noch fehlt das Fischbrötchen-Emoji auf der Smartphone-Tastatur. So könnte es aussehen.
Noch fehlt das Fischbrötchen-Emoji auf der Smartphone-Tastatur. So könnte es aussehen. Simon Voigt/Gestaltung:Rowena Riemer
Puristisch und gut: So wie hier von unserer Grafik-Praktikantin Rowena Riemer gestaltet, könnte das Fischbrötchen-Em
Puristisch und gut: So wie hier von unserer Grafik-Praktikantin Rowena Riemer gestaltet, könnte das Fischbrötchen-Emoji aussehen. Rowena Riemer
Kulturgut

Warum es endlich ein Fischbrötchen-Emoji geben sollte

Zum Welttag des Fischbrötchens kommt hier das Emoji, das die Menschen im Norden schon lange vermissen. Und so könnte es auf Smartphones kommen.
Neubrandenburg

Ein schönes Stück Fischfilet, ein Salatblatt, ein paar Zwiebeln, bei der Remoulade wird es schon kompliziert. Mehr Gemüse? Ein Gürkchen? Über die richtigen Zutaten, die das perfekte Fischbrötchen ausmachen, können lange Debatten geführt werden. Das fängt schon beim richtigen Brötchen an, denn zwielichtige Buden setzen da leider viel zu oft auf traurige Aufbackware. Es lässt sich viel falsch machen und aus dem stolzen Fischbrötchen wird dann eine eher pappige Grätenschrippe.

Anlässlich des Weltfischbrötchentages am 7. Mai bezeichnete der Tourismusverein Ostsee-Holstein das Fischbrötchen als „Currywurst des Nordens“, was eigentlich eine Beleidigung ist, denn es steht kulinarisch mindestens drei Stufen über diesem tunkigen Gruß aus der VW-Kantine. Matjes, Bismarckhering, Thunfisch, Schillerlocke, Lachs, geräuchert, Backfisch, Krabben oder Labskaus, allein schon bei der Kernzutat kennt das Fischbrötchen so viel mehr Variationen.

Schnickschnack lenkt nur ab

Kommentar eines Liebhabers aus Vorpommern, der eine klare Meinung zu seinem Fischbrötchen hat: „Das perfekte Bismarckbrötchen ist leicht angebacken (die Kruste sollte den Gaumen nicht aufreißen) und lediglich mit einem Bismarckhering und einem Salatblatt belegt. Alles darüber hinaus ist Schnickschnack und lenkt nur von der Bismarckqualität ab.”

Der gebürtige Hamburger Tim Prahle, Lokalreporter beim Nordkurier in Neubrandenburg, gab sich bei dieser Gewissensfrage wählerischer: „Hauptsache auf die Hand!” Er esse fast jeden Fisch, wichtig sei nur der Hafen. Die Mecklenburgerin Rowena Riemer wiederum hatte eine eindeutige Antwort: Backfisch! Und bitte mit Remoulade. Als Praktikantin in der Grafikabteilung des Nordkurier hat sie zudem unser schönes Emoji gestaltet, das es vielleicht irgendwann auch auf deine Smartphone-Tastatur schaffen könnte.

Denn der Norden hat sich sein Fischbrötchen als Heimat-Emoji einfach verdient. Burger, Tortilla, Pizza, Nudeln, Döner und sogar ein Schweizer Käsefondue: Diese Emojis gibt es schon und dazwischen ist noch genug Platz für das Fischbrötchen, das nahrhaft und identitätsstiftend zugleich ist. Das erkennt sogar ein Kapitän mit Augenklappe. Es würde auch als Wahrzeichen taugen und die Liste nach der Freiheitsstatue, dem Tokio Tower oder der Osterinsel vortrefflich ergänzen.

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Ein Konsortium wacht über die Emojis

Damit aus einem digitalen Bildchen ein richtiges Emoji wird, muss die Idee das sogenannte Unicode-Konsortium in Kalifornien überzeugen. Es führt die Oberaufsicht über den Unicode-Standard, der festlegt, wie Schriften und Zeichen elektronisch gespeichert werden. Zu diesem Konsortium gehören gewichtige Internetkonzerne wie Google, Apple, Meta, Microsoft, IBM, Oracle, Netflix, Adobe oder SAP, die für ihren Platz einen Mitgliedsbeitrag zahlen. Etwa jährlich veröffentlicht Unicode eine neue Zeichentabelle, zu der seit 2010 auch Emoji gehören. Diese wandern dann mit der Zeit auf die Geräte und in die Betriebssysteme der verschiedenen Hersteller und sind dann auch in Messengern wie WhatsApp, iMessage, Telegram, Signal oder Facebook verfügbar.

Wer ein neues Emoji einreichen will, muss einen umfangreichen Antrag ausfüllen. Das hatten im August 2021 etwa Redakteure des „Kölner Stadt-Anzeigers” versucht und wollten das „Domoji”, den Kölner Dom als Emoji, einführen lassen. Die Redaktion hatte argumentiert, dass der Dom eben nicht nur ein Bauwerk und religiöser Ort, sondern darüber hinausgehend ein Symbol für eine ganze Region, für Heimatgefühl und Hoffnung sei. Nach etwa zwei Monaten meldete sich Unicode zurück, bedankte sich für den Aufwand und lehnte die Idee ab.

Ein Geschenk für den Norden – vom Nordkurier

Heimat? Hoffnung? Das kann das Fischbrötchen auch! Und da es kein Gebäude ist, dürften die Chancen sogar noch besser stehen, denn Nahrungsmittel haben es in der Liste bedeutend einfacher. Je nach dem, wie gut nun unser Vorschlag bei den Lesern ankommt, wird sich auch der Nordkurier um einen Antrag bemühen. Als Geschenk für alle Liebhaber im Norden und alle anderen Freunde des Fischbrötchens da draußen.

Um das Unicode-Konsortium zu überzeugen, brauchen wir jetzt gute Argumente. Warum sollte es ein Fischbrötchen-Emoji geben? Ideen gehen an [email protected] Die besten Vorschläge prämieren wir mit einem Fischbrötchen-Anstecker, die wir in limitierter Auflage geprägt haben.

Das Fischbrötchen-Emoji

Tipps für die nächste Pilgerfahrt

Bis dahin bleibt das Fischbrötchen dort, wo es hingehört: in der Hand und bald im Magen. Für Tipps, wohin die nächste Pilgerfahrt gehen könnte, half wieder eine Umfrage in der Redaktion weiter. So soll es etwa in Rankwitz auf Usedom besonders guten Matjes oder Räucherfisch geben, der Fischerhof dort sei in den vergangenen Jahren immer weiter ausgebaut worden. „Fisch13” in Greifswald hat einen Ruf für seine Innovationen an der Fischbrötchen-Theke, etwa der „Pflaumenaugust”, ein Matjesbrötchen mit Pflaumenmus. Experimentell ist es auch in Lübeck, wo es bei „Fin & Grete” Lachsscheiben mit Whiskey-Ingwer-Beize im hauseigenen Ciabatta geben soll. Das Lokal gehört zur Fischbrötchenstraße, auf der Hungrige entlang der schleswig-holsteinischen Ostseeküste etwa 50 Buden finden.

In Stockholm soll es trotz Ostseezugang keine Fischbrötchen geben, wie ein Kollege kürzlich zu seinem Erstaunen feststellte und vielleicht ist ja damit schon eine weitere Marktlücke gefunden.

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