Seit Jahresbeginn schlagen die Energiepreise für viele Haushalte voll durch.
Seit Jahresbeginn schlagen die Energiepreise für viele Haushalte voll durch. Jörg Sarbach
Krise

Warum kommen die sinkenden Energiepreise nicht bei den Kunden an?

An den Energiebörsen sind Strom und Gas so günstig wie schon lange nicht mehr. Für Endverbraucher zeigt die Preiskurve aber weiter nach oben. Läuft da was schief?
Neubrandenburg

Nach den Höhenflügen des vergangenen Jahres hat sich der Wind fast über Nacht gedreht: An den Energiebörsen sind die Preise für Strom und Gas teilweise unter das Niveau von vor dem russischen Überfall auf die Ukraine gefallen. Im Vergleich zu den Höchstständen im vergangenen August haben sich auf dem freien Markt Strom um rund 65 Prozent und Gas um bis zu 84 Prozent verbilligt. Gleichzeitig schlagen in vielen Haushalten oft seit Jahresbeginn die angestiegenen Preise der regionalen Versorger mit voller Wucht durch.

Zu früh für eine Entwarnung

Das wird sich offenbar auch nicht so schnell ändern. „Die erfreuliche Entwicklung der Gas- und Strompreise ist eine Momentaufnahme und die Energiekrise damit noch nicht überwunden“, erklärt Ingbert Liebing, Hauptgeschäftsführer des Verbandes Kommunaler Unternehmen (VKU). Für eine Entwarnung sei es noch zu früh.

Er verweist auf die „konservative Beschaffungsstrategie“ von Stadtwerken. Die Versorger kaufen seinen Angaben zufolge Energie in vielen kleinen Teilmengen zu verschiedenen Zeitpunkten ein. „Wenn Stadtwerke stattdessen immer aktuell einkaufen würden, hätten Verbraucherinnen und Verbraucher im vergangenen Jahr ein Vielfaches der auf den Strom- und Gasrechnungen ausgewiesenen Preise bezahlen müssen“, schätzt er ein.

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Bis heute profitierten Endkunden von den günstigen Preisen in drei Jahren vor der Energiekrise. In den Kundenzentren der Stadtwerke herrsche ein anhaltend hoher Beratungsbedarf, räumt Liebing ein. Im Mittelpunkt stünden Fragen zur Gas- und Wärme- sowie Strompreisbremse.

Regionale Unterschiede sind ganz beachtlich

Doch Stadtwerk ist augenscheinlich nicht gleich Stadtwerk, auch wenn die Beschaffungsstrategien sich ähneln mögen. Kunden der Stadtwerke Neustrelitz fallen bei Strom zum Beispiel nicht unter den Energiepreisdeckel, der Erstattungen ab einem Preis von 40 Cent je Kilowattstunde vorsieht. Nach der Preiserhöhung von Januar werden im Stadtgebiet 36,09 Cent je Kilowattstunde verlangt. Eine Sprecherin führt den Tarif auf die „umsichtige Beschaffungsstrategie“ zurück und blickt nach vorn. „Jetzt kaufen wir schon für 2024 ein“, betont sie.

Die Unterschiede sind regional beachtlich. Im Gegensatz zu den Neustrelitzern werden Neubrandenburger Stadtwerkekunden auf den Energiepreisdeckel zurückgreifen müssen, der für 80 Prozent des Verbrauchs einen Preis von 40 Cent je Kilowattstunde garantieren soll. Die Neubrandenburger Stadtwerke setzen ihren Preis laut Homepage bei 50,21 Cent an, die Stadtwerke Prenzlau für ihren Uckerstrom bei 34,25 Cent je Kilowattstunde. Kunden in ländlichen Regionen müssen oft deutlich mehr bezahlen. Als Grund nennen die Versorger die vom Betreiber Edis verlangten Netzgebühren, die außerhalb der Städte anfallen.

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Die niedrigeren Energiepreise bei den Börsen haben unterdessen wieder den Wettbewerb unter den Versorgern in Schwung gebracht. Nicht nur windige Billigheimer sondern auch renommierte Anbieter wie Vattenfall können wieder gebucht werden. Bis vor kurzem war in vielen Fällen die eigentlich teure Grundversorgung von Stadtwerken noch unschlagbar günstig. Inzwischen liegen viele Wechselangebote aber wieder deutlich unter dem „amtlichen“ Energiepreisdeckel von 40 Cent je Kilowattstunde.

Auch frische Tarife liegen über den Preisen vor der Energiekrise

„Auf jeden Fall sollten bei Wechselbedarf mehrere Vergleichsportale genutzt werden“, rät Arian Freytag, Energieexperte der Verbraucherzentrale MV. Kunden, die sich langfristiger binden wollen, sollten mögliche Boni herausrechnen, die zum Beispiel nach einem Jahr wegfallen könnten. Zudem schlägt er nicht zu lange Laufzeiten mit Festpreisen vor. Doch worüber auch die neuen Angebote nicht hinwegtäuschen können: Auch die „frischen“ Stromtarife liegen immer noch um etwa 50 Prozent über den Preisen aus der Zeit vor der Energiekrise.

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Kommentare (2)

Mittlerweile flattert jeden Monat eine neue Mieterhöhung bei mir ein. Mein Vermieter ist einer der beiden klassischen Großvermieter in NB.

Haben wir doch noch in der Schule gelernt...im Kapitalismus müssen Profit gemacht werden...
Ganz gleich wie der Einkaufspreis ist...man findet immer eine Ausrede!
Und scheinbar haben die Deutschen Endverbraucher noch zu viel Geld...sonst wären sie ja Montags auf den Demos, die nicht von Querdenkern, Nazis und Reichsbürgern, sondern von der bürgerlichen Mitte organisiert werden! Denn dort geht es genau auch um diese Themen...Benzin- und Dieselpreise...Energiepreise...Kriegseintritt Deutschlands...Gendern...Klimakleber...Politiker ohne Berufsabschluss...Wohlfahrtsverbände...
Profitgier ist eines der Merkmale des Kapitalismus!
Und das merken derzeit zu wenige!
Also muss es noch teurer werden...
Wacht doch endlich auf...diese Regierung setzt das, was in den Wahlprogrammen gestanden hat gar nicht um...sie machen genau das Gegenteil!
Was kümmert uns das Geschwätz von gestern!