Mehr Handwerk: Aus Politik und Wirtschaftsverbänden mehren sich die Stimmen, dass nicht alle Schüler zwangsläuf
Mehr Handwerk: Aus Politik und Wirtschaftsverbänden mehren sich die Stimmen, dass nicht alle Schüler zwangsläufig Abi machen und studieren müssen. Hendrik Schmidt
Handwerk

Warum nicht jeder MV-Schüler studieren muss

Unternehmen lechzen nach Personal. Es fehlen nicht nur Fach-, sondern auch grundsätzlich Arbeitskräfte. Muss vor diesem Hintergrund eigentlich jeder Schüler zum Gymnasium?
Schwerin

Hagen Reinhold ist als Bundestagsabgeordneter nicht nur Politiker, der FDP-Mann aus Mecklenburg-Vorpommern ist auch Bauunternehmer – und führt Diskussionen über Fach- und Arbeitskräfte nicht nur vom wohlig-warmen Büro. Reinhold kennt die Praxis auf matschig-schlammigen Baustellen. „Es fehlen nicht nur Fach-, es fehlen Arbeitskräfte. Ob Führerschein oder Serviceerfahrung, in vielen Betrieben wird jede noch so kleine Qualifikation händeringend gebraucht”, sagt Reinhold im Hinblick auf den eklatanten Personalmangel.

Zu viel Wert auf universitäre Bildung gelegt

Es falle uns jetzt auf die Füße, dass in den vergangenen Jahrzehnten ein zu starker Fokus auf die universitäre Bildung gelegt worden sei. Einsteigern und Quereinsteigern ins Handwerk müsse nun der Berufsstart erheblich erleichtert, Aus- und Fortbildungsangebote attraktiv und neben dem Beruf ermöglicht werden, fordert der Liberale.

Mit diesem Verlangen läuft Reinhold bei der Industrie- und Handelskammer Neubrandenburg (IHK) offene Türen ein. „Bei den Unternehmern in unserer Region ist der mit Abstand größte Bedarf bei Mitarbeitern mit abgeschlossener dualer Berufsausbildung. Wir haben in Deutschland rund 320 duale Ausbildungsberufe. Dem gegenüber gibt es mehr als 20.000 Studiengänge an deutschen Universitäten und Hochschulen”, nennt Torsten Haasch, Hauptgeschäftsführer der IHK, bemerkenswerte Zahlen.

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Eine weiter zunehmende Akademisierung löse nicht den Fachkräftemangel in unserem Land. „Wir haben sehr gute Karrieremöglichkeiten auf Basis der Dualen Berufsausbildung – diese Chancen stärker zu kommunizieren, ist eines unserer Ziele. Die gesellschaftliche Anerkennung der dualen Berufsabschlüsse – um die uns im übrigen viele Industrieländer der Welt beneiden – ist besonders wichtig, so der Wirtschaftsvertreter.

Noch weiter geht Enrico Schult. Der Bildungspolitiker der AfD-Fraktion wird am Mittwoch im Landtag erneut einen Antrag zur Änderung des Schulgesetzes präsentieren. „Da dem Land Fachkräfte in Industrie und Handwerk fehlen, vergleichsweise viele Schüler im Sinne des Akademisierungswahns aber zum Abitur streben, möchten wir die Regionalschulen und die duale Berufsausbildung gegenüber dem Gymnasium stärken”, sagt der Landtagsabgeordnete aus Demmin. Motto: Meister statt Master.

Weniger Schüler aufs Gymnasium

Demnach solle am Ende der Orientierungsstufe für die Schullaufbahnempfehlung Gymnasium ein gesteigerter Notendurchschnitt von 2,0 statt wie bisher 2,5 erforderlich sein. Schult ergänzt: „Zudem gilt das Probejahr für Gymnasiasten in der Klasse 7 nur als erfolgreich absolviert, wenn der Notendurchschnitt der Hauptfachnoten nicht schlechter als 3,5 ausfällt, wobei insgesamt kein Fach mit der Note 5 (mangelhaft) abgeschlossen werden darf.”

Blieben auf diese Weise mehr gute Schüler der Regionalschule erhalten, würde dies dort das Niveau steigern, und auch der Facharbeiterausbildung und dem Handwerk stünden so endlich bessere Absolventen zur Verfügung – während das Gymnasium eher den Leistungsstärksten zur Herausbildung von echter Studierfähigkeit vorbehalten wäre. „Sowohl die Berufs- und die Mittlere Reife als auch das Abitur würden in ihrem Wert jeweils gewinnen”, betont Schult.

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Unabhängig wie die Debatte im Landtag ausgeht, nimmt Hagen Reinhold die rot-rote Landesregierung in die Pflicht. „Die Regierung muss jetzt schleunigst in die Puschen kommen und Stellen in MV schaffen, die alle Bemühungen rund um die Fachkräfteanwerbung zentralisiert. Es gibt schon viel Engagement im Land und bei der Wirtschaft, da braucht es jetzt einen, der es bündelt”, stellt der FDP-Politiker klar.

 

 

 

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