Meisterschaft in Greifswald

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Wer ist der schnellste Fahrradkurier in Deutschland?

Der Fahrradkurier Robert Schenk fährt über den Greifswalder Marktplatz. Schenk startet bei der Deutschen Meisterschaft der Fahrradkuriere 2018, die am Wochenende in Greifswald stattfindet.
Der Fahrradkurier Robert Schenk fährt über den Greifswalder Marktplatz. Schenk startet bei der Deutschen Meisterschaft der Fahrradkuriere 2018, die am Wochenende in Greifswald stattfindet.
Stefan Sauer

Wenn sich die Fahrradkurier-Szene in Greifswald zur Deutschen Meisterschaft trifft, geht es über Kopfsteinpflaster und einen unbekannten Parcours. Aber das Treffen dient auch dem Austausch über die Arbeitsbedingungen – und die sind keineswegs immer rosig.

Fahrradkuriere sind aus deutschen Großstädten nicht mehr wegzudenken und die Szene wächst stetig. 1993 das erste Mal in Berlin – und inzwischen einmal im Jahr trifft sich die Community der Radkuriere zur Deutschen Meisterschaft, diesmal in Greifswald. Dabei radeln die Kuriere über Kopfsteinpflaster, treten in den Kategorien Normalrad und Lastenrad gegeneinander an und fahren in voller Montur mit Tasche und Helm verschiedene Stationen in einem bestimmten Stadtareal ab – und das möglichst effizient. Die Strecke soll den Kurieralltag simulieren.

Klar, es gehe um Schnelligkeit, sagt Kunststudentin Victoria Hilsberg, die schon in Berlin und Leipzig als Fahrradkurierin arbeitete. „Wer ein großes Kombinationsvermögen und Organisationstalent hat, ist aber klar im Vorteil“, sagt die 26-jährige Mitorganisatorin des Events. Weil sie zuvor in Greifswald studierte, die knapp 60.000 Einwohner zählende Universitätsstadt wie andere ihrer Kollegen auch als fahrradbesessen erlebt hat, schlug sie die Hansestadt als Austragungsort vor – und das, obwohl es dort bislang keine einzige Radkurier-Firma gibt. Fahrradkurier-Unternehmen als umweltfreundliche Transportalternativen zum Auto sind in Deutschland noch im Großstadtdschungel zu Hause, wo sich Radfahrer durch Staus arbeiten und oftmals schneller als Kurierautos sind.

Fahrradkurier nicht gewerkschaftlich organisiert

Die Überzeugung von nachhaltiger Mobilität, der Spaß und der Erfahrungsaustausch stünden bei der Meisterschaft aber im Vordergrund. Zwar treibe auch der Sport die meist junge Community zum Wettkampf. „Man will sich messen, aber völlig ohne negativen Ehrgeiz“ sagt Hilsberg. Fahrradkurier zu sein sei ein eigener Lebensstil. „Frühmorgens geht die Funke an. Während andere in der Bahn oder im Auto sitzen, ist man früh an der frischen Luft und kann sich die Arbeit selbstständig einteilen“, beschreibt die 26-Jährige die schönen Seiten des Berufs.

Gleichwohl seien die Arbeitsbedingungen aber nicht selten auch prekär, räumt Hilsberg ein. Der Großteil der Kuriere arbeite selbstständig – mit allen Risiken, die damit verbunden seien. Gewerkschaftlich sind Fahrradkuriere nicht organisiert. Belastbare Zahlen, wie viele Fahrradkuriere in Deutschland arbeiten, gibt es nicht – auch nicht bei der Berufsgenossenschaft Verkehr. Erst 2016 hatte die Berufsgenossenschaft die Risikogruppe für Fahrradkuriere verändert, mit der Folge, dass die Versicherungsbeiträge stiegen – begründet wurde dies mit dem hohen Unfallrisiko, dem die Kuriere ausgesetzt sind.

Kurierfahrten für Greifswald interessant

Rund 100 Teilnehmer treten in der Hansestadt zum Turnier an. Teilnehmen könne jeder. „Wer allerdings aufs Treppchen will, muss mindestens einmal in seinem Leben bei einer Fahrradkurierbude gearbeitet haben“, sagt Hilsberg. Weil in der lettischen Hauptstadt Riga erst vor wenigen Tagen die Weltmeisterschaft zu Ende ging, treten in Greifswald auch Teilnehmer aus anderen Ländern an.

Auch für eine überschaubare Stadt wie Greifswald ist das Thema Kurierfahrten per Rad inzwischen interessant geworden. In einem Forschungsprojekt, das parallel in Kommunen in Schweden und Polen läuft, untersucht ein Wissenschaftlerteam, ob Lastenräder auch – oder gerade – in kleineren Städten eine Alternative zu Dienstautos sind. Die Stadtverwaltung will ein Lastenrad im Grünflächenamt testen. Sollte es sich bewähren, könnte der Einsatz von Lastenrädern Bestandteil des Fuhrparkmanagements werden, sagt Bausenatorin Jeannette von Busse.