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Messer, Ketten, Schnaps

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Was alles in MV-Gerichte geschmuggelt wird

Mit einem Messer in den Gerichtssaal - auf diese Idee kommen Angeklagte und Zuschauer in Mecklenburg-Vorpommern offenbar immer wieder (Symbolbild).
Mit einem Messer in den Gerichtssaal – auf diese Idee kommen Angeklagte und Zuschauer in Mecklenburg-Vorpommern offenbar immer wieder (Symbolbild).
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Nur ein Gericht in MV erfasst detailliert, was Zuschauer und Angeklagte einschmuggeln wollen. Besonders beliebt sind offenbar Messer – aber längst nicht nur.

Bei Einlasskontrollen an den Gerichten Mecklenburg-Vorpommerns sind in den vergangenen Jahren hunderte gefährliche Gegenstände entdeckt worden. Die Dunkelziffer dürfte tatsächlich noch viel höher liegen, da diese Kontrollen nur stichprobenartig oder bei besonderen Anlässen durchgeführt werden.

Allein am Amtsgericht Güstrow wurden in den vergangenen drei Jahren 185 Messer sichergestellt. Gefunden wurden dort und an anderen Gerichten aber auch Eisenketten, Pfeffersprays, Schraubenzieher und – eine Flasche Goldbrand. Das geht aus der Antwort der Landesregierung auf eine kleine Anfrage der oppositionellen Landtagsfraktion Bürger für Mecklenburg-Vorpommern (BMV) hervor, die dem Nordkurier vorliegt.

Kontrollen bei Reichsbürgern

"Es gibt nur ein Gericht in Mecklenburg-Vorpommern, dass genaue Auskunft über die pro Jahr bei Einlasskontrollen gefundenen gefährlichen Gegenstände geben konnte", kritisiert BMV-Abgeordneter Matthias Manthei. Beim Amtsgericht Güstrow hätten die Justizbeamten insgesamt 230 gefährliche Gegenstände entdeckt, davon 185 Messer – satte 80 Prozent. Am Land- und Amtsgericht Neubrandenburg wiederum seien zwischen 2013 und 2017 insgesamt 216 gefährliche Gegenstände sichergestellt worden – davon 146 Messer, also 68 Prozent aller gefundenen Gegenstände.

"Es gibt dringenden Handlungsbedarf. Erstens muss das Justizministerium für eine umfassende statistische Erfassung der sichergestellten gefährlichen Gegenstände sorgen. Zweitens ist die Sicherheitsausstattung der Justizbehörden zu erhöhen, und zwar technisch und personell", so Manthei.

Laut Andreas Millat, Direktor des Amtsgerichtes Güstrow, werden die Kontrollen beispielsweise durchgeführt, wenn Reichsbürger im Zuschauerraum zu erwarten sind oder bei ausgewählten Strafsachen.

In Güstrow sank die Zahl der gefundenen gefährlichen Gegenstände übrigens seit 2015 kontinuierlich – offenbar ein Erfolg der Kontrollen, die sich in gewissen Kreisen herumsprechen.