Urlauber als Täter

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Wenn Touristen Handtücher oder Löffel mitgehen lassen

Es gibt immer wieder Gäste, die zur "Erinnerung" Handtücher oder Bademäntel aus Hotels oder touristischen Einrichtungen mitnehmen. Juristisch gilt das aber schon als Diebstahl.
Es gibt immer wieder Gäste, die zur „Erinnerung” Handtücher oder Bademäntel aus Hotels oder touristischen Einrichtungen mitnehmen. Juristisch gilt das aber schon als Diebstahl.
Oliver Killig

Handtücher und Bademäntel sind als Mitbringsel beliebt. Nicht immer wird dafür bezahlt. Selbst die Mitnahme eines Kugelschreibers gilt schon als Diebstahl.

Für einige Gäste ist es eine schöne Urlaubserinnerung, rein juristisch ist es Diebstahl: Wenn Hotel-Handtücher, -Bademäntel oder -Kleiderbügel unbezahlt im Koffer landen und Kugelschreiber ungefragt in der Handtasche verschwinden, begehen die Urlauber eine Straftat. Wie eine Umfrage unter Hotels in Mecklenburg-Vorpommern ergab, sind vor allem Handtücher mit Hotellogo, Bademäntel oder auch Kaffeelöffel gefragt.

Allerdings sei die überwiegende Mehrheit der Urlauber ehrlich, hieß es aus den Häusern. Höchstens ein Prozent der Gäste nähmen aus den Hotels etwas mit, was ihnen nicht gehöre, schätzt der Usedomer Hotelier Rolf Seelige-Steinhoff. Jährlich müssten in seinen 15 Seetel-Hotels auf Usedom Hotelgegenstände im Wert von 40.000 bis 50.000 Euro ersetzt werden, die spurlos verschwunden oder vorsätzlich gestohlen worden seien. „Je besser die Qualität, desto begehrter sind die Artikel”, so Seelige-Steinhoff. Auch aus der Minibar würden schon mal Flaschen mitgehen.

Duschköpfe und –schläuche abgeschraubt

Der Direktor des Speicher-Hotels am Ziegelsee in Schwerin, Christian Petersen, gibt zu: „Hie und da kommen ein paar Sachen weg.” So würden Deko-Kissen mitgenommen und manchmal würden sogar Duschköpfe und –schläuche abgeschraubt. Einmal habe sogar jemand den Hotel-Duschkopf durch einen alten ersetzt. „Manche Artikel verschwinden halt, das kalkuliert man mit ein”, sagte Peters.

Dehoga-Hauptgeschäftsführer Matthias Dettmann spricht – wenn es um den Diebstahl durch Urlauber geht – von einem sensiblen Thema. So richtig werde darüber nicht gesprochen, auch weil die Hotels kein Porzellan im Umgang mit dem Hotelgast zerschlagen wollen. „Da überlegt man dann schon: Was wiegt mehr, das Handtuch oder der Gast?”, sagt Dettmann. Viele Gegenstände, die verschwinden, würden zum Jahresende abgeschrieben und dann ersetzt. Zur Anzeige würden nur ganz selten Fälle gebracht.

Hoteliers verzichten inzwischen aber auch auf Anzeigen, weil die überwiegende Zahl der Verfahren eingestellt werde, berichtete ein Hotelchef. Meist versuchen die Häuser das Problem in der direkten Kommunikation mit dem Gast zu klären. Manche Hotels schicken dem Gast eine Rechnung, andere bitten, die „versehentlich” im Koffer gelandeten Handtücher beim nächsten Aufenthalt mitzubringen.

Mitnahme von Duschgel gewollt

Dass Gäste Duschbad mitnehmen, sei so gewollt, sagte die Direktorin des Intercity Hotels in Schwerin, Astrid Ludwig. „Die kleinen Fläschchen werden extra dafür hergestellt, sie sind Werbeträger”, erklärt sie. „Dass mal jemand ein Handtuch mitnimmt, will ich gar nicht ausschließen”, räumte sie ein. Aber dass Bettwäsche oder gar Fernseher eingepackt werden, das habe sie in 15 Jahren als Chefin des 180-Zimmer-Hauses noch nicht erlebt.

Charis Schalley, Chefin im „Parkhotel Rügen” in Bergen auf der Insel Rügen, berichtet, dass der Diebstahl von Bademänteln und Handtüchern deutlich zurückging, nachdem das Hotel darauf verzichtet habe, sie mit einem Logo zu besticken. Was regelmäßig verschwinde, seien Kaffee- und Eierlöffel. Etwa 500 Stück müssten pro Jahr nachbestellt werden. Offenbar steckten Urlauber die Löffel nach dem Frühstück ein, um auf dem Ausflug ihren Joghurt essen zu können.