Die Insolvenz der MV Werften kostet tausende von Jobs und viel Geld. Die Lage an den Schiffbau-Standorten und in der Landeskas
Die Insolvenz der MV Werften kostet tausende von Jobs und viel Geld. Die Lage an den Schiffbau-Standorten und in der Landeskasse ist mehr als mau. Jens Büttner
Kreuzfahrtschiff

Werften-Pleite kostet MV bis zu 260 Millionen Euro

Mit Millionenbeträgen hatte das Land versucht, die MV Werften zu retten. Doch jetzt ist der Schiffbau in MV wieder einmal dem Untergang nah und das Land muss finanziell bluten.
Schwerin

Es war Mitte Oktober 2020, als ein sechsseitiges Papier aus dem Haus des damaligen Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) im unter Ausschluss der Öffentlichkeit tagenden Finanzausschus die Alarmglocken läuten ließ. Verständlich, das als streng vertraulich eingestufte Schreiben, das als „Verschlusssache – Nur für den Dienstgebrauch” gekennzeichnet war, beinhaltete brisanten politischen Zündstoff.

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Persönlich vom Minister unterschrieben, wurde in dem Papier befürchtet, dass sich der finanzielle Schaden für das Land Mecklenburg-Vorpommern bei einer Pleite der MV Werften auf rund 225 Millionen Euro belaufen würde.

Nun, gut 18 Monate später, haben sich die schlimmsten Befürchtungen aus dem Herbst 2020 bestätigt: Die MV Werften sind insolvent – und die Kosten, mit denen das Land MV an der Pleite beteiligt ist, betragen nach aktuellen Angaben aus dem Finanzministerium mittlerweile sogar mehr als die ursprünglich prognostizierten 225 Millionen Euro. „Unter Berücksichtigung der gewährten Kreditsicherheiten ergibt sich ein maximaler Ausfall des Landes von ca. 260 Millionen Euro”, räumte das Ministerium auf Nordkurier-Nachfrage ein.

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Allerdings glimmt im Haus von Finanzminister Heiko Geue (SPD) noch Hoffnung, dass das Land am Ende doch nicht ganz so viel Geld verbrannt hat. Wie hoch der Ausfall des Landes am Ende tatsächlich werde, sei davon abhängig, was die Verwertung der Kreditsicherheiten bringe und vor allem zu welchen Bedingungen und zu welchem Preis dem Insolvenzverwalter der Verkauf des Schiffes Global One gelänge, hieß es aus dem Ministerium. Das Land partizipiere ebenso wie die anderen Bauzeitfinanzierer und Garanten an den Kreditsicherheiten entsprechend des jeweils übernommenen Risikos, machte eine Pressesprecherin deutlich.

Hintergrund: Die Global One sollte mit ihren 340 Metern Länge und einer Kapazität von 10.000 Passagieren eigentlich das größte Kreuzfahrtschiff der Welt werden – doch jetzt liegt das zu 80 Prozent fertiggestellte Schiff im Dock der insolventen MV Werften am Standort Wismar. Ein Käufer ist derzeit nicht in Sicht. Ursprünglich hatte die Global One einen Wert von rund 1,5 Milliarden Euro – das Schiff sollte auf den asiatischen Weltmeeren kreuzen. Doch nun ist Corona bedingt der asiatische Kreuzfahrtmarkt erneut zum Erliegen gekommen, die noch nicht finalisierte Global One hat enorm an Wert verloren.

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Es sind diese offenbar ausbleibenden Einnahmen aus dem Verkauf der Global One, die ein riesiges Loch in die Finanzplanungen des Landes reißen, das die versuchte Werftenrettung finanziell unterstützt hatte. Ein Großteil der gewährten Bürgschaften in Höhe von 301 Millionen Euro könnte somit am Ende doch fällig werden.

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