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Für die Fahrtkosten zur Berufsschule fallen in MV oft enorme Kosten an. Die Arbeitgeber fordern, dass sich das Land stärker beteiligt. Martin Schutt
Fahrtkosten

Wirtschaft fordert Nachschlag bei Hilfen für Lehrlinge

Das Land hat zum Beginn des Lehrjahres mehr Geld für Fahrtkostenzuschüsse bei Azubis bereitgestellt. Der Beifall für diesen Schritt hält sich aber deutlich in Grenzen.
Neubrandenburg

Handwerk, Handel und Industrie in Mecklenburg-Vorpommern fordern vom Land weitere Nachbesserungen bei der Kostenübernahme von Fahrt- und Unterbringungskosten von Lehrlingen. „Das Land hat einen von zahlreichen notwendigen Schritten in die richtige Richtung gemacht. Das kann noch nicht das Ende der Fahnenstange sein“, sagte Ellen Grull, Ausbildungsexpertin der IHK Neubrandenburg.

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Zuschuss oder vergünstigtes Ticket

Zuvor hatte Bildungsministerin Simone Oldenburg (Linke) per neuer Richtlinie den Kreis der Lehrlinge, die Zuschüsse beantragen können, erweitert. „Wer, wie das Land, die Berufsschulen an wenigen Standorten konzentriert, muss auch die Bedingungen für Lehrlinge vernünftig ausgestalten“, so Grull.

Oldenburg hatte angekündigt, dass künftig Lehrlinge, die bis 750 Euro Ausbildungsvergütung im Monat erhalten, pro Jahr 280 Euro Zuschuss einplanen können, wenn der Weg zur Berufsschule höchstens bei 300 Kilometern liegt. Bisher hatte die Grenze bei 600 Euro gelegen. Bei noch weiteren Entfernungen wird die doppelte Summe gezahlt. Lehrlinge, die für 365 Euro im Jahr das Azubi-Ticket nutzen, können den Zuschuss nicht beantragen.

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Angebot des Landes bislang kaum genutzt

Bisher war das Hilfsangebot augenscheinlich weitgehend verpufft: Von den 339 000 Euro, die als Zuschuss pro Jahr zur Verfügung stehen, hat laut Ministerium das Land lediglich 81 000 Euro ausgezahlt.

„Die Erhöhung der Zuschussgrenze ist die einzig neue Änderung“, so Grull weiter. Mit 750 Euro würden heute nicht allzu viele Lehrlinge erreicht. „Da kommen viele schon im zweiten Ausbildungsjahr drüber.“ Der Zuschussbetrag von 280 Euro zum Beispiel sei dagegen nicht erhöht worden. Diese Summe müsse aber auf 13 Berufsschulwochen im Jahr aufgeteilt werden.

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Löhne zu hoch für Hilfen vom Land

„Die Erhöhung der Fahrt- und Unterbringungskosten durch die Landesregierung ist ein positives Signal zum Ausbildungsstart“ sagte Hauptgeschäftsführer Jens-Uwe Hopf, Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern. 70 Prozent aller Unternehmen – vor allem aus dem Handwerk – haben ihren Sitz in ländlichen Regionen, hier komme es auf eine gute Erreichbarkeit an.

Im Durchschnitt verbringen die Azubis viele Wochen im Jahr in den Berufsschulen. Dies bedeute einen hohen Kostenaufwand. Allerdings greife für viele Azubis die Reglung nicht, weil deren Ausbildungsvergütung inwischen höher liege. „Damit müsste auch das Mobilitätsprogramm weiter angepasst werden“, so Hopf.

Nach seiner Ansicht kommt es außerdem insgesamt darauf an, die Mobilität im Land zu erhöhen und die dafür notwendige Verkehrs- und Infrastruktur schneller auszubauen. „Wo es keinen Bus oder Zug gibt, müsste es bis dahin die Möglichkeit geben, dass Lehrlinge die Fahrtkilometer abrechnen können“, ergänzte IHK-Expertin Grull.

Die AfD-Landtagsfraktion hatte die Neuregelung der Azubi-Zuschüsse als Tropfen auf den heißen Stein bezeichnet. Die Summe nicht zu erhöhen sei angesichts erwartbar dramatischer Kostenexplosionen für Azubis und deren Familien ein Etikettenschwindel.

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