ULF SKODDA

Wird der Ex-Awo-Landeschef jetzt angeklagt?

Die Liste der Awo-Manager, die im Visier von Staatsanwälten stehen, ist lang. In einem Fall steht eine Entscheidung der Justiz unmittelbar bevor.
Skurriler Auftritt im Zeugenstand – inklusive Falschaussage? Für Ulf Skodda könnte es eng werden.
Skurriler Auftritt im Zeugenstand – inklusive Falschaussage? Für Ulf Skodda könnte es eng werden. Andreas Becker
Schwerin.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Schwerin gegen den früheren Awo-Landeschef Ulf Skodda stehen nach Informationen des Nordkurier kurz vor dem Abschluss. Nachdem die Staatsanwaltschaft etliche Zeugen angehört hat, soll in den nächsten Tagen die Entscheidung fallen, ob gegen Skodda, der als einer der besten Netzwerker in der Arbeiterwohlfahrt zählt, Anklage erhoben wird. Dem langjährigen Awo-Landeschef wird Falschaussage vor dem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss (PUA) zur Aufklärung der Awo-Affäre vorgeworfen.

Vor dem PUA im Schweriner Landtag hatte Skodda am 30. September vergangenen Jahres einen skurrilen Auftritt absolviert. Der Ex-Spitzenfunktionär der Awo, der von 2008 bis 2012 an der Spitze der Awo in MV stand, hatte sich in seiner 90-minütigen Vernehmung als unwissender und gleichzeitig auch uninteressierter Zeuge präsentiert – und es dabei offenbar mit der Wahrheit nicht so genau genommen. Konkret: Auf die damalige Frage des AfD-Abgeordneten Thomas de Jesus Fernandes, ob Skodda in irgendeiner Form in die Gestaltung der Verträge des Ex-Vorsitzenden der Awo Müritz, Götz-Peter Lohmann, sowie des Ex-Awo-Geschäftsführers der Awo Müritz, Peter Olijnyk involviert gewesen sei, hatte Skodda mit Nein geantwortet.

Eine Aussage, die bereits unmittelbar nach der Vernehmung bei früheren hochrangigen Mitgliedern der Awo-Geschäftsstelle Müritz in Waren für Verwunderung gesorgt hatte. „Der leidet wohl unter Gedächtnisschwund. Skodda war über Jahre quasi als Hausanwalt für die Awo Müritz tätig“, ließ sich eine Ex-Mitarbeiterin zitieren. Doch nicht nur die Aussagen von unmittelbar Beteiligten lassen darauf schließen, dass Skodda vor dem PUA offenbar geflunkert hat – auch aus Akten, die dem PUA und dem Nordkurier vorliegen, ist ersichtlich, dass Skodda in enger Verbindung zur damaligen Awo-Spitze stand. Und Peter Olijnyk selbst hatte sowohl während seiner zivilrechtlichen Auseinandersetzung vor dem Oberlandesgericht Rostock mit seinem ehemaligen Arbeitgeber als auch vor dem PUA im Januar 2020 betont, dass Skodda bei den Verträgen involviert gewesen sei.

Mehr lesen: Der Fall Peter Olijnyk

Skodda dementiert Vorwürfe

Olijnyk ist wegen des Verdachts der schweren Untreue, Lohmann wegen des Verdachts der Beihilfe zur Untreue angeklagt – beide ehemaligen hochrangigen Awo-Funktionäre müssen sich ab dem Spätsommer vor dem Landgericht Schwerin verantworten.

Nicht nur Olijnyk und Lohmann könnten empfindliche Strafen drohen, auch Skoddas vermeintliche Falschaussage vor dem PUA könnte ihn teuer zu stehen kommen „Nach Paragraph 153 Strafgesetzbuch können uneidliche Falschaussagen mit einer Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren oder mit einer Geldstrafe bestraft werden“, teilte die Landtagsverwaltung mit.

Skodda selbst dementiert die Vorwürfe. „Ich habe vor dem Untersuchungsausschuss ausgesagt, seinerzeit vom Inhalt des Vertrages der Geschäftsführung des Awo-Kreisverbandes Müritz beziehungsweise der Awo Müritz gGmbH keine Kenntnis gehabt zu haben. Diese Aussage ist wahr“, so der Anwalt.

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