BARMER-PFLEGEREPORT

Wenn Angehörige aufgeben, droht der Pflegenotstand

Ohne pflegende Angehörige würde das Pflegesystem in Deutschland zusammenbrechen. Drei Viertel der Pflegebedürftigen werden zu Hause in der Familie betreut, so eine Krankenkassen-Studie.
dpa
Fünf Prozent der Menschen in Mecklenburg-Vorpommern sind pflegebedürftig. (Symbolbild)
Fünf Prozent der Menschen in Mecklenburg-Vorpommern sind pflegebedürftig. (Symbolbild) Oliver Berg
Schwerin.

Der größte Pflegedienst Deutschlands – die Familie – stößt an seine Grenzen. Viele pflegende Angehörige sind erschöpft, wie aus einer am Dienstag in Schwerin vorgestellten Studie der Krankenkasse Barmer hervorgeht. Ohne die Angehörigen gehe es nicht, sagte der Landesgeschäftsführer der Barmer, Henning Kutzbach. Dann drohe der Pflegenotstand. Doch der Gesundheitszustand der pflegenden Angehörigen ist besorgniserregend.

In Mecklenburg-Vorpommern müssen nach Angaben der Barmer prozentual mehr Menschen gepflegt werden als in jedem anderen Bundesland. Fünf Prozent der Bevölkerung im Nordosten seien pflegebedürftig, im Bundesschnitt seien es nur 3,7 Prozent. Gut drei Viertel der Menschen würden zuhause von der Familie betreut. 58.000 Männer und Frauen im Nordosten seien als Hauptpflegepersonen registriert, 4350 von ihnen würden diese Aufgabe gerne abgeben. Bundesweit gibt es laut Studie 2,5 Millionen pflegende Angehörige, von denen 185.000 die Pflege am liebsten einstellen würden.

Pflegende Angehörige sind häufiger krank als andere. 59 Prozent leiden unter Rückenbeschwerden, jeder zweite unter einer psychischen Störung. Die Pflegebedürftigen sind meist über 75 Jahre alt, die Einkommen liegen bei jedem dritten unter 1000 Euro.

Besonders belastet sind Pfleger von Demenzkranken

Die Pflegenden wissen Kutzbach zufolge häufig nicht, welche Hilfen sie in Anspruch nehmen können. Angebote wie Kurzzeitpflege, Tagespflege, Betreuungs- oder Haushaltshilfen seien oft nicht bekannt oder auf dem Lande schlecht erreichbar oder zu teuer.

Besonders belastet sind nach Angaben von Ina Zwingmann vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in Greifswald die Pflegenden von Demenzkranken. Sie seien ständig mit Depressionen oder Halluzinationen konfrontiert und brauchten dringend Entlastung. Das DZNE startet im März in Mecklenburg-Vorpommern ein Projekt, mit dem auf Angehörige Demenzkranker zugegangen werden soll. Wenn sie mit dem Pflegebedürftigen zum Arzt gehen, sollen sie im Wartezimmer mit Hilfe eines computergestützten Verfahrens nach ihrem Gesundheitszustand und ihren Bedürfnissen befragt werden und Hilfe angeboten bekommen.

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