Kraniche fliegen am Himmel bei Zingst im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft. Vergleichsweise wenige Kraniche sind der
Kraniche fliegen am Himmel bei Zingst im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft. Vergleichsweise wenige Kraniche sind derzeit an den vorpommerschen Boddenküsten zu beobachten. Bodo Marks
Warum?

Weniger rastende Kraniche in MV

Vergleichsweise wenige Kraniche sind derzeit an den vorpommerschen Boddenküsten zu beobachten. Sie rasten noch in Südschweden.
dpa
Groß Mohrdorf

Zur üblichen Hauptrastzeit der Kraniche halten sich derzeit in der Vorpommerschen Boddenlandschaft nur vergleichsweise wenige Vögel auf. 23 200 seien zuletzt gezählt worden, sagte der Leiter des Kranichzentrums des Naturschutzbundes in Groß Mohrdorf bei Stralsund, Günter Nowald, am Mittwoch.

Zur gleichen Zeit vor einem Jahr seien es 97 000 Tiere gewesen – eine Rekordzahl. Als Grund vermutet er, dass die Vögel noch in Skandinavien rasten. So seien am vergangenen Wochenende allein am Hornborga-See in Südschweden 18 100 Kraniche gezählt worden. 2019 waren es dort am ersten Oktoberwochenende lediglich 410 gewesen.

Massive Ostwind würde Vögel über Ostsee zu weit nach Westen treiben

Während Nowald zufolge die Kraniche im vorigen Jahr vor einem Kälteeinbruch in Skandinavien und Osteuropa geflohen waren, ist das Wetter in diesem Jahr dort günstiger. Vor allem aber halte der massive Ostwind die Vögel vom Flug über die Ostsee ab: „Sie würden zu weit nach Westen getrieben und wären zu lange über Wasser”, sagte Nowald. „Das Risiko wollen sie nicht eingehen.”

Perfekt wäre es, wenn der Wind auf Nord schwenken würde. Dann käme vermutlich eine riesige Zugwelle an der vorpommerschen Küste an. Mit dem Höhepunkt der Kranichrast rechnet Nowald etwa in einer Woche.

Kaum Nachwuchs für Kraniche in MV

Wie schon 2019 hatten die in Mecklenburg-Vorpommern brütenden Kraniche in diesem Jahr aufgrund der Trockenheit sehr wenig Nachwuchs. „80 Prozent der Kranichpaare waren ohne Junge”, sagte er. Sonst habe im vergangenen Jahrzehnt wenigstens die Hälfte der Paare Nachwuchs gehabt. Wegen des wenigen Wassers seien Kranichnester in ausgetrockneten Feuchtgebieten für Räuber wie Füchse, Marder, Marderhunde und Waschbären erreichbar. Zudem fehle es zunehmend an Insekten und Larven für die Küken. Nowald befürchtet, dass sich der Trend weniger Nachkommen klimabedingt weiter fortsetzt, so dass die Kranichpopulation langfristig wieder abnehmen könnte.

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