Therapeutisches Angebot

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Wie belastend ist eine Schwangerschaft für das Baby?

Werdende Mütter stehen oft unter Druck. Eine Studie soll zeigen, wie sich das auf die Babys auswirkt.
Werdende Mütter stehen oft unter Druck. Eine Studie soll zeigen, wie sich das auf die Babys auswirkt.
Bodo Marks

Welche Chancen ein Kind später im Leben hat, entscheidet sich oft in den ersten Monaten seines Lebens. Ob die Theorie zutrifft, soll eine Studie in Vorpommern zeigen.

Die Geburt eines Kindes ist für viele Mütter und Väter einer der glücklichsten Momente im Leben. „Aus psychischer Sicht ist es aber auch die kritischste Zeit für junge Frauen“, sagt Professor Hans Jörgen Grabe, der die Klinik für Psychiatrie der Universitätsmedizin Greifwald leitet.

Hormonschwankungen und die Umstellung auf die permanente Verantwortung und Versorgung des Kindes stellten schon seelisch stabile Frauen mit einem sicheren sozialen Umfeld vor große Herausforderungen.

Etwa jede fünfte werdende Mutter in Vorpommern könne jedoch nicht auf eine gute seelische Gesundheit und oft auch nicht auf ein verlässliches soziales Umfeld bauen, so Grabe. Für diese Frauen seien Schwangerschaft und die neue Rolle als Mutter eine enorme Belastung, die sich auch auf die Beziehung zu ihrem Kind auswirke.

Landesregierung setzt große Erwartungen in das Projekt

Die Universitätsmedizin Greifswald und die Hochschule Neubrandenburg wollen nun in einer groß angelegten Studie in Vorpommern untersuchen, wie stark die prekäre soziale Situation und psychische Belastung von Müttern die Entwicklung ihrer Kinder beeinflusst.

Gleichzeitig sollen während der Studie betroffenen Frauen individuelle psychotherapeutische Hilfen angeboten werden. Die Landesregierung setzt offenbar große Erwartungen in dieses Projekt, denn sie unterstützt das Vorhaben mit zwei Millionen Euro aus dem Fonds der Exzellenzinitiative.

160 Schwangere sollen untersucht werden

Derzeit laufen die Vorbereitungen. Unter anderem sollen in gynäkologischen Praxen und Anlaufstellen für Schwangere Fragebögen ausgehändigt werden, in denen Frauen nach ihrem seelischen Befinden befragt werden, erklärt Grabe.

Ziel sei es, 160 Schwangere in schwierigen persönlichen Lagen für die Studie zu gewinnen und ab dem dritten Monat vor der Geburt bis zum sechsten Monat nach der Entbindung zu begleiten. Die Hälfte der Teilnehmerinnen werde therapeutische Angebote im Alltag erhalten.

Zudem solle der Stresspegel im Verlauf der neun Monate dokumentiert werden. Dazu werden biologische Marker bei Mutter und Kind untersucht, die Rückschlüsse auf die Stressbelastung geben, erklärt Grabe.

Was bringt das therapeutische Angebot?

Anschließend sollen die Frauen noch ein halbes Jahr via Telefon betreut werden. Bei der zweiten Gruppe werden nur der Stresspegel und das seelische Befinden im Verlauf ermittelt, ohne Therapieangebot.

Der Vergleich beider Gruppen solle Aufschluss darüber geben, ob Mutter und Kind vom begleitenden therapeutischen Angebot profitiert haben. Der Studie liege die These zugrunde, dass bereits während der Schwangerschaft und in den ersten Monaten nach der Geburt wichtige Grundlagen für die Entwicklung des Kindes und seine späteren Chancen im Leben gelegt werden.

Dritte Vergleichsgruppe in psychisch stabiler Situation

Deshalb werde es noch eine dritte Vergleichsgruppe mit Müttern geben, die in sich in einer psychisch stabilen Situation befinden. Deren Stresswerte und die ihrer Kinder werden dann mit den Werten der Frauen und Kinder verglichen, die in schwierigen persönlichen und sozialen Verhältnissen leben.

Die Wissenschaftler der Unimedizin Greifswald und der Fachhochschule Neubrandenburg erhoffen sich aus dieser Studie Erkenntnisse darüber, wie entscheidend die soziale und psychische Situation der Mutter für die seelische und körperliche Gesundheit des Kindes sind.