„Gefangene auf einem engen Raum – das geht in der Regel nicht lange gut”, heißt es aus der Justizvollz
„Gefangene auf einem engen Raum – das geht in der Regel nicht lange gut”, heißt es aus der Justizvollzugsanstalt Bützow. Bernd Wüstneck
Personalengpass

Wegen Corona weniger frische Luft für Häftlinge in JVA Bützow

Corona-Ausfälle belasten offenbar Personal und Häftlinge der JVA Bützow. Das Justizministerium räumt einige Probleme ein – und dementiert andere Gerüchte.
Butzow

Erneut verursacht die Justizvollzugsanstalt Bützow Negativschlagzeilen. Nachdem es in den vergangenen Jahren um chaotisches Tablettenroulette, vermeintlich vertuschte Gewalttaten, heftige Corona-Ausbrüche, strenge Sparmaßnahmen – gepaart mit einer offenbar großen Prise Gleichgültigkeit der Verantwortlichen in Verwaltung und Politik – ging, steht diesmal ein ausgeprägter Personalengpass mit einschneidenden Folgen für die Häftlinge im Mittelpunkt.

Offenbar sind die durch Corona bedingten Ausfälle bei den Mitarbeitern in der Justizvollzugsanstalt (JVA) akut so hoch, dass die Inhaftierten für 23 Stunden am Tag weggeschlossen werden. Dies erfuhr der Nordkurier direkt aus der JVA – aus Angst vor Repressalien bat der Informant, seinen Namen in der Berichterstattung nicht zu nennen.

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Weniger frische Luft

In der Regel gäbe es in der JVA bis zu vier Stunden am Tag „Aufschluss“ – das heißt, die Häftlinge dürfen dann ihre Zellen verlassen. Die für die Inhaftierten extrem wichtige Freistunde an der frischen Luft sei ebenfalls derzeit nicht gewährleistet – dies trage zu einer deutlich schlechteren und aggressiveren Stimmung bei, hieß es aus der Einrichtung im Landkreis Rostock. „Gefangene auf einem engen Raum – das geht in der Regel nicht lange gut“, so der Tenor.

Und noch etwas belastet offenbar die Gesamtsituation: Aufgrund des fehlenden Personals fänden weder resozialisierende Maßnahmen noch vorbereitende Entlassungsgespräche statt. Insgesamt sei alles ein großes Durcheinander, es herrsche Chaos im größten Gefängnis Mecklenburg-Vorpommerns, sagte ein Insider.

Ministerium reagiert überraschend

Mit der geschilderten Lage in der Justizvollzugsanstalt Bützow konfrontiert, reagierte das Justizministerium erstaunlich. Wurde in der Vergangenheit alles dementiert, was von Seiten der Häftlinge kritisiert wurde oder an die Öffentlichkeit drang, so räumt das Ministerium zumindest ansatzweise Probleme ein.

Konkret heißt das in der Rhetorik der Pressestelle: „Aktuell gibt es in der JVA Bützow mehrere bestätigte Corona-Infektionen sowohl bei Gefangenen als auch bei Bediensteten. Zum Schutz der Gesundheit aller Gefangenen und Bediensteten sind deshalb die bereits seit zwei Jahren bewährten und regelmäßig angepassten Schutzmaßnahmen noch einmal verschärft worden. Dies hat zur Folge, dass in Teilbereichen vorübergehend Tagesabläufe verändert wurden und dort beispielsweise gemeinschaftliche Maßnahmen derzeit nicht stattfinden können.“

Entschieden dementiert wird vom Justizministerium allerdings, dass es Chaos und Durcheinander im Gefängnis in Bützow gäbe. „Derartige Behauptungen werden dem Einsatz der Bediensteten im Justizvollzug nicht gerecht“, betont die Pressestelle. Richtig sei, dass erhöhte Infektionszahlen so wie im ganzen Land auch in den Justizvollzugsanstalten zu verzeichnen seien. Sicherheit und Ordnung seien allerdings zu jeder Zeit gewährleistet.

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