HERBSTFERIEN AUF RÜGEN UND USEDOM

Welche Regeln gelten jetzt für Berliner, die an die Ostsee wollen?

Die Landesregierung von MV rühmt sich geradezu mit strengen Corona-Regeln. Seit Donnerstag ist klar: Für viele Berliner wird der geplante Urlaub in den Herbstferien auf Rügen, Usedom und Co. wohl ausfallen.
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Ob man dort wohnt oder nur kurz zu Besuch war: Wer jetzt aus Berlin nach MV will, dem vergeht schnell die Lust auf Urlaub – es gelten strenge Quarantäne-Regeln. Annette Riedl
Neubrandenburg.

Warum ist Berlin jetzt ein Risikogebiet?

Zentrales Kriterium beim Krisenmanagement ist, ob es in einer Region mehr als 50 Neuinfektionen mit dem Coronavirus pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen gibt. Wird der Wert überschritten gilt eine Region als Risikogebiet. Das ist in Berlin am Donnerstag geschehen. Dabei handelt es sich allerdings um einen Durchschnittswert für die gesamte Stadt. In einigen Bezirken liegt die Inzidenz deutlich über dem Grenzwert, in anderen darunter. Sie ist aber flächendeckend deutlich höher als in MV.

Wer darf trotzdem nach MV reisen?

Seit dem 4. September gelten für die Einreise nach MV keine grundsätzlichen Einschränkungen mehr – mit einer Ausnahme: Für Menschen, die aus einem Risikogebiet kommen. Dabei ist nicht entscheidend, ob sie dort ihren Wohnsitz haben. Einschränkungen gelten auch, wenn man sich dort innerhalb der vergangenen zwei Wochen aufgehalten hat – egal aus welchem Grund. Auch dann darf man nach MV fahren – muss allerdings sehr strenge Regeln einhalten, die mit einem Urlaub kaum vereinbar sind.

Was muss ich als Reisender aus Berlin jetzt beachten?

Wer aus einem Risikogebiet einreist, der muss sich in der Regel sofort in Quarantäne begeben und das örtliche Gesundheitsamt informieren. Die jeweilige Unterkunft darf man nur mit Genehmigung des Amtes verlassen. „Ein vorzeitiges Ende der Quarantäne ist in der Regel nur möglich, wenn zwei negative Tests im Abstand von mindestens fünf bis sieben Tagen vorliegen”, heißt es dazu von der Landesregierung.

Lesen Sie auch: Risiko-Rückkehrer wird in Greifswald Corona-Test verweigert

Was tut die Politik in MV jetzt?

Kurzfristig wurde für den späten Donnerstagabend eine Krisensitzung des Kabinetts in Schwerin einberufen. Wie erwartet wurden danach keine Lockerungen für Urlauber angekündigt. Die Landesregierung hatte sich in den vergangenen Monaten eher damit gerühmt, dass in MV die Infektionszahlen besonders niedrig und die Regeln besonders streng sind. Am späten Abend ließ man aus Schwerin allerdings durchblicken, dass Ausnahmeregelungen für Berufspendler, Zweitwohnungsbesitzer und medizinisches Personal gelten sollen. Die neue Verordnung wurde am späten Freitagabend veröffentlicht und gilt ab Sonnabend. Am Sonntag ist eine weitere Verfügung veröffentlicht worde, die weitere Lockerungen der Quarantäne-Pflichten vorsieht.

Wie funktioniert das mit den Tests?

Der erste Test darf zum Zeitpunkt der Einreise maximal 48 Stunden alt sein. Hier beginnen schon die Probleme, denn mitunter ist es gar nicht so einfach, das Ergebnis einer Testung binnen 48 Stunden zu bekommen – das gilt gerade für Risikogebiete, in denen die Labors logischerweise sehr viele Tests bearbeiten müssen. Der zweite Test auf das Coronavirus muss dann – auf eigene Kosten – in MV abgenommen werden. Sind beide Tests negativ, kann das Gesundheitsamt die Quarantäne aufheben.

