LOCKDOWN VERLÄNGERT

Wirtschaft in MV schwer enttäuscht nach Corona-Gipfel

Nach den Bund-Länder-Beratungen sind Vertreter von Wirtschaft und Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern unzufrieden. Vielen macht vor allem die Ungewissheit zu schaffen.
Die Tourismuswirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern hat sich schwer enttäuscht gezeigt von den Ergebnissen der Bund-Lä
Die Tourismuswirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern hat sich schwer enttäuscht gezeigt von den Ergebnissen der Bund-Länder-Beratungen zum weiteren Vorgehen in der Corona-Pandemie. Stefan Sauer
Schwerin ·

Die Tourismuswirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern hat sich schwer enttäuscht gezeigt von den Ergebnissen der Bund-Länder-Beratungen zum weiteren Vorgehen in der Corona-Pandemie. „Es ist das schlechte Ergebnis geworden, das sich angedeutet hat: Tourismus am Ende der Nahrungskette und vollkommen im Ungefähren”, kritisierte Tobias Woitendorf, Geschäftsführer des Landestourismusverbands, in der Nacht zu Donnerstag. Die Beschlusslage sei nicht vermittelbar.

Mehr lesen: So sieht der neue Öffnungs-Fahrplan aus

Wann Hotels und Pensionen im Tourismusland Mecklenburg-Vorpommern wieder Besucher empfangen können, blieb auch nach dem jüngsten Corona-Gipfel weiterhin unklar. Über eine mögliche Öffnung zu Ostern soll erst bei der nächsten Videokonferenz von Bund und Ländern am 22. März entschieden werden, wie Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) am frühen Donnerstagmorgen sagte. Damit wäre die Vorbereitungszeit für die Hoteliers aber äußerst knapp.

Woitendorf hatte am Mittwoch bereits einen norddeutschen Sonderweg beim Tourismus vorgeschlagen. Zusammen mit Schleswig-Holstein könnte als Konsequenz – begleitet von wissenschaftlichen Erkenntnissen – ein eigenständiger norddeutscher Weg im Tourismus beschritten werden.

Politik bewegt sich zu langsam

Auch Sven Müller, Geschäftsführer der Vereinigung der Unternehmensverbände MV, fand deutliche Worte: „Politik bewegt sich zu langsam und nach wie vor ohne echte Strategie. Die 50 löst die 35 ab. Wieder nur der Inzidenzwert wird in den Mittelpunkt der Entscheidung gestellt. Für uns zählt: Testen, Impfen, Öffnen – Handel, Hotels und Gaststätten müssen in MV vor Ostern öffnen können. Das ist die Aufgabe des MV-Gipfels am kommenden Freitag.”

Die Gastronomie muss sich ebenfalls weiter gedulden. Laut Beschlusspapier könnte bestenfalls die Außengastronomie frühestens am 22. März öffnen. Voraussetzung dafür sind weniger als 50 Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen.

Perspektive im Handel

Dies würde den allermeisten Betrieben nicht helfen, sagte der Präsident der Landesvereinigung der Unternehmensverbände, Lars Schwarz, der auch dem Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) in Mecklenburg-Vorpommern vorsteht. Schwarz bezeichnete die Lage für das Gastgewerbe nach den Bund-Länder-Beratungen als ernüchternd und enttäuschend. „Eine klare Perspektive ist wieder vertagt worden”, sagte er.

Erleichtert zeigte sich Schwarz hingegen mit Blick auf den Handel. Dort könne von einer Perspektive gesprochen werden. Er verwies jedoch darauf, dass viele Geschäfte stark von Touristen abhängig seien, die bis auf Weiteres aber nicht ins Land kommen dürften.

Mehr lesen: Handel im MV darf kommende Woche wieder öffnen

Wie Schwesig Bund-Länder-Gipfel mitteilte, dürfen Läden vom 8. März an für angemeldete Kunden wieder öffnen. Die Zahl der Zutrittsberechtigten ist abhängig von der Ladengröße. In Regionen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz unter 50 seien weitergehende Öffnungen auch ohne Anmeldungen möglich. Dies trifft derzeit bereits auf die Hansestadt Rostock sowie die Landkreise Vorpommern-Rügen und Mecklenburgische-Seenplatte zu. Auch Museen sollen unter Auflagen wieder öffnen dürfen. In Kreisen mit mehr als 100 Corona-Infektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche könne es solche Lockerungen aber nicht geben, betonte Schwesig.

MV-Corona-Gipfel am Freitag

Am Freitag wird der Landtag in Schwerin in einer weiteren Sondersitzung über die Umsetzung der Bund-Länder-Vereinbarungen debattieren. Danach soll nach einer Videokonferenz im Rahmen des MV-Gipfels von Regierung und Verbänden die Corona-Landesverordnung fortgeschrieben werden.

