TODESFALL LEONIE

"Wir kriegen alle!" Zielfahnder suchen wohl auch David H.

LKA-Zielfahnder heften sich bei besonderen Verbrechen so lange an die Fersen der Verdächtigen, bis die Handschellen klicken. Jetzt muss der mutmaßliche Mörder der kleinen Leonie aus Torgelow diese Einheit fürchten.
Thomas Beigang Thomas Beigang
Zielfahnder arbeiten im Verborgenen.
Zielfahnder arbeiten im Verborgenen. Fredrik von Erichsen
Neubrandenburg.

Sie arbeiten meist im Verborgenen und die Früchte ihrer Arbeit ernten andere. Denn ihr Einsatz bleibt geheim und selbst ihre Identitäten sind nur den Kollegen bekannt. Noch nicht einmal die Zahl der Frauen und Männer, die als besondere „Spürhunde“ bei der Fahndung nach Kriminellen unterwegs sind, gehört in die Öffentlichkeit. Aber es gibt sie und sie sind erfolgreich: die Zielfahnder am Landeskriminalamt von Mecklenburg-Vorpommern.

Offiziell bestätigt niemand den Einsatz dieser besonderen Truppe bei der Fahndung nach David H.. Der 27-Jährige, der verdächtig ist, für den Tod der kleinen Leonie in Torgelow verantwortlich zu sein, bleibt seit seiner Flucht am Montag aus dem Polizeirevier in Pasewalk verschwunden. „Aus ermittlungstaktischen Gründen“, so die Antwort im Neubrandenburger Polizeipräsidium, bleibe die Frage über den Einsatz von Zielfahndern bei der Suche nach H. unkommentiert. Aber wer eins und eins zusammenzählt, kommt von allein auf die richtige Antwort.

Denn die Jagd nach dem Mann aus Torgelow erfüllt nahezu sämtliche Kriterien für deren Job. Denn immer dann, wenn die „normale“ Polizei bei der Suche nach einem Verdächtigen Unterstützung benötigt und es sich dabei um eine Straftat vom besonderer Bedeutung handelt, kann die Zielfahndung zum Einsatz kommen.

Handschellen klickten oft auf anderen Kontinenten

Der selbstbewusste Anspruch der Zielfahnder – „Wir kriegen jeden“ – ist dabei keine von zu viel Testosteron gesteuerte Prahlerei. „Es dauert oft deutlich länger als nur ein paar Tage bis zum Erfolg“, so ein Sprecher des Landeskriminalamtes (LKA). Aber nie werde ein Fall abgeschlossen, bis man der Gesuchten auch habhaft geworden sei.

„Wir arbeiten nur auf Ersuchen anderer“, sagen die Spezialisten. „Wir nehmen niemandem etwas weg.“ Zu den besonders gefährlichen Straftätern, die in der Vergangenheit von den LKA-Leuten schon geschnappt wurden, zählt zum Beispiel der Parchimer Sven S. Der junge Mann, der den Fängern im Herbst 2004 ins Netz ging, war dringend verdächtig, zwei Menschen ermordet zu haben – unter anderem einen Handy-Händler in Neubrandenburg. Letztendlich konnte der Gesuchte in seiner Heimatstadt dingfest gemacht werden. Allerdings gingen bei der Festnahme des gefährlichen und hemmungslosen Täters sieben Autos zu Bruch.

Die Ergreifung eines zur Zielfahndung Ausgeschriebenen bedürfe umfangreicher Vorarbeit, umschreiben Zielfahnder ihren Job. Zunächst geht es immer darum, festzustellen, über welche Möglichkeiten der Gesuchte verfügt. Was könne er sich eigentlich leisten, laute die Fragestellung immer. Alle Fakten aus dem persönlichen Umfeld des Täters werden gesammelt, sein Lebenslauf studiert, seine Verbindungen und Bekanntschaften aufgelistet. Dann ziehe sich die Schlinge immer enger zu.

Dienstreisen bis nach Brasilien

Eine der weitesten Dienstreisen führte hiesige Zielfahnder dabei bis nach Brasilien. Dort schnappten die „Terrier“ einen wegen schwerer räuberischer Erpressung gesuchten Mann, der es selbst mit seinem Eintritt in die Fremdenlegion nicht ganz geschafft hatte, seine Spuren zu verwischen. Der Mann desertierte aus der „Légion étrangère“ und versteckte sich in Südamerika. Dort spürten ihn die Zielfahnder auf.

Konkrete Methoden verraten sie nicht: „Dienstgeheimnis“. Dafür zählen sie gerne auf, welche dicken Fische ihnen schon ins Netz gegangen sind. Der Plather Auftragsmord zum Beispiel, dessen Protagonist Siegfried G. von den LKA-Männern 1999 in Spanien verhaftet wurde. Oder die 15-monatige Flucht eines Sex-Gangsters, die in Finnland endete. Oder das Ergreifen eines Torgelower Frauenarztes, der den Mord an seiner Frau in Auftrag gegeben hatte und bei dem – zu seiner riesengroßen Überraschung – auf den Kanaren die Handschellen klickten. Im November 2015 spürten Zielfahnder einen Drogenhändler aus der Region Wismar in der Ukraine auf.

Hier gibt es eine Übersicht mit allen bisher veröffentlichten Artikel zum Todesfall Leonie.

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Kommentare (1)

Find ich echt gut das jetzt solche Leute suchen weil wenn man Polizisten sieht kann man abhauen aber ganz normale Leute da denkt man nicht dran das man abhauen muss.