WILDSCHWEIN-ANGRIFF

▶ Wilder Keiler hält Greifswalder Sportler in Atem

Auch am Montag blieb Greifswalds größte Sportanlage, das Volksstadion, geschlossen. Zu groß ist die Angst vor Wildschweinangriffen. Ein Hund wurde bereits verletzt.
Wegen der Gefahr von Wildschwein-Angriffen wurde das Volksstadion in Greifswald gesperrt.
Wegen der Gefahr von Wildschwein-Angriffen wurde das Volksstadion in Greifswald gesperrt. Andrea Reimann/Stadt Greifswald
Das Greifswalder Volksstadion war am Wochenende und auch Montag für den Betrieb gesperrt.
Das Greifswalder Volksstadion war am Wochenende und auch Montag für den Betrieb gesperrt. Philipp Schulz
Trotz des Schildes hielten sich nicht alle Besucher an das Verbot.
Trotz des Schildes hielten sich nicht alle Besucher an das Verbot. Philipp Schulz
Die Hündin „Anka” des Stadtförsters Bent Knoll wurde bereits von einem Tier erwischt.
Die Hündin „Anka” des Stadtförsters Bent Knoll wurde bereits von einem Tier erwischt. Philipp Schulz
Jörg Mohr Objektleiter des Volksstadions, stellt die neue Waffe gegen die Wildschweine vor: Leere Rauchmelder.
Jörg Mohr Objektleiter des Volksstadions, stellt die neue Waffe gegen die Wildschweine vor: Leere Rauchmelder. Philipp Schulz
Greifswald.

Eigentlich ist es malerisch. Direkt zwischen dem Greifswalder Volksstadion mit seinem Hauptplatz und der Tartanbahn und der Nexö-Grundschule an der Wolgaster Straße schlängelt sich ein kleiner Buchenwald. Eng bewachsen und mit Wasserstelle spendet er den Sportlern im Sommer aber nicht nur Schatten und Ruhe, sondern auch den Wildschweinen eine hervorragende Nahrungsquelle.

Verschiedene Tiere, auch ganze Rotten mit Bachen und Frischlingen haben sich bereits in der Vergangenheit bis zum Volksstadion, sogar zum Uni-Klinikum und weiter in die Hansestadt getraut. Dieses Mal ist die Gefahrenlage jedoch eine andere

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Testspiel wurde wegen Wildschweinen abgesagt

Erst am Freitag musste ein Fußballspiel zwischen dem Greifswalder FC und dem FC Hansa Rostock abgesagt werden. Zu groß war die Angst der Veranstalter und Verantwortlichen vor den wilden Tieren, die im Buchenwald Unterschlupf gefunden hatten, nur wenige Meter von den Spielern entfernt. Die Verlegung des Spiels war dabei nicht nur bloße Vorsichtsmaßnahme.

„Anka”, die Hündin von Bent Knoll hatte es da bereits erwischt. Der Stadtförster war am Freitagmorgen mit ihr unterwegs, wollte den Spuren der Wildschweine auf den Grund gehen, als seine Hündin plötzlich von einem Keiler angegriffen wurde. „Es war definitiv ein großes Tier, gut 100 bis 120 Kilogramm”, erinnert sich Knoll. Das Tier habe sich zudem sehr atypisch verhalten. Das könne auf eine Krankheit oder sehr schlechte Erfahrung mit Hunden zurückzuführen sein, mutmaßt Knoll. Normalerweise seien die Stadtschweine an Menschen, Lärm und Hunde gewöhnt.

Am Montag ist die Hündin wieder mit im Wald dabei. Zwar mit Verband und unter Schmerzmitteln, aber immerhin agil.

Keiler wird nicht geduldet

Der Keiler wird im Volksstadion nicht geduldet. Das ist die klare Einstellung von Förster Knoll und dem Objektleiter der Anlage, Jörg Mohr. „Es gab bereits einen Angriff, die Politik ist ganz klar, dass das Tier nicht geduldet wird”, so Knoll. Beide Männer arbeiten gerade auf Hochtouren, um die Wildschweine und damit auch den Problem-Keiler aus dem Wald zu halten.

Teils mit Flachstahl, der die maroden Zäune des Volksstadions unterstützen soll, teils mit sehr unkonventionellen Methoden. „Leere Rauchmelder”, verkündet Knoll die Strategie. „12 Stück haben wir davon aufgehängt, das mögen die Tiere gar nicht.” Der Trick: Die Rauchmelder sind mit fast leeren Batterien bestückt, piepen deswegen regelmäßig: ein sehr unangenehmes Geräusch für die Schweine.

Ein Abschuss kommt nicht in Frage

Der Erfolg gibt Knoll recht. „Wir sind sehr sicher, dass gerade keine Tiere in dem Waldstück sind.” Ein Abschuss kommt für ihn zunächst nicht in Frage, das wäre „maximal Plan F.” Es gebe zu viele Unbekannte. Nicht auszudenken, wenn das Tier nicht sofort stirbt und flieht – mit einer Grundschule in direkter Nähe. Am Dienstag wird das Stadion wohl wieder freigegeben werden können. Bis dahin werden Bent Knoll und Jörg Mohr noch ein paar mal die Rauchmelder austauschen.

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