Mit Go-Go-Casting hinter Gitterstäben: So wurde im Dezember 2000 im Neubrandenburger „Colosseum” gefeiert.
Mit Go-Go-Casting hinter Gitterstäben: So wurde im Dezember 2000 im Neubrandenburger „Colosseum” gefeiert. Eckhard Kruse/NK-Archiv
Sehnsucht nach dem Techno-Bunker: So haben die Leute im legendären Hyperdome in Murchin gefeiert.
Sehnsucht nach dem Techno-Bunker: So haben die Leute im legendären Hyperdome in Murchin gefeiert. NK-Archiv
Heimweh

Warum in MV die Großraumdiskos fehlen

Viele Menschen erinnern sich gerne an die großen Tanz-Paläste im Nordosten, die uns früher wach hielten. Unsere Reporterin schaut auf die Großraumdisco-Hölle zurück: Verrauchte Nächte, wummernde Bässe, Sumo-Ringer-Türsteher und mehr.
Neubrandenburg

Hölle, Hölle, Hölle, Hölle. Fast jeder, der in den 90ern aufgewachsen ist, hat einen Teil seine Jugend in Großraumdiskotheken verbracht. Erinnern Sie sich noch an die tolle Zeit damals? An jenen magischen Orten, an dem Küsse ausgetauscht und Ehen geschlossen wurden, an dem geraucht, getrunken, gefeiert, geliebt, gelitten und gelebt wurde? Verlieben, verloren, vergessen, verzeihen.

Holiday In, KKH, Colosseum oder A20?

Ob Holiday In bei Torgelow, KKH in Pasewalk, Colosseum in Neubrandenburg, Musikarena A20 in Prenzlau oder Hyperdome in Murchin, mittwochs, freitags und sonnabends – immer begann der Abend in der Provinz mit der Frage: “Wie kommen wir da hin?” Es fuhr ein Zug nach nirgendwo.

Fahrer wurden eingeteilt, Abholer organisiert, Taxi-Unternehmer angebettelt. Oft war man fix und fertig, wenn man nach knapp 20 Kilometern Fußmarsch von Pasewalk bis Torgelow die Eingangstür des Holis erreicht hatte. Dort stand man dann Türsteher-Legende Torsten Scheibler gegenüber, hauptberuflich Sumo-Ringer. Alle hatten Angst vor ihm. Cotton Eye Joe.

Mit Dr. Alban war die Welt in Ordnung

Wenn der einen reinließ, ging die Erholung schnell: Jacke an der Garderobe abgegeben, durchlöcherten Zettel, der als Währung diente, in Empfang genommen und zu It’s My Life von Dr. Alban und wummernden Bässen getanzt. Schon war die Welt in Ordnung.

Es wurde in Käfigen, auf Boxen, Tresen und an Stangen getanzt, es gab Schaum bis zur Decke und Qualm ohne Ende, man rauchte, man trank, man tanzte und feierte bis der Fußboden klebte, der Morgen graute und Frauen Klopapier an den Hacken ihrer Schuhe hinter sich her schleiften. Männer sind Schweine.

Am Ende waren Garderobenmarke und Verzehrzettel natürlich verloren, endlose Diskussionen mit dem Personal folgten – es war immer dasselbe. Über die Rückreise hatten man sich bis zum Verlassen der Disko im Morgengrauen noch keine Gedanken gemacht. Insomnia. Man schwor sich, sowas niemals wieder zu tun.

Schreiben Sie uns Ihre Lieblingserinnerungen

Inzwischen sind die Party-Tempel von damals ausgestorben – erstaunlich leise. Haben Sie auch Erinnerungen oder sogar Fotos aus den Großraumdiscos der 90er? Wissen Sie, was aus Torsten Scheibler oder anderen Nachtschwärmern von damals geworden ist? Dann erzählen Sie uns Ihre Erinnerungen! Schreiben Sie uns einfach eine Mail an [email protected] Wir freuen uns auf Ihre Geschichten! Weiß der Geier.

Mehr solcher Erinnerungen liefert der Heimweh-Newsletter des Nordkurier. Wer ihn bis zum 15- April abonniert, kann sogar etwas gewinnen. Mehr Infos gibt es in der Infobox.

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