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Fehlende Radwege

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Wenn die Fahrradtour zum Überlebenskampf wird (mit Video)

Eingequetscht zwischen Leitplanke und 40-Tonner: Radfahrer auf der Bundesstraße 192 zwischen Sietow und Penkow sind höllisch gefährdet. 
Eingequetscht zwischen Leitplanke und 40-Tonner: Radfahrer auf der Bundesstraße 192 zwischen Sietow und Penkow sind höllisch gefährdet.
Simone Pagenkopf

Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg vermarkten sich als fahrradfreundlich. Doch an ganz zentralen Stellen fehlen Radwege – und Radler riskieren ihr Leben.

Die jüngste Ermahnung kam vom Tourismusminister selbst: Als Harry Glawe (CDU) in der vergangenen Woche Wasser in den süßen Wein des Rekords der Übernachtungszahlen in Mecklenburg-Vorpommern kippte, war es wieder allgegenwärtig: das Problem der fehlenden Radwege. Dort gebe es große Defizite, stellte der Minister zum wiederholten Mal mit erhobenem Zeigefinger fest.

Entweder gibt es sie gar nicht, unvollständig oder in marodem Zustand – seit Jahren kämpfen sich Radfahrer durchs Land. Beispiel Bundesstraße 192: Die viel befahrene Ost-West-Trasse ist auf den fünf Kilometern zwischen Sietow und Penkow eng, unübersichtlich, wellig, kurvig – und ohne Radweg. Radfahrer quetschen sich zwischen Leitplanke und 40-Tonner. Zentimeterarbeit, Zitterpartie – und brutal gefährlich.

Als dort vor vier Jahren ein Radfahrer erfasst wurde und lebensgefährliche Verletzungen erlitt, war die Empörung groß. Doch passiert ist in der Zwischenzeit nichts: Der Bund sieht das Land in der Verpflichtung – und umgekehrt. Mittlerweile reden sich alle von der Verantwortung frei – erst der Ausbau der B192 auf drei Spuren dürfte die Situation entschärfen. Bis dahin wird es aber wohl noch ein Jahrzehnt dauern.

Radwege in der Warteschleife

Ein langfristiges Ärgernis ist auch der Radweg zwischen Strasen und Wesenberg – „katastrophal und gefährlich“ nennt ihn Enrico Hackbarth, Chef der Touristik GmbH in der Kleinseenplatte. Und das, obwohl auf dem Abschnitt mit dem Fernradwanderweg Berlin-Kopenhagen, dem Havelradweg und dem Mecklenburger Seenradweg mehrere überregional bedeutende Radwege laufen. Doch Wirtschaftsminister auf der einen und Verkehrsminister auf der anderen Seite sind sich nicht einig, wie und wann das Projekt gefördert werden soll. Ausgang ungewiss.

In der Warteschleife hängt auch der fehlende Radweg zwischen Anklam und Jarmen auf der Bundesstraße 110. Vorpommern-Staatssekretär Patrick Dahlemann (SPD) verkündet zwar stets, dass dort bald etwas geschehen solle – konkrete Aussagen mit Substanz bleiben allerdings aus.

Streit um Radweg-Reparaturen

Da war man im Boitzenburger Land im nördlichen Brandenburg schon weiter. Im September 2014 wurde ein Radweg entlang der Landesstraße zwischen Haßleben und Kuhz feierlich eingeweiht. Mittlerweile aber haben Wurzeln von rund 40 Pappeln den Radweg aus den Angeln gehoben – die Piste stellt sich mit ihren Löchern und Dellen als Gefahrenquelle für Radfahrer und Skater dar. Und die Reparatur? Baufirmen und Kommunen streiten über die Verantwortlichkeit – eine Erneuerung des Radweges ist nicht in Sicht.

Wie kann Abhilfe geschaffen werden? Wo klemmt es? Wo muss im Radwegebau nachgebessert werden? Schicken Sie uns gerne Ihre Erfahrungen an desk-online@nordkurier.de.

Unsere Redakteurin Petra Konermann hat 2015 einen Selbstversuch auf der B192 gestartet. Dazu gibt es ein mit einer Copterdrohne aufgenommenes Video von Jörn Tigrath: 

Kommentare (3)

Auch, wenn diese Szenen gestellt sind, so sind sie doch durchaus realitätsnah. Was das Fahrradwegenetz betrifft ist Deutschland noch ein Entwicklungsland. Dänemark und Holland sind mit Abstand die fahradfreundlichsten Nationen. Jeder Dritte fährt dort regelmäßig Rad. Bei uns nicht mal jeder Zehnte. Das liegt auch an den gut ausgebauten Wegen. In Kopenhagen gibt es - mitten durch die Stadt - eine dreispurige sogenannte Fahrradautobahn.

??? Bei uns in der Schweiz? Was kümmern mich die Radfahrer in Graubünden oder Bern, Zürich oder wat weiß ich. Warum reden sie von "Bei uns"?, bei einem Artikel über MV und Bramborch so sie doch dick Kasse in der Schweiz machen? Stimmt das mit ihnen und der achso geilen Kohle in der Schweiz etwa gar nicht? Sind se auch nur ein weiterer Arbeitsloser hier in MV/Brandenburg und beschweren sich nur über Themen die mit ihnen nix am Hut haben, weil sie sonst nix zu tun haben?...wär ja tragisch

Wie kann man nur auf die Idee kommen, mit dem Rad auf der weißen Seitenlinie zu fahren? Damit provoziert man doch fast jeden Pkw- und Lkw-Fahrer, sich trotz Gegenverkehr noch durchzuquetschen. Ein Meter Abstand vom rechten Rand ist zu fahren, sagt die Rechtsprechung. Und sie sagt auch: Kfz müssen 1,5 bis 2 Meter Seitenabstand vom Rad halten, und zwar zwischen Außenspiegel und Lenkerspitze. Es ist also auf dieser Straße unmöglich, legal einen Radfahrer zu überholen, ohne die Fahrspur zu verlassen. Liebe Radfahrer: nehmt euch den Platz, der euch zusteht. Fahrt mit Sicherheitsabstand vom rechten Rand! Signalisiert den Autos: "Wenn ihr mich überholen wollt, dann müsst ihr auf die Gegenspur, genau so wie wenn ihr einen Trecker überholt!" Der LKW-Fahrer im Bild gehört gleich aus zwei Gründen bestraft: Überfahren der durchgezogenen Mittellinie und zu geringer Abstand von der Radlerin, das ist eine Behinderung mit Gefährdung. Wäre ich Richter, würde ich ihm den Führerschein entziehen, damit er eine MPU absolvieren muss.