Qualität statt Quantität – Mecklenburg-Vorpommern feilt an der Kommunikations- und Marketingstrategie.
Qualität statt Quantität – Mecklenburg-Vorpommern feilt an der Kommunikations- und Marketingstrategie. Stefan Sauer
Tourismus in MV

Wer urlaubt eigentlich zwischen Ostsee und Seenplatte?

Jahrelang war der Tourismus in MV auf Rekordjagd – immer mehr Urlauber kamen in den Nordosten. Doch nicht erst seit Corona soll Qualität Quantität ersetzen. Zwei Gästegruppen aber fehlen.
Schwerin

Der Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern stellt sich neu auf – strukturell, personell und inhaltlich. Kern des künftigen Kurses soll eine neue Marketing- und Kommunikationsstrategie sein. „Mecklenburg-Vorpommern. Das Urlaubsland” – so lautet der aktualisierte Slogan. „Mit der neuen Marketingstrategie sollen die natürlichen Stärken des Landes genutzt und diese mit der dafür notwendigen Infrastruktur verbunden werden”, erklärt Tobias Woitendorf, in Personalunion Geschäftsführer des Landestourismusverbandes und Tourismusbeauftragter der rot-roten Landesregierung.

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Im Tourismus in MV sollen Ansätze geschaffen werden, Arbeit, Leben und Freizeit in eine Balance zu bringen. Die Maxime: Die Qualität über alle Bereiche hinweg zu steigern, so der Tenor aus dem Verband.

Woitendorf als erfahrener Verkäufer der Urlaubslandschaft im Nordosten geht rhetorisch in die Vollen: „Als Land mit viel Freiraum und großen Chancen zur Verwirklichung von Lebenszielen und Träumen soll es idealerweise die Region sein, die ihre Entwicklung und ihre Ressourcennutzung am besten zwischen den Bedürfnissen von Einheimischen, Zugezogenen und Gästen ausbalanciert.“

MV ist gesamtdeutsches Urlaubsziel

Doch wer möchte überhaupt träumen zwischen Ostsee und Seenplatte? Wen hat der Tourismusverband als Zielgruppe definitiv? Der Geschäftsführer und Tourismusbeauftragte kennt die Antworten: „Es gibt kein Bundesland, das bei seiner Besucherherkunft so ausgewogen ist wie Mecklenburg-Vorpommern. Heißt konkret: Lange Zeit kamen 50 Prozent der Gäste aus dem Osten, 50 Prozent aus dem Westen. Derzeit liegen wir bei rund 53:47 zugunsten des Ostens.”

MV sei also ein gesamtdeutsches Ziel – im Gegensatz beispielsweise zum benachbarten Schleswig-Holstein. Dort seien die ostdeutschen Urlauber absolut marginalisiert.

Wer kommt nach MV - und wer kommt nicht?

Und: MV sei laut Woitendorf das Ziel von Familien im bundesdeutschen Durchschnittsalter. Dazu kämen Paare mittlerer und älterer Jahrgänge. Was fehle, seien zwei große Zielgruppen: „Die jungen Leute, die lieber für ein paar Tage nach Rom oder London reisen – und die internationalen Gäste. Da waren wir in den vergangenen Jahren erfolglos mit unseren Werbekampagnen.”

Doch vielleicht hilft künftig Beate Kassner mit, bisher nicht erschlossene Zielgruppen für Mecklenburg-Vorpommern zu gewinnen. Kassner war in den vergangenen fünf Jahren Geschäftsführerin der Zillertal Tourismus GmbH in Tirol und wechselt zum 1. November als Stellvertreterin Woitendorfs in den Nordosten. Mit dieser Personalie soll Woitendorf in seiner Doppelfunktion entlastet werden.

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Kritik an dieser Doppelfunktion weist Woitendorf zurück: „Landestourismusverband und Landesregierung haben immer eng zusammengearbeitet. So sind Forderungen des Verbandes in den Koalitionsvertrag von SPD und Linken eingeflossen. Ich muss mich nicht teilen, wir bewegen uns im gleichen Zielkorridor.” Skeptiker dagegen sehen in der Doppelfunktion eine zunehmende Abhängigkeit des Tourismusverbandes von der Landesregierung.

Doppelte Funktion - doppeltes Gehalt?

Bekommt Woitendorf für seine Doppelfunktion jetzt eigentlich auch doppeltes Gehalt? „Ich habe nun mehr Druck, mehr Verantwortung und mehr Arbeitszeit – werde aber nicht mit einem doppelten Gehalt, sondern mit einer 20-prozentigen Zulage zu meinem bisherigen Gehalt entlohnt”, zeigt sich Woitendorf ganz offen. Diese Regelung sei völlig okay – die neue personelle Konstellation stärke den Tourismusverband. Das sei am Ende entscheidend.

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