BAKTERIEN

Wie gefährlich sind die Vibrionen in der Ostsee?

In dieser Woche starb eine Person beim Baden in der Ostsee durch Vibrionen. Es ist bereits der fünfte Todesfall in den vergangenen Jahren. Die Bakterien könnten in weitere Gewässer in MV gelangen.
Carsten Korfmacher Carsten Korfmacher
Immer wieder erkranken Ostsee-Badende durch einen Vibrionenbefall. In den vergangenen sechs Jahren gab es fünf Tote (Symbolbi
Immer wieder erkranken Ostsee-Badende durch einen Vibrionenbefall. In den vergangenen sechs Jahren gab es fünf Tote (Symbolbild). Stefan Sauer
Rostock.

Nach dem ersten Todesfall durch Vibrionen in diesem Jahr wächst die Angst unter Ostsee-Badenden vor einer Erkrankung durch das potenziell tödliche Bakterium. Nach Angaben des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lagus) in Rostock ist momentan in der gesamten Ostsee mit Vibrionen zu rechnen.

Doch wie gefährlich sind die Bakterien für Einheimische und Urlauber tatsächlich? Das kommt auf die eigene Konstitution an: Risikogruppen sind Personen mit einem schwachen Immunsystem, ältere Menschen und Personen mit einer Vorerkrankung, die zu einer Schwächung der Immunabwehr führt, zum Beispiel Diabetes, Lebererkrankungen, Krebserkrankungen oder schweren Herzerkrankungen. „Wenn man zu einer der genannten Risikogruppen gehört, sollte man den Kontakt offener Wunden mit Ostseewasser meiden”, sagte der Erste Direktor des Lagus, Heiko Will, dem Nordkurier am Donnerstag.

Warum wird nicht vor Vibrionen in der Ostsee gewarnt?

In den vergangenen Jahren kam es immer wieder zu Erkrankungen und Todesfällen durch Vibrionen. Seit 2014 wurden 42 Erkrankungen gemeldet, fünf davon verliefen tödlich. Höhepunkt war der Hitzesommer 2018 mit 18 Erkrankungen und drei Todesfällen. Warum also sprechen die Behörden keine Warnung aus, wenn Vibrionen-Befall in den vergangenen Jahren schon so häufig zum Tode führte?

„Es gibt keinen Grund, explizit vor Bakterien in der Ostsee zu warnen, denn Vibrionen und andere Bakterien sind ein natürlicher Bestandteil salzhaltiger Meerwässer”, erklärt Lagus-Direktor Heiko Will. Eine Vermehrung der Bakterien sei wahrscheinlich, wenn die Salzkonzentration über fünf Promille liege und die Wassertemperatur 20 Grad übersteige.

Vorkommen im Stettiner Haff möglich

Das bedeutet, dass das Bakterium nicht nur in der Ostsee, sondern auch in der Ostsee angeschlossenen Gewässern wie dem Stettiner Haff vorkommen kann. Allerdings liegt die erforderliche Salzkonzentration dort nur unter bestimmten Umständen im genannten Bereich, zum Beispiel wenn durch starke Winde viel Ostseewasser ins Haff gedrückt wird. Die mit dem Haff verbundenen Flüsse Peene und Oder allerdings dürften unter keinen Umständen ein Salzgehalt von fünf Promille oder mehr erreichen.

Der Salzgehalt in der Ostsee schwankt je nach Ort und äußeren Einflüssen stark, liegt aber immer über acht Promille, die Nordsee weist teilweise sogar 35 Promille und mehr auf. Dadurch sind beide Meere ein möglicher Lebensraum für das potenziell tödliche Bakterium. Das Lagus misst keine genaue Bakterien-Konzentration, da es nach Angaben von Direktor Heiko Will „keinen relativen Bezug gibt”, also Grenzwerte, nach denen ein Baden gefährlich oder ungefährlich ist. Die bekannten Symptome einer Vibrionen-Infektion sind Schüttelfrost, Durchfall und Fieber.

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