Der CDU-Politiker Philipp Amthor sieht sich Vorwürfen der Nähe zu Rechtsextremisten ausgesetzt - wegen eines Fotos auf einer öffentlichen Veranstaltung.
Der CDU-Politiker Philipp Amthor sieht sich Vorwürfen der Nähe zu Rechtsextremisten ausgesetzt - wegen eines Fotos auf einer öffentlichen Veranstaltung. NK-Archiv (Claudia Malangre) / Twitter @Antifa_Linke
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Was steckt hinter Amthor-Foto mit Neonazis?

Im Internet kursiert ein Foto, das Philipp Amthor (CDU) mit zwei mutmaßlichen Neonazis zeigt. Wie ist das Foto entstanden – und was sagt der Abgebildete dazu?
Boock

Ein Foto von Philipp Amthor hat auf Twitter am Montag für viel Kritik gesorgt. Der CDU-Spitzenkandidat aus Mecklenburg-Vorpommern ist dort zu sehen, wie er auf einer öffentlichen Veranstaltung offenbar für ein Foto mit zwei Männern posiert.

An sich harmlos und für Amthor, der vor allem in der jungen Generation sehr bekannt und als Selfie-Motiv beliebt ist, vermutlich ein Routine-Schnappschuss. Doch einer der beiden Abgebildeten trägt ein T-Shirt, auf dem „Solidarität mit Ursula Haverbeck” gefordert wird. Haverbeck ist eine bekannte Holocaust-Leugnerin, die mehrere Gefängnisaufenthalte für ihre antisemitischen Aussagen absaß. Für sie bekunden etliche Rechtsextremisten immer wieder ihre Solidarität.

Quelle des Fotos angeblich Instagram-Account eines Neonazis aus MV

Der Twitter-Account der Antifaschistischen Linken Bochum, der dieses Foto am Montag auf Twitter postete schrieb dazu: „Während die CDU unter Armin Laschet momentan auf die Klimakrise gänzlich versagt, posiert Parteikollege Philipp Amthor mit gewaltbereiten Neonazis aus Mecklenburg-Vorpommern auf einem Reitturnier.” Die Aufnahme sei auf dem Pferdefestival Stettiner Haff aufgenommen worden. Die Quelle des Fotos sei der Instagram-Account eines Neonazis aus MV.

Der Tweet verbreitete sich rasant. Doch zwei Fragen stehen im Raum: Ist das Foto echt? Und was sagt der CDU-Abgeordnete dazu?

Foto „befremdlicheres Zeichen eines völlig unsachlichen Wahlkampfes”

Amthor selbst zeigte sich auf Nordkurier-Anfrage verärgert über den Vorgang: „Es schockiert mich, wie der Wahlkampf scheinbar gerade abläuft.” Er erklärte, dass er am Sonntag tatsächlich beim Pferdefestival in Boock in seinem Wahlkreis ein Grußwort gehalten und an der Siegerehrung für den großen Preis teilgenommen habe. „Bei solchen öffentlichen Auftritten kommt es ganz regelmäßig vor, dass ich von Bürgern nach Fotos gefragt werde – so auch dutzendfach gestern Nachmittag. Die beiden Bürger und ihren Hintergrund kannte und kenne ich nicht und hätte ansonsten natürlich kein Foto mit ihnen gemacht”, erläutert er weiter. An die Details des Schnappschusses könne er sich nicht mehr erinnern – eben weil er gleich eine ganze Reihe von Selfies mit Besuchern gemacht habe.

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Ob und inwieweit das auf Twitter veröffentlichte Foto nachträglich bearbeitet wurde, lasse sich für ihn deshalb nicht mit Sicherheit feststellen, sagt Amthor. Und er fügt mit Nachdruck hinzu: „Es ist jedenfalls allseits bekannt, dass ich in Berlin wehrhaft gegen die Gegner unseres Rechtsstaates kämpfe, weshalb es ein umso befremdlicheres Zeichen eines völlig unsachlichen Wahlkampfes ist, mich in einen solchen Kontext rücken zu wollen.“ Hätte er die T-Shirt-Aufschrift bemerkt, hätte er das Foto nicht gemacht.

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Der Artikel ist am 19.07.2021 um 17:07 Uhr um den letzten Satz ergänzt worden. Diesen hat Amthor in einer Stellungnahme auf seinem Instagram-Profil verwendet.

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