WhatsApp-Betrüger sind zur Zeit in den Landkreisen Vorponmmern-Greifswald, Vorpommern-Rügen und Mecklenburgische See
WhatsApp-Betrüger sind zur Zeit in den Landkreisen Vorponmmern-Greifswald, Vorpommern-Rügen und Mecklenburgische Seenplatte sehr erfolgreich. Zacharie Scheurer
Kriminalität

WhatsApp-Betrug im Nordosten – jetzt schon mehr Schaden als in ganz 2021

Sie geben sich als Söhne oder Töchter aus: Kriminelle erbeuten in Vorpommern sehr erfolgreich sehr viel Geld. So können Sie sich absichern.
Vorpommern

Die Polizei warnt vor WhatsApp-Betrügern im Nordosten von MV. Wie auch in den Nachbarkreisen Vorpommern-Rügen und Mecklenburgische Seenplatte sei die Zahl der Fälle in Vorpommer-Greifswald enorm gestiegen, teilte Claudia Tupeit aus dem Polizeipräsidium Neubrandenburg mit. „30 Anzeigen wurden allein im Januar, Februar und März 2022 wegen solcher Betrugsfälle erstattet. Dabei geht es um eine Schadenssumme von rund 29.100 Euro”, so die Polizeisprecherin. Im vergangenen Jahr habe es in zwölf Monaten insgesamt 23 Anzeigen wegen WhatsApp-Betrügen gegeben mit etwa 26.000 Euro Schaden.

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Während die Betrüger WhatsApp offenbar besonders mögen, gerät der ältere Nachrichtendienst SMS offenbar aus der Mode. 2021 wurden noch zehn Betroffene per SMS um zusammen rund 20.600 Euro gebracht, in diesem Jahr wurden gerade einmal zwei Versuche ohne finanziellen Schaden angezeigt.

Fast immer wird um Geld gebeten

„WhatsApp wird immer häufiger von Betrügern genutzt, um kurzfristig und leider recht erfolgreich an zumindest geringe vierstellige Geldbeträge zu kommen. Die Masche ist stets ähnlich: Jemand bekommt eine Nachricht, die scheinbar von einem Angehörigen – im Regelfall von den Kindern – stammt. Angeblich hat derjenige eine neue Nummer oder eine Übergangsnummer, weil das Handy zum Beispiel verloren oder kaputtgegangen ist”, erklärt Claudia Tupeit. Fast immer werde um die Überweisung einer angeblich eiligen Rechnungssumme gebeten. „In vielen Fällen sind die Nachrichten so glaubwürdig, dass die Angeschriebenen direkt reagieren und Geld überweisen. Meist fliegt der Betrug später auf, weil das Opfer mit dem echten Angehörigen spricht und zum Beispiel fragt, ob mit der Überweisung alles geklappt habe.”

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Erst in der vergangenen Woche habe es wieder Betrugsfälle im Nordosten gegeben. Eine 62-Jährige in Neubrandenburg habe mehr als 3000 Euro überwiesen, eine 69-Jährige aus dem Bereich Ducherow 2000 Euro und eine 66-Jährige in Ribnitz-Damgarten 2100 Euro. „Glücklicherweise konnte nach derzeitigem Stand wenigstens beim Neubrandenburger Fall die Transaktion mit Hilfe von Polizei und Bank wieder rückgängig gemacht werden”, sagt Claudia Tupeit. Wie aber kommen die Täter an die Handynummern und weitere Daten der Opfer?

Unbedingt schnell handeln

Die Ermittler gehen davon aus, dass ein Großteil durch illegalen Datenkauf im Internet an die Betrüger gelangt oder auch durch Hackerangriffe auf Online-Verkaufsportale oder andere Plattformen, auf denen digital eine Handynummer hinterlegt wird. Wer auf die Betrüger hereinfällt und das Missgeschick schnell bemerkt, der solle seine Bank unbedingt „eindringlich auffordern, sofort eine Rücküberweisung zu veranlassen. Zusätzlich sollte Anzeige bei der Polizei erstattet werden und diese Anzeige der Bank mitgeteilt werden. Eile ist geboten, da das Zeitfenster für Rückholungen von Überweisungen nur kurz ist.”

Um möglichst gar nicht erst Opfer zu werden, sollte jeder genau auf den Sprachgebrauch in empfangenen Nachrichten achten, zum Beispiel auf Grammatik, Rechtschreibung und die Anrede. „Nennt mich mein Kind eigentlich Mama oder sagt es nicht eher Mutti?. Und selbst, wenn es zunächst glaubwürdig erscheint, dass Kinder oder andere Familienangehörige wirklich das Handy verloren haben und kurzfristig um Geld oder eine Rechnungsbegleichung bitten könnten: Es sollte immer noch mal vorab mit den Angehörigen direkt telefoniert werden. Lieber ein Anruf zu viel, als am Ende Geld zu verlieren oder sich mit dem Versuch einer Rücküberweisung herumärgern zu müssen”, erklärt die Polizeisprecherin.

Die Volkshochschule in Pasewalk bietet am Mittwoch, dem 28. April, in der Zeit von 9 bis 12.15 Uhr einen Kurs zum Thema „Messenger-Dienste: Whats App und Telegram“ an. Dieser Kurs ist für diejenigen geeignet, die bisher noch keinen Messenger nutzen, aber auch für die, die sich tiefer mit den Anwendungsmöglichkeiten beschäftigten wollen. Anmeldung und weitere Informationen unter Telefon 03834 8760 4813 oder www.vhs-vg.de.

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