Was gilt für Familienbesuche?

Wer aus einem Risikogebiet kommt, darf nur Mitglieder der Kernfamilie besuchen. Darunter fallen nach Definition der Landesregierung „Ehegatten, eingetragene Lebens­partner, Lebens­gefährten, Kinder, Eltern, Großeltern, Geschwister und Urenkel”. Allerdings gelten auch hier die Quarantäne-Regeln. Noch nicht bekannt ist, was die aktualisierte Verordnung für das Umgangsrecht bedeutet. Beispiel: Wer am Wochenenende von seinem Kind aus einem Risiko-Gebiet besucht wird, muss derjenige anschließend auch in Quarantäne? Die Landesregierung sagte zu, solche Fälle "mit Hochdruck in den nächsten ein, bis zwei Tage zu klären". Nach einer am Sonntag veröffentlichten Verfügung sind BEsuche innerhalb der Kernfamilie möglich, ohne dass sich dadurch Quarantänepflichten ergeben.

Was gilt für Pendler? 

Wer in Regionen arbeite, die aufgrund erhöhter Neuinfektionen zum Risikogebiet erklärt wurden, wie etwa Berlin, könne auch künftig dort ohne zusätzliche Einschränkung tätig sein. Das teilte Innenminister Lorenz Caffier (CDU) am Donnerstagabend nach einer kurzfristig anberaumten außerordentlichen Kabinettssitzung mit. Die üblicherweise geforderte 14-tägige Quarantäne bei Rückkehr entfalle in diesen Fällen.

In der Schaltkonferenz am Donnerstagabend sei die erforderliche Änderung der Corona-Landesverordnung vorbereitet worden, sagte Caffier. Mit Hilfe einer Allgemeinverfügung würden die neuen Regelungen aber bereits unverzüglich wirksam. Demnach dürfen auch Polizisten, Juristen, medizinisches Personal oder Abgeordnete in Risikogebiete reisen, wenn dies erforderlich ist, und ohne Quarantänepflicht zurückkehren.

Was gilt, wenn ich einen Zweitwohnsitz in MV habe?

Wer eine Nebenwohnung in MV hat, darf sich ebenfalls in MV bewegen.

Wie teuer wird ein Verstoß gegen die Quarantäne-Vorschrift?

Wer gegen die Auflagen verstößt und erwischt wird, der muss ein Bußgeld zahlen. Die entsprechende Landesverordnung sieht dafür einen Rahmen von 500 bis 2000 Euro vor.

Wo bekommen Urlauber einen Corona-Test?

Wer auf Nummer sicher gehen will, meldet sich frühzeitig beim Hausarzt oder in einer speziellen Praxis für Reisemedizin. Wer in den Urlaub wolle, solle aber nicht in die Testzentren des öffentlichen Gesundheitsdienstes kommen, sagt Andreas Bobrowski vom Berufsverband Deutscher Laborärzte. Wer einen Test allein für die Anreise zum Urlaubsort braucht, hat in der Regel keine Krankheitssymptome. In diesem Fall wird der Test von der gesetzlichen Krankenkasse nicht übernommen. Die Kosten liegen für Privatpatienten laut Gebührenverordnung bei etwa 120 Euro pro Person für die Laboranalyse. Hinzu kommen 20 Euro für den Abstrich beim Arzt.

Welche Storno-Regeln gelten?

Es ist fraglich, ob Urlauber Stornierungsgebühren zahlen müssen, wenn sie ihren Aufenthalt absagen. Der Reiserechtler Paul Degott aus Hannover geht nicht davon aus, dass Urlauber auf ihren Kosten sitzen bleiben. Es gelte erst einmal ein Beherbergungsverbot. In diesem Fall müsse die Unterkunft das angezahlte Geld zurückzahlen, Stornierungsgebühren dürften vom Gast nicht kassiert werden. „Man kann niemanden verpflichten, einen Test zu machen“, sagt er. Der Deutsche Ferienhausverband rät wegen unklarer Rechtslage, eine einvernehmliche Einigung mit dem Gastgeber zu erzielen, etwa den Aufenthalt auf Kulanzbasis gebührenfrei zu verschieben. Nach Ansicht des Hotelverbandes Deutschland IHA fällt der Corona-Test in den Verantwortungsbereich des Gastes. Die Pflicht zur Zahlung bestehe weiterhin.

