Technisches Hilfswerk im Einsatz
Weiter Probleme mit Fettklumpen an der Küste

Das Schmierfett hat sich inzwischen verkleinert und hat eine kaugummiartige Konsistenz und Farbe. Auch das Technische Hilfswerk (THW) wirkt an der Reinigung der Strände mit.
Das Schmierfett hat sich inzwischen verkleinert und hat eine kaugummiartige Konsistenz und Farbe. Auch das Technische Hilfswerk (THW) wirkt an der Reinigung der Strände mit.
Gabriel Kords (Kombo)

Auch am Sonntag waren Helfer, darunter das Technische Hilfswerk, im Einsatz, um die verschmutzten Strände zu reinigen. Der Nabu kritisiert die Behörden und Nord Stream 2, weil er deren Vorgehen zu zögerlich findet.

Umweltschützer kritisieren, dass die Aufräumarbeiten nach den Schmierfett-Anlandungen im Greifswalder Bodden nicht energisch genug vorangetrieben werden. „Das Schmierfett zerkleinert sich immer weiter und lässt sich somit immer schlechter wegräumen, je länger man wartet”, sagte Carl Barnick aus dem Kreisvorstand des Nabu Greifswald: „Aus unserer Sicht ist viel zu zögerlich gehandelt worden, obwohl wir die Behörden und Nord Stream 2 am Donnerstagmorgen auf das Problem aufmerksam gemacht haben.”

Nach wie vor sind Strände am Bodden mit den Fettklumpen belastet. So zeigte sich beispielsweise am Sonntagmorgen in Wampen über hunderte Meter ein Streifen mit angespültem Seetang, in dem Tausende der rosa schimmernden Fettpartikel kleben. Die Substanz hat eine klebrige, kaugummiartige Konsistenz. Das Umweltministerium hatte Strandbesucher am Freitag vor Hautkontakt mit der Substanz gewarnt.

Nord Stream 2: „Wir arbeiten mit Hochdruck”

Der Pipeline-Bauer Nord Stream 2 hält den Nabu-Vorwürfen entgegen, man arbeite mit Hochdruck an der Beräumung der Strände. An den meisten geprüften Stränden rings um den Bodden habe man keine Belastung feststellen können, an drei Orten gebe es eine „geringe Belastung”. In zwei Naturschutzgebieten, die eigentlich nicht betreten werden dürfen, stünden die Aufräumarbeiten noch aus: „Wir arbeiten da mit den Verantwortlichen für die Schutzgebiete und dem Technischen Hilfswerk eng zusammen”, sagte ein Nordstream-Sprecher. Er bat die Bevölkerung weiterhin darum, von der eingerichteten Hotline Gebrauch zu machen, sofern am Strand Fettklumpen oder sonstige Auffälligkeiten bemerkt würden.

Der Nordstream-Sprecher betonte zudem, bislang sei nicht nachgewiesen, ob das Schmierfett tatsächlich von einem durch Nordstream beauftragten Baggerschiff stamme – es gebe aber „den starken Verdacht”. Nordstream wolle aber unbürkoratisch und schnell helfen und habe daher bereits zugesagt, die Strände zu reinigen. Aus Sicht des Nabu geschieht das aber nicht: „Die Probleme, etwa in Wampen, dauern an. Aus unserer Sicht ist das Fett inzwischen auch so kleingerieben, dass es nur noch möglich wäre, hunderte Meter Strand mit der Schippe abzutragen”, sagte Carl Barnick: „Das wäre ein enormer Aufwand und es würden dutzende Leute gebraucht, aber das ist jetzt aus unserer Sicht unvermeidbar.”

Halten sich die Behörden zu stark heraus?

Nabu-Sprecher Kim Dettloff kritisierte, dass die Behörden sich auf die Problemlösung durch Nord Stream 2 verließen: „Mich macht es skeptisch, dass Nordstream die Hotline geschaltet hat, wo verschmutzte Strände gemeldet werden sollen und nicht die Behörden.” Der Nabu lehnt das Nordstream-Projekt aus Naturschutz-Gründen ab und hat eine Klage vor dem Verwaltungsgericht Greifswald dagegen eingereicht. Man hoffe, dass das zugehörige Eilverfahren noch in der kommenden Woche entschieden werde, sagte Detloff.

Die Fettfunde waren am Mittwochnachmittag bekannt geworden. Am Freitagabend hatten die Behörden erstmals vor den Anlandungen gewarnt und an die Strandbesucher appelliert, die Klumpen nicht zu berühren und Funde zu melden. Die Wasserschutzpolizei ermittelt wegen Gewässerverunreinigung – derzeit noch gegen Unbekannt. Im Verdacht steht allerdings eines der von Nord Stream 2 beauftragten Baggerschiffe, aus dem die Schmierstoffe ausgetreten sein sollen.

Gefährlichkeit der Stoffe ist nicht geklärt

Zur Frage der Gefährlichkeit der Stoffe sagte ein Nordstream-Sprecher, nach vorläufigem Kenntnisstand handle es sich um „im weiteren Sinne handelsübliche Schmierstoffe”, vergleichbar etwa mit Kettenfett. Eine unmittelbare Gesundheitsgefahr bestehe nicht, zumal die Stoffe biologisch abbaubar seien: „Trotzdem wollen wir so viel wie möglich davon entfernen.” Beim Nabu bezweifelt man insbesondere, dass die Stoffe tatsächlich biologisch abbaubar sind. „Aus unserer Sicht kann auch keine Rede davon sein, das die von Nordstream beauftragten Trupps bereits versucht hätten, die Stoffe zu entfernen”, sagte Carl Barnick. Es bestehe zudem erhebliches Risiko für Flora und Fauna, zum Beispiel durch Vögel, die die kleinen roten Klumpen fressen.

Der NABU hat die Fundstellen in einer Karte zusammengetragen.

Telefon-Hotlines für Hinweise auf weitere Funde

amtliche Rufbereitschaft 01714903659
Nord-Stream-Hotline: 030-288758116