DELLEN-AUTOBAHN

Weiterhin Tempolimit 130 auf der A20 wegen Absenkungen

Es bleibt das Gefühl einer Achterbahnfahrt – trotzdem gibt das Ministerium Entwarnung. So ganz traut man den Absenkungen auf der A 20 aber nicht.
Andreas Becker Andreas Becker
Auf dem Abschnitt zwischen Neubrandenburg-Ost und Friedland darf teilweise weiterhin nur Tempo 130 gefahren werden.
Auf dem Abschnitt zwischen Neubrandenburg-Ost und Friedland darf teilweise weiterhin nur Tempo 130 gefahren werden. Andreas Becker
Neubrandenburg.

Die Empörung war groß, als das Verkehrsministerium in Schwerin Anfang Mai einräumen musste, dass es nach dem mittlerweile weltweit bekannten A 20-Loch bei Tribsees weitere deutlich sicht- und spürbare Dellen auf der Autobahn gebe. Betroffen diesmal: Abschnitte bei Sanitz im Landkreis Rostock und zwischen den Anschlussstellen Neubrandenburg-Ost und Friedland im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte.

Ruckzuck war für Teile von Öffentlichkeit und Politik klar: Die A 20 ist eine Pannenautobahn, die mit Hilfe des Beschleunigungsgesetzes Anfang der 2000er Jahre als Projekt Deutsche Einheit besonders schnell gebaut – und damit gegebenenfalls auch nicht ganz fehlerfrei errichtet worden war.

Vergleiche mit dem A 20-Krater zwischen Bad Sülze und Tribsees, wo im Herbst 2017 ein 800 Meter langer Autobahnabschnitt aus bis heute nicht geklärten Gründen im Moor versunken war, machten schnell die Runde.

Laut Verkehrsministerium keine weitere Absenkung

Eine Einschätzung, der MV-Verkehrsminister Christian Pegel umgehend und vehement widersprach: „Es bestand und besteht keine Gefahrenlage an einem der beiden betroffenen Streckenabschnitte bei Neubrandenburg und Tessin. Ein Grundbruch wie an der A 20 bei Tribsees ist an keinem der beiden Abschnitte zu erwarten.“

Bei Tribsees herrschten laut dem SPD-Politiker völlig andere geologische Verhältnisse. Die A 20 bei Sanitz und bei Neubrandenburg liege auf Torfschichten mit einer Stärke von maximal einem Meter. Bei Tribsees gründet die Autobahn dagegen auf bis zu 15 Meter dicken Moor- und Torfschichten.“

Pegels Botschaft an alle Kritiker: „Berichte über eine Gefährdung sind unnötige und unbegründete Panikmache.“ Jetzt legt das Ministerium nach – auf Nachfrage des Nordkurier heißt es von Pegels Mitarbeitern: „Bei der im Juni durchgeführten Kontrolle wurde im Abschnitt bei Neubrandenburg eine Nullmessung festgestellt. Das bedeutet, dass die Setzungen seit der vergangenen Kontrolle im März unverändert geblieben sind.“

Pegel: Absetzungen treten immer wieder auf

Bei Sanitz hatten Experten des Straßenbauamtes bereits über einen noch längeren Zeitraum keine weiteren Setzungen registrieren können. Insgesamt hatte es an den beiden Abschnitten bei Sanitz und Neubrandenburg Setzungen von bis zu fünf Zentimetern gegeben.

Das Ministerium kündigte an, dass Ende September erneut Messungen durchgeführt würden. Dann liegt auch der Sommer 2019 hinter Autobahn und Autofahrern – und es wird sich zeigen, wie die Betonpiste Sonne und Hitze überstanden hat.

Hintergrund: Die fünf Zentimeter starken Absenkungen hatte Pegel mit der extremen Trockenheit im Sommer 2018 begründet. Dadurch seien die Torfschichten stark dehydriert. „Die Eigenlast der Autobahn führte dann zu den Setzungen im Zentimeterbereich, wie sie an verschiedenen Straßen im Land immer wieder auftreten.“

Um jegliche Risiken auszuschließen und mögliche hitzebedingte weitere Absenkungen für die Autofahrer besser auszubalancieren, hält das Ministerium auf dem Abschnitt bei Neubrandenburg-Ost an der vor Monaten verhängten Tempobegrenzung auf 130 Kilometer pro Stunde aber weiterhin fest.

StadtLandKlassik - Konzert in Neubrandenburg

zur Homepage