ERNEUERBARE ENERGIE

Wieder mehr Windräder in MV – Doch die Branche bleibt unzufrieden

Der Ausbau der Windenergie hat an Fahrt gewonnen, aber der Branchenverband drückt auch in der Corona-Krise aufs Tempo. Windkraftgegner machen eigene Forderungen auf und verlangen ein Umdenken.
Der Windpark Hoort südlich von Schwerin wird derzeit aufgebaut.
Der Windpark Hoort südlich von Schwerin wird derzeit aufgebaut. Jens Büttner
Der Windpark umfasst eine Fläche von circa 228 Hektar.
Der Windpark umfasst eine Fläche von circa 228 Hektar. Jens Büttner
Die 16 Windkraftanlagen der Firma Nordex werden im Auftrag der Betreiberfirma Loscon an der Autobahn A24 errichtet.
Die 16 Windkraftanlagen der Firma Nordex werden im Auftrag der Betreiberfirma Loscon an der Autobahn A24 errichtet. Jens Büttner
Die knapp 200 Meter hohen Anlagen sollen ihren Normalbetrieb im Sommer starten und jährlich rund 120 Millionen Kilowattst
Die knapp 200 Meter hohen Anlagen sollen ihren Normalbetrieb im Sommer starten und jährlich rund 120 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen. Jens Büttner
Damit können durchschnittlich 35.000 Haushalte versorgt werden.
Damit können durchschnittlich 35.000 Haushalte versorgt werden. Jens Büttner
Neubrandenburg.

In Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg sind im ersten Vierteljahr mehr Windräder gebaut worden – nach einem schweren Einbruch im vergangenen Jahr. Die meisten Generatoren wuchsen in ostdeutschen Ländern in die Höhe. Das geht aus vorläufigen Zahlen der Fachagentur Windenergie an Land hervor. Spitzenreiter war Brandenburg mit 24 Anlagen, gefolgt von 13 Windrädern in Sachsen-Anhalt und elf in Mecklenburg-Vorpommern. Im Vergleich zum Vorjahresquartal, als in allen drei Bundesländern zusammen 13 Anlagen entstanden, ist das ein erheblicher Zuwachs.

Der Ausbau der Windenergie an Land ist in Deutschland generell ins Stocken geraten, weil sich die Genehmigungsverfahren in die Länge ziehen. Der Protest von Anwohnern und Bürgerinitiativen, aber auch strenge Abstandsregeln zu Flughäfen oder Radaranlagen sorgen dafür, dass im Vergleich zu früheren Jahren deutlich weniger gebaut wird.

Ökostrom-Anteil und Mindestabstand

Eigentlich sollten schon am 12. März die Regierungschefs der 16 Bundesländer einen Kompromiss zum Ausbau der erneuerbaren Energie finden, um das Ziel eines Ökostrom-Anteils von 65 Prozent bis 2030 in ein Gesetz zu gießen. Doch am Vorabend zerstritten sich Fachpolitiker der Bundestagsfraktionen von Union und SPD über den geplanten Mindestabstand von 1000 Metern zwischen Windrädern und Wohnsiedlungen. Und dann nahm das Coronavirus die Ministerpräsidenten voll in Anspruch.

Seitdem herrscht Funkstille: Die vereinbarte Arbeitsgruppe von Bund und Ländern zum Ökostromausbau, die eine Lösung im Streit um die Mindestabstände finden soll, ist einen Monat nach deren Ankündigung noch gar nicht eingesetzt worden. Man werde das weitere energiepolitische Vorgehen „schnellstmöglich mit den Ländern und den Regierungsfraktionen klären“, teilte die Bundesregierung mit. Priorität hätten aber die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie.

Bundesverband fürchtet Ökostromlücke

Der Bundesverband Windenergie zeigt dafür wenig Verständnis: „Auch im Homeoffice kann man entscheiden“, sagt Präsident Hermann Albers. „Wir sind weit weg von dem, was die Branche leisten könnte. Der energiewirtschaftlich und klimapolitisch viel zu geringe Zubau gefährdet die Ziele der Bundesregierung und führt direkt in die Ökostromlücke.“

Aus Sicht der rund 40 Bürgerinitiativen, die im Aktionsbündnis gegen unkontrollierten Windkraftausbau „Freier Horizont“ vertreten sind, muss die Corona-Krise zum Anlass genommen werden, über die Energiewende nachzudenken. Die Bürger im Nordosten müssten wegen des Ausbaus der Erneuerbaren Energien schon jetzt die höchsten Strompreise zahlen, heißt es in einem an Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und die MV-Landtagsabgeordneten gerichteten Offenen Brief. Gefordert wird der Stopp aller Genehmigungsverfahren. Den Windrädern würden Landschaften und Naturräume geopfert. Das mache große Teile des ländlichen Raums zunehmend unattraktiv, sowohl für Einheimische als auch für Gäste. Gerade die Tourismusbranche, die durch Corona in einer tiefen Krise stecke, lebe von einer intakten Natur.

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Neubrandenburg

Kommende Events in Neubrandenburg

zur Homepage

Kommentare (4)

sind wahrlich keine Zierde.
Für den Leser wäre es gut den Begriff "Tourismus" mal deutlicher zu erklären. Manch einer glaubt, damit seien nur auswärtige Gäste gemeint. Der moderne Tourismusbegriff bezieht aber wohl auch die Naherholungssuchenden mit ein. Als Solcher sehe ich mich und mir fehlen vor allem Radwege, Wanderwege und verlässliche Personenfähren über Peene und Peenestrom.

Der Artikel ist gut.

die spinnen wohl. Bei den Strompreisen von 28ct. Energiebrange verstaatlichen. Strompreise von 5 bis 10ct + Mwst. für die Bevölkerung - 15 bis max 20ct für die Industrie - Ansonsten bleibt das patyomkinsche Dorf deutsche Umweltpolitik eine Lüge - eine ewige Quelle um das Wahlvolk zu melken.

Bingo! Radwege und Brückenquerungen sind ein Fremdwort für manchen Lokalpüolitiker. Runter mit den Strompreisen, andere Länder machen es doch vor nur Deutschland kapitalisiert alles.

20% ausgelastet, um höhere Auslastung zu erreichen brauchen wir Pumpspeicherwerke. Doch in Baden Würtemberg sind keine Windräder, noch neue Pumpspeicherwerke geplant, dort wird nur Grün gewählt aber keine Windräder oder Pumpspeicherwerke gebaut! Wenn die die Grünen aus dem Westen pfeifen, springen die Politiker im Osten nach deren Stöckchen, statt auf neue Pumpspeicherwerke im Süden zu bestehen. Und das Geld der Windparks fließt auch größtenteils nach Bayern und Baden Würtemberg !