Der Lockdown wird grundsätzlich bis zum 28. März verlängert. In dem Beschlusspapier von Bund und Ländern sind jedoch über den Handel hinausgehende Lockerungen festgehalten. So dürfen sich vom kommenden Montag an maximal fünf Menschen aus zwei Haushalten treffen. Kinder bis 14 Jahren werden nicht mitgezählt und Paare gelten auch als ein Haushalt, wenn diese nicht zusammenwohnen. Bislang darf sich ein Haushalt nur mit einer weiteren Person treffen.

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Kommentare (12)

Die Erfahrung des letzten Sommers auf Usedom bezüglich der Urlauber, war ernüchternd. Gegenseitige Rücksichtsnahme=0, Abstand halten=0, Beachtung der Verkehrswege beim Rad- Autofahren=0. So sah es aus. Glaubt man wirklich, das es bei bald steigenden Werten anders sein wird? Als Einheimischer auf Usedom sage ich, das Maß ist voll, es reicht.

Ich wohne im selben Landkreis und fahre deshalb NIE in der Saison nach Usedom, lieber nach Rügen. Aber die holen auf.

...natürlich ist es anstrengend mit den ganzen Touris...aber ein nicht ganz unbeträchtlicher Teil der Einwohner und Gemeinden dort lebt nun mal vom Tourismus und somit sollte man sich damit arrangieren oder sich ein ruhiges Plätzchen irgendwo anders suchen...

Man sollte dabei nie vergessen, dass Usedom und Rügen vom Tourismus lebt und damit brauchen die Einwohner die Touristen und nicht umgekehrt. Ich hab hier manchmal den Eindruck, als wenn Touristen auf den Inseln von den Einwohnern einfach nur als lästig angesehen werden, obwohl diese die Inseln überhaupt am Leben halten, sonst ist dort außer Wasser einfach nichts.

viele Usedomer den überbordenden Tourismus inzwischen ebenfalls kritisch.

die Regeln wiederholt neu erfindet, wurden gestern in Texas und Mississippi alle Maßnahmen aufgehoben - auch die der Maskenpflicht. Diese "Rückkehr zur Normalität" war es gestern wohl gar nicht wert diskutiert zu werden.

schon große Hotelketten bekannt, die dann durch MV ziehen, wie die modernen Raubritter?
In anderen Ländern soll das schon der Fall sein.

wird auch viel mehr geöffnet.

Bei uns haben sich die ganzen Investmentgruppen aber schon seit Jahren festgesetzt.
Da kann man nix aufkaufen.

Wer sich in guten Zeiten in jedem größeren Touristenziel ganze Resorts hochzieht, der hat wie die Avila-Gruppe oder Maremüritz ausreichend Investoren mit Investorenschutzklauseln in der Hinterhand, um nicht mal so eben aufgekauft zu werden.

Sie wissen doch:
Bei 5.000 € Schulden klingelt der Gerichtsvollzieher.
Bei 500.000.000€ Schulden kommt der Finanzminister auf einen Kaffee vorbei.

Auf den Punkt gebracht, ist MV und deren Inseln ohne Tourismus einfach nichts, weil das Geld durch den Tourismus erwirtschaftet wird, weil es eben keine Industrie gibt. Die Orte an der Ostsee sind nach der Wende durch viel Geld zu neuem Glanz erwacht, was es ohne lästige Touristen niemals gegeben hätte. Es hat nicht jeder das Privileg, pünktlich eine Rente zu bekommen und die Wurst wächst nicht im Supermarkt und der Strom kommt nicht nur aus der Dose. Der Tourist kann auch an die Polnische Ostsee fahren, dann gehen auf Usedom die Lichter aus.

Kann und macht der Tourist bereits.
Aber da gehen die Einheimischen aus historischen Gründen a bisserl weniger zimperlich und gerade mit Touristen um, die sich wie Sau benehmen. Gerade, wenn es sich um Deutsche handelt von denen sie es gewohnt sind, dass diese sie mitunter wie Minusmenschen behandeln.

Für manche Nase kostet uA die Kugel, dann schnell mal deutsche Preise, wenn man meint wie Lord Kacke aufzutreten, dem sich der Pole unterzuordnen hat.

Ich war schon einmal auf der Insel Wollin und ich war sehr zufrieden, die Bedienung war sehr freundlich und ich habe zu einem wirklich guten Preis gegessen, es war auf keinen Fall schlechter als in Deutschland. Ich bin es aber gewohnt, mich in jedem Land angemessen zu verhalten. Die Deutschen kommen da aber immer noch ziemlich gut weg, sie fallen weniger auf, im Gegensatz zu anderen Kulturkreisen.