WILD UND LECKER

MV hat Appetit auf Reh und Wildschwein

Immer mehr Menschen wissen die Köstlichkeiten aus den Wäldern zu schätzen. Ganz billig ist das Fleisch nicht, aber mutige Köchinnen und Hobbygriller können echte Schnäppchen machen.
Dieser Frischling wurde bei Rothemühl erlegt. Torgelows Forstamtsleiter Thomas König schätzt das Alter des Tier
Dieser Frischling wurde bei Rothemühl erlegt. Torgelows Forstamtsleiter Thomas König schätzt das Alter des Tiers auf ein Jahr. Susanne Böhm
Edmund Dräger und Britta Brauner zerlegen das Wild in küchenfertige Portionen. Danach wird es vakuumiert.
Edmund Dräger und Britta Brauner zerlegen das Wild in küchenfertige Portionen. Danach wird es vakuumiert. Susanne Böhm
So schön sieht ein schmackhafter Wildbraten aus.
So schön sieht ein schmackhafter Wildbraten aus. Susanne Böhm
Neben Bratenstücken, Steaks, Gulasch und anderen Zuschnitten sind im Torgelower Forstamt auch Wurst- und Schinkenspeziali
Neben Bratenstücken, Steaks, Gulasch und anderen Zuschnitten sind im Torgelower Forstamt auch Wurst- und Schinkenspezialitäten zu haben. Susanne Böhm
Torgelow ·

Wild auf Wild. Mit diesem Spruch bewirbt der Deutsche Jagdverband das Fleisch von Hirsch, Reh und Co. Gerade Wildschwein ist im Überfluss vorhanden. Die Tiere leben in Massen in Mecklenburg-Vorpommerns Wäldern und Feldern. Wegen der Afrikanischen Schweinepest werden sie verstärkt bejagt. Doch obwohl die meisten Menschen einen Wildschweinbraten mit Rotweinsoße und Klößen wohl kaum ablehnen würden, kommen nach wie vor wenige auf die Idee, zur Abwechslung mal Wild auf den Sonntagstisch zu bringen.

Die Leute denken um

Doch es tut sich was in den heimischen Küchen. Die Nachfrage steigt, haben die Förster im Forstamt Torgelow festgestellt. „Die Leute denken um. Das Bewusstsein wächst”, sagt Behördenchef Dr. Thomas König. Immer mehr Menschen würden Wert auf regionale Produkte und gute Qualität legen. „Natürlich ist Wildfleisch hochpreisiger als handelsübliche Massenware”, sagt er. Aber man brauche ja nicht jeden Tag Fleisch zu essen. Außerdem müsse der Braten nicht auf ein Mal verspeist werden, sondern werfe in kleineren Portionen mit üppigen Beilagen durchaus mehrere Mahlzeiten für zwei bis drei Tage ab. Wer auf ein richtiges Schnäppchen aus ist und sich traut, kann es mit ganzen Tieren versuchen.

Bei einem ganzen Reh, abgezogen, also enthäutet, kostet das Kilo 6,60 Euro. Lässt man das Tier grob zerlegen, fallen 7,60 Euro pro Kilo an. Ein ganzes Wildschwein ist derzeit bereits für 4,50 Euro das Kilo zu haben. Richtig verwegene Köchinnen und Hobbygriller können auch ganze Hirsche, Schweine und Rehe samt Fell erwerben. Da ist der Kilopreis dann noch günstiger.

Kundenstamm ist groß geworden

Seit 2003 sind in dem Laden auf dem Hof des Forstamts Rehrücken, Schwarzwildsteak, Damwildfilet, Wildwurst, Schinken und mehr zu haben. Anfangs häuteten, zerlegten und vakuumierten die Behördenmitarbeiter das Wild noch selbst. Inzwischen ist der Kundenstamm so groß geworden, dass die Forstleute das nicht mehr schaffen.

Fleischerin Britta Brauner von der Landschlachterei Spantekow kommt regelmäßig in die Zerlegestation in Torgelow, wo sie mit Kettenhandschuhen, scharfen Messern und geübten Griffen selbst den größten Hirsch in küchenfertige Portionen zerlegt. Forstamtsleiter Dr. Thomas König denkt sogar darüber nach, einen Fleischer fest einzustellen. Auch ein mobiler Verkaufsstand für Wochenmärkte ist im Gespräch. „Die Konzepte liegen schon in der Schublade.” Noch sei die Zeit nicht reif, aber wenn der Umsatz weiter steige, bleibe gar nichts anderes übrig, als zu expandieren. Genügend Wild sei vorhanden.

Obwohl die Zeit der großen Treibjagden gerade erst beginne, seien die Lager gut gefüllt. In der vergangenen Woche platzierten den Jägern wieder einige Volltreffer in den Wäldern in Vorpommern-Greifswald. Zehn Wildschweine aus Rothemühl, ein Hirsch aus Mönkebude und mehrere Rehe aus Meiersberg hingen in der Kühlkammer ab. Das sei ja noch gar nichts, sagte Thomas König. „Wenn das richtig losgeht, ist hier alles voll. Wenn 80 Jäger zu einer Drückjagd zusammenkommen, sieht das hier anders aus.”

Massenproduktion nicht möglich

Was nicht im Torgelower Hofladen über den Tresen geht, wird in anderen Verkaufsstellen der Landesforst Mecklenburg-Vorpommern angeboten, zum Beispiel im Forstamt Stavenhagen in Ivenack oder im Forstamt Pudagla auf Usedom. In die Supermärkte wird es das Wild aus der Region aber wohl nie schaffen, schätzt Olaf Kregelin, der den Torgelower Hofladen führt. „Wir haben das schon versucht. Dann bekommen wir gesagt, wir müssen jede Woche 100 Kilogramm in 100-Gramm-Scheiben liefern. Das schaffen wir nicht. Diese Standardisierung bekommen wir nicht hin.” Massenproduktion sei bei frei lebenden Wildtieren einfach nicht möglich. Auch könnten die Förster nicht zu jeder Jahreszeit alle Wildarten liefern. Schließlich seien Schonzeiten einzuhalten. Wildfleisch in Supermärkten stamme daher in der Regel aus riesigen Gatterhaltungen aus Übersee.

Aber wie kommt man denn ran an den Sonntagsbraten aus der Region, wenn man nicht gerade im Raum Torgelow wohnt? Man müsse schon ein bisschen die Augen offen halten, aber wer suche, der finde, sagt Thomas König. Ganze Stücke mit Fell seien in jedem Forstamt erhältlich. Es lohne sich immer, einfach mal anzurufen. Der örtliche Jäger könne auch weiterhelfen. In manchen Städten und Dörfern gibt es auch selbstständige Wildhändler. Im Internet wird derjenige fündig, der zum Beispiel „Wild vom Förster” eingibt. Im Übrigen müsse niemand befürchten, der Braten könne misslingen. Der landläufige Glaube, Wild schmecke streng und sei schwierig zuzubereiten, sei ein Irrtum. „Wer ein Rindersteak grillen kann, der bekommt auch ein Hirschsteak hin.”

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Torgelow

zur Homepage