Mit dem Bau Hunderter neuer Windräder ist zu rechnen. Doch wo genau sie entstehen, ist unklar.
Mit dem Bau Hunderter neuer Windräder ist zu rechnen. Doch wo genau sie entstehen, ist unklar. Jens Büttner
Erneuerbare Energien

Wird die Seenplatte bald mit Windrädern zugepflastert?

Um die Ziele des Windkraftausbaus zu erreichen, muss Grundlegendes geändert werden. Und die Mecklenburgische Seenplatte spielt dabei eine besondere Rolle.
Seenplatte

Im windreichen Nordosten sollen nach Plänen der Bundesregierung bald mehr als zwei Prozent der Fläche für Windkraft ausgewiesen werden. Was das für die Region bedeutet, lässt sich bislang nur erahnen. Doch so viel scheint klar: Die Zahl der Eignungsflächen muss sich vervielfachen. Denn laut dem MV-Wirtschaftsministerium steht bislang nur etwa 0,8 Prozent der Fläche von Mecklenburg-Vorpommern für Windräder zur Verfügung.

Und im Bereich Mecklenburgischen Seenplatte ist mit 0,59 Prozent bislang erst die geringste Fläche der vier Planungsregionen ausgewiesen. Am dichtesten mit Windspargeln zugepflastert ist den Angaben zufolge die Planungsregion Westmecklenburg mit 1,1 Prozent. Jeweils 0,75 Prozent der Flächen der Planungsregionen Vorpommern und Rostock sind für die Erzeugung von Windenergie festgesetzt.

Erst noch Gesetze abwarten

Bekommt die Mecklenburgische Seenplatte also aus Fairness jetzt die meisten neuen Windräder hinzu? Das ist offenbar noch nicht entschieden. Denn die zukünftigen Planungskriterien für die Ausweisung von Windenergiegebieten stehen nach Ministeriumsangaben noch nicht fest. Zunächst gelte es, Gesetzgebungsverfahren zum Wind-an-Land-Gesetz und zur Änderung des Raumordnungsgesetzes sowie andere Bundesregelungen abzuwarten.

Ebenso ungewiss ist, in welchem Rahmen die Regionalen Planungsverbände ihre bisher eher schleppende Arbeit fortführen werden. Der in Neubrandenburg ansässige Regionale Planungsverband Mecklenburgische Seenplatte war beispielsweise zuletzt viele Monate damit beschäftigt, Stellungnahmen zu wenigen Dutzend Eignungsgebiete auszuwerten. „Derzeit werden verschiedene Alternativen zur künftigen Ausgestaltung des Planungsverfahrens für die Ausweisung von Windenergiegebieten geprüft”, hält sich das Wirtschaftsministerium bedeckt.

Energieverbände fordern Tempo

Immerhin werde angestrebt, an den in Mecklenburg-Vorpommern geltenden Abstandsempfehlungen von 1000 Metern zu Wohngebieten und 800 Metern zu Einzelhäusern festzuhalten. Garantieren will man das in Schwerin aber offensichtlich nicht. „Letztendlich hängt dies aber auch davon ab, ob durch eine Anpassung anderer Planungskriterien ausreichend Fläche für die Windenergienutzung zur Verfügung gestellt werden kann.”

Energieverbände fordern nun Tempo. „Wir brauchen einen enormen Ausbau der Windenergie an Land, um mittel- und langfristig unabhängig von fossilen Energien zu werden und um die Klimaziele zu erreichen”, sagt Kerstin Andreae vom Bundesverband Windenergie in einer Mitteilung und fordert etwa einen neutralen und einheitlichen Bewertungsmaßstab, wo Windräder Vögeln schaden und wo eben nicht.

Altentreptow von Windrädern umzingelt

Für Jens Pörksen aus dem Vorstand des Aktionsbündnisses Freier Horizont und der Bürgerinitiative „Jetzt reicht's” aus Demmin stehen dagegen schon jetzt mehr als genug Anlagen in der Region. „Negative Beispiele, wie es bei einer Verwirklichung dieser sinnlosen Planungen hier meistenteils aussehen wird, gibt es ja schon.” Altentreptow sei von Windrädern „umzingelt”. Und auch in Grapzow, Kletzin und Siedenbrünzow sind Windräder aus seiner Sicht viel zu nah an Wohngebieten. „Soll es demnächst hier überall so sein? Nein, denn wir wollen unsere Natur, unsere Umwelt und unsere Heimat für uns und unsere Gäste erhalten”, so Pörksen.

Auch die gegenwärtige Energiekrise rechtfertige kein Umdenken. „Zugeständnisse kann es hier und eben gerade jetzt nicht geben.” Die Krise sei von der Regierung selbst verschuldet, Deutschland schon immer abhängig von Energieexporten. „Selbst eine Verzehnfachung des Anlagenbestandes würde nicht ausreichen, um unseren Energiebedarf sicher zu decken”, so Pörksens Einschätzung.

Nichts Genaues weiß man nicht

Speichertechnologien für unregelmäßig erzeugten Strom seien schließlich noch in einer frühen Entwicklungsphase. „Voreiliges Herunterfahren einer gesicherten Energieversorgung lässt den Verdacht einer künstlichen Verknappung aufkommen. Gewinner dieser Politik ist hier allein die Windindustrie, die weitere Milliardengewinne auf unsere Kosten einfahren wird.”

Wie viele Windräder zu den derzeit 1847 Anlagen in MV wirklich hinzukommen, will man im Ministerium noch nicht hochrechnen. „Momentan ist schwer einzuschätzen, wie viele zusätzliche Windräder benötigt werden, da die Anlagentechnologie sich stetig weiterentwickelt”, heißt es.

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Kommentare (1)

Freiheitsenergie! Jedes neue Windrad macht uns ein kleines Stück weniger abhängig.