Das Grab der ermordeten Leonie auf dem Friedhof in Wolgast (Landkreis Vorpommern-Greifswald).
Das Grab der ermordeten Leonie auf dem Friedhof in Wolgast (Landkreis Vorpommern-Greifswald). Tilo Wallrodt
Kinderschutz

Was hat MV aus dem Mordfall Leonie gelernt?

Der Mord an der kleinen Leonie aus Torgelow hatte vor zwei Jahren über die Grenzen Mecklenburg-Vorpommerns Entsetzen ausgelöst. Welche Konsequenzen hat die Politik gezogen?
Schwerin

Stefanie Drese spricht auch heute noch von einem besonders prägenden und aufwühlenden Fall – auf den auf Landesebene schnell reagiert worden war. Zwei Monate nach dem Mord am sechsjährigen Mädchen Leonie in Torgelow (Landkreis Vorpommern-Greifswald) im Januar 2019 hatte das Landeskabinett mit Sozialministerin Drese (SPD) die Einrichtung einer interministeriellen „Arbeitsgruppe Kinderschutz” beschlossen.

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Der Fall der kleinen Leonie habe auf furchtbare Art und Weise Fehler aufgezeigt, die Anlass waren, „die Bedeutung einer guten Kooperation für einen funktionierenden Kinderschutz noch einmal besonders in den Blick zu nehmen”, teilte Drese in dieser Woche mit. Ziel der Arbeitsgruppe sei es gewesen, Antworten zu finden:

  • Was wird aktuell getan?
  • Was muss zusätzlich getan werden, um derart dramatische Fälle zu verhindern?
  • Welche weiteren Handlungsbedarfe bestehen?

 

Unter Federführung des Sozialministeriums und unter Beteiligung des Innenministeriums, des Bildungsministerium, des Gesundheitsministeriums und des Justizministeriums wurde sich mit dem Thema Kinderschutz aus verschiedenen Perspektiven auseinandergesetzt.

Stiefvater wegen Mordes verurteilt

Zur Erinnerung: Die kleine Leonie war über Monate von ihrem mittlerweile wegen Mordes verurteilten Stiefvaters David H. misshandelt und am Ende tot geprügelt worden. Jugendamt, Kinderarzt und Kindergarten hatten sich beispielsweise über blaue Flecken und andere Auffälligkeiten, gewundert, aber weder reagiert noch miteinander kommuniziert.

+++ Hier finden Sie alle Artikel zu dem tragischen Fall um die kleine Leonie. +++

Drese betonte jetzt im Sozialausschuss des Landtages, dass in den letzten Jahren bereits viele gute Maßnahmen ergriffen und umgesetzt worden seien, um die Bedingungen des Aufwachsens für Kinder und Jugendliche weiter zu verbessern. „Diese Bemühungen werden wir fortsetzen. Dabei ist es wichtig, dass wir in MV mit der ,AG Kinderschutz' auf ein gutes und stabiles Netzwerk aus kommunalen, überregionalen und öffentlichen, verbands- und vereinsangehörigen Partnern setzen können”, sagte Drese.

Die Ministerin benannte fünf Kernbereiche, die Grundlage für die Weiterentwicklung des Kinderschutzes in Mecklenburg-Vorpommern sein sollen:

1. Guter Kinderschutz geht alle an: Kitas, Schulen, Gerichte, Krankenhäuser, Arztpraxen, Ermittlungsbehörden, Vereine und insbesondere Jugendämter müssen sich als Schutzorte verstehen und Anwälte für Kinder sein.

2. Lernen aus früheren Fällen: Die Analyse von abgeschlossenen Kinderschutzfällen kann einen wesentlichen Beitrag für Verbesserungen im Kinderschutz leisten.

3. Unsicherheiten beim Datenschutz überwinden: Für mehr Rechtssicherheit beim Umgang mit Sozialdaten- und Kinderschutz wird eine Empfehlung zum Datenschutz erarbeitet.

4. Kenntnisse im Kinderschutz breiter vermitteln: Alle Beschäftigten, die mit Kindern und Jugendlichen in Kontakt stehen, sollen Grundkenntnisse im Bereich Kinderschutz, Kinderrechte, Frühe Hilfen und Netzwerkarbeit haben. Deshalb werden verstärkt Fortbildungen angeboten.

5. Ausbau der Beratungsangebote und Beteiligungsformate: Kinder und Jugendliche brauchen Anlaufstellen, die sich für die Umsetzung ihrer Rechte und Interessen einsetzen. Sie benötigen zudem geeignete Beratungsangebote und Beteiligungsformate.

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