Was sagen die Hoteliers?

Die Tourismusbranche und der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) fürchten, dass viele Menschen wegen der Corona-Tests auf eine kurzfristige Reise im Herbsturlaub verzichten. Der Dehoga fordert bundeseinheitliche Regeln für den Umgang mit Touristen aus Deutschland. Im Nordosten schauen die Betreiber auf die Entwicklung der Infektionszahlen in Berlin. „In traditionellen Reisezielen der Berliner wie Usedom und Rügen kommen aktuell 30 bis 40 Prozent der Buchungen aus der Bundeshauptstadt. Wenn die Corona-Ampel dort auf Rot gestellt wird, weiß ich nicht, wie die Hoteliers bei uns die geltende Corona-Quarantäneverordnung umsetzen sollen“, sagt der Präsident des Landesverbandes, Lars Schwarz.

 

Der Artikel wurde zuletzt am 12.10 um 16.20 Uhr aktualisiert.

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Kommentare (3)

Na herzlichen Glückwunsch! Das dürfte ja dann auch heißen, dass ich als Mecklenburger nach einem Tagesausflug nach Berlin bzw. einer Dienstreise dorthin bei der Rückkehr nach MV erstmal 14 Tage in Quarantäne darf?? Da wird ja mein Arbeitgeber vor Freude hurra schreien! 😂 Merkt da eigentlich noch einer in Schwerin, was die da so verzapfen? 🤬 Ich hoffe nur mal, dass die Regeln dann auch in gleicher Weise für die Damen und Herren der Landesregierung MV und die hochrangigen Verwaltungsbeamten und sonstigen Landesbediensteten gelten!! 👿
Im Übrigen kann ich es kaum erwarten, dass auch MV die Schwelle von 50 positiven Testnachweisen pro 100.000 Einwohner reißt! Bin gespannt, was sich dann die anderen Bundesländer für die hiesige Bevölkerung einfallen lassen. Vielleicht machen dann ja mal im Gegenzug SH, NDS und BB die Grenzen zu MV dicht. Immerhin bliebe uns ja noch der Weg nach Polen oder über die Ostsee, wenn wir dann mal raus wollen.

Sehr lustig *nicht. Man bekommt als Berliner keinen Test, wenn man keine Symptome hat. Und wenn, müsste auch dieser selbst bezahlt werden. Plus den zweiten Test in MV. Für eine dreiköpfige Familie ist das teurer als die gebuchte FeWo. Und wie soll ich mich nach 5 - 7 Tagen erneut testen lassen, wenn ich nur 5 Tage bleiben. Die Tester in MV werden sich auch freuen. Das ist alles Murks. Dann geht's halt nicht in die alte Heimat nach MV - weit ab von Menschenmassen, entspannt am der Ostsee; nö, dann bleiben wir halt zusammengepfercht im Risikogebiet. Zumal mein Bezirk weit weg von besagter 50 ist und ich seit März überwiegend im Homeoffice arbeite ... Yeah ... Freude auf ganzer Linie nun auch noch Home holiday in der kleinen Wohnung zu machen 🤐

Schon die App auf dem Handy? Was für ein nützliches kleines Detail, wenn man wissen will, wo jemand war ...
Es werden immer mehr, die etwas merken.
Warum bringt der NK eigentlich nichts von möglicherweise fremdenfeindlichen Vorgängen in einem Stralsunder Restaurant?
[Frage d. Red.: Welche Vorgänge meinen Sie? Schreiben Sie uns bitte an [email protected] Oder meinen Sie vielleicht diese Meldung vom 8.10.: www.nordkurier.de/mecklenburg-vorpommern/kellner-ignoriert-corona-regeln-und-greift-polizisten-an-0840970710.html ]