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Wie kam ein russischer Zünder in deutsche Bombe?

Ein russischer Zünder, wie er sich in der Prenzlauer Bombe befand.
Ein russischer Zünder, wie er sich in der Prenzlauer Bombe befand.
Oliver Spitza

Die in Prenzlau entschärfte Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg stammte aus Deutschland, war aber mit einem russischen Zünder ausgestattet. Wie passt das zusammen?

Die am Dienstag in Prenzlau entschärfte 250-Kilo-Bombe ist ein ungewöhnlicher Sprengkörper gewesen: Es handelte sich um ein deutsches Fabrikat, in dem ein russischer Zünder steckte. „Die  Konstruktion findet man des Öfteren auf den ehemaligen Kampfgebieten der Roten Armee im Zweiten Weltkrieg“, erklärt Wilfried Krämer vom Brandenburger Kampfmittelbeseitigungsdienst. Sein Kollege in Mecklenburg, Robert Molitor, vermutet, dass die Bombe von russischen Soldaten erbeutet wurde. Möglicherweise stammt sie aus einem Depot der Luftwaffe, das nicht mehr gesprengt oder unbrauchbar gemacht werden konnte.

Doch die deutschen Bomben waren für die Russen zunächst nicht zu gebrauchen. „Das lag an dem elektrischem Seitenzünder, der über eine spezielle Vorrichtung am Flugzeug aktiviert wurde“, erklärt Munitionsexperte Molitor. Deshalb habe die Rote Armee ihre eigenen Zünder in die Bomben „reingebastelt“. Es gab nur ein Problem: Die russischen Fabrikate entsprachen nicht genau den Maßen der deutschen Variante. Aber das berühmte russische Improvisationstalent gab es offenbar damals bereits. „Die Zünder wurden teilweise auch mit Holzkeilen fixiert“, weiß Robert Molitor. Dass die so zusammen geschusterten Sprengkörper nicht immer funktionierten, hat der Blindgänger in Prenzlau gezeigt. Gefährlich bleiben sie trotzdem. „Die Schwierigkeit bei einer Entschärfung ergibt sich durch den Zustand des Zünders, insbesondere wenn dieser stark korrodiert oder gestaucht ist,“ erklärt Wilfried Krämer. uro