Auf diese Weise hatten Betrüger versucht, eine WhatsApp-Nutzerin in Norddeutschland zu überlisten. Die Screenshots w
Auf diese Weise hatten Betrüger versucht, eine WhatsApp-Nutzerin in Norddeutschland zu überlisten. Sie ging damit zur Polizei. Die Screenshots wurden dem Nordkurier zur Verfügung gestellt. Nordkurier
Betrugsmasche

WhatsApp-Alarm in Mecklenburg-Vorpommern

„Hallo Mama”: Betrüger haben per WhatsApp bereits mehr als 170.000 Euro erbeutet – nur in diesem Jahr. Die Polizei gibt Tipps, was zu tun ist.
Neubrandenburg

Eine Betrugsmasche per WhatsApp wird aktuell in Mecklenburg-Vorpommern massenhaft angewandt – immer wieder mit Erfolg. Täglich würden neue Anzeigen auf den Schreibtischen der Ermittler landen und in den vergangenen zwei Wochen hätten die Fälle noch einmal deutlich zugenommen, erklärten die beiden Polizeipräsidien Neubrandenburg und Rostock am Freitag.

So habe es seit Jahresbeginn in Mecklenburg-Vorpommern 198 Anzeigen über Betrugsfälle per WhatsApp gegeben. Der Schaden lag demnach bei rund 171.000 Euro. Meist sei das Geld einfach weg, in einigen Fällen hätte es noch geklappt, die Überweisung über die Bank wieder zurückzuholen.

2021 deutlich weniger Fälle

Ein Vergleich mit dem vergangenen Jahr zeigt die Dimension der aktuellen Betrugswelle: So seien in den letzten sechs Monaten des Jahres 2021 insgesamt 49 Sachverhalte mit einer Schadenssumme von rund 53.000 Euro bei der Polizei angezeigt worden.

Die Betrüger würden WhatsApp nutzen, um kurzfristig an meist vierstellige Geldbeträge zwischen 1000 Euro und 4000 Euro zu kommen, so die Polizei. In einem Rostocker Fall seien es sogar rund 10.000 Euro gewesen.

So läuft die Masche ab

Die Masche laufe laut Polizei stets ähnlich ab: Die Betrüger stellen sich in einer WhatsApp-Nachricht als Sohn oder Tochter ihrer späteren Opfer vor. Angeblich hätten sie eine neue Nummer oder ein neues Handy, weil das alte etwa verloren oder kaputt gegangen sei.

Grundsätzlich würden sie direkt danach oder wenig später vorgaukeln, dass sie eine eilige Überweisung tätigen müssten und dies mit dem neuen Handy nicht funktioniere. Also sollten die vermeintlichen Eltern den Auftrag erledigen. „In vielen Fällen sind die Nachrichten so glaubwürdig, dass die Angeschriebenen direkt reagieren und Geld überweisen”, erklärte eine Polizeisprecherin. Die Altersspanne bei den Betroffenen liege zwischen 27 und 89 Jahren, in der Regel seien die Geschädigten zwischen 50 und 65 Jahre alt.

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„Der Chat war glaubwürdig und alles nachvollziehbar”

Eine Betroffene aus Neubrandenburg hat den Dialog mit einem Betrüger für die Polizei nacherzählt. Dieser hatte sich als ihr Sohn ausgegeben und der echte Sohn hatte wenige Tage zuvor tatsächlich von Probleme mit seinem Handy gesprochen. „Daher war es total glaubwürdig, als ich die Nachricht bekam, dass er ein neues Handy mit neuer Nummer habe”, sagte die Neubrandenburgerin der Polizei. „Und trotzdem bin ich reingefallen, weil der gesamte Small Talk im Chat mit ihm glaubwürdig und alles nachvollziehbar formuliert war. Dann fiel ihm ein, dass er hohe Handyrechnungen offen hatte und mit dem neuen Handy aber nicht in seinen Account bei der Bank komme.” Die 2000 Euro seien ihr zwar recht hoch vorgekommen, aber vermutlich habe ihr Sohn mal wieder zu viel mit seinem Handy „gezockt”.

Als die Frau die Summe überwiesen hatte, meldete sich ihr „Sohn” bald wieder und bat erneut um Geld. Sie sei stutzig geworden, kontaktierte ihre Bank und die Polizei.

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Geld weg – Das ist zu tun:

Wenn das Geld bereits überwiesen ist und die Opfer skeptisch werden, rät die Polizei, sich sofort bei der Bank zu melden und diese zur Rücküberweisung des Geldes aufzufordern. „Zusätzlich sollte Anzeige bei der Polizei erstattet werden und diese Anzeige der Bank mitgeteilt werden. Das Zeitfenster für Rückholungen ist kurz, daher sollten Betroffene sehr schnell reagieren”, so die Sprecherin.

Die Ermittler gehen davon aus, dass die Telefonnummern meist über Hackerangriffe auf Online-Verkaufsportale oder andere Plattformen erbeutet wurden, auf denen die Betroffenen ihre Handynummern hinterlegt haben. Betrüger könnten sich die Daten dann illegal über Verkaufsplattformen beschafft haben.

Gar nicht erst Opfer werden – Das rät die Polizei:

Wenn die Nachricht einer unbekannten Nummer kommt, sollte jeder auf den Sprachgebrauch achten, etwa auf Rechtschreibung, Grammatik und Anrede. Nennt mich mein Kind Mutti? Oder eher Mama?

Angeschriebene sollten niemals von sich aus den Klarnamen der Angehörigen benennen. Und selbst wenn die Geschichte glaubwürdig erscheint, rät die Polizei: Vor einer Überweisung besser mit dem Angehörigen direkt telefonieren oder um eine Rechnung bitten!

„Lieber ein Anruf zu viel, als am Ende Geld zu verlieren oder sich mit dem Versuch einer Rücküberweisung herumärgern zu müssen”, so die Polizei.

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