Kritik an Landwirtschaft

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Wissenschaftler sehen zu viel Dünger in der Ostsee

Die Ostsee ist in keinem guten Zustand, sagen Wissenschaftler vom Leibniz-Instituts für Ostseeforschung Warnemünde.
Die Ostsee ist in keinem guten Zustand, sagen Wissenschaftler vom Leibniz-Instituts für Ostseeforschung Warnemünde.
Stefan Sauer

Der Ostsee geht es nicht gut. Vor allem die Einträge von Stickstoff und Phosphor müssen sinken, fordert ein Forschungsinstitut.

Um den weiteren Schutz der Ostsee zu gewährleisten, muss nach Ansicht des Chef des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung Warnemünde (IOW), Ulrich Bathmann, der Eintrag von Dünger wie Stickstoff und Phosphor dringend reduziert werden. Dabei könne die Landwirtschaft einen großen Beitrag leisten, sagte Bathmann zum Ostseetag am Donnerstag in Rostock.

Außerdem sollten brachliegende Felder so schnell es geht wieder bepflanzt werden. Denn Bodenstäube, die mit den Schadstoffen beladen sind, würden mit dem Wind in die Luft getragen. „Letztlich finden sie sich durch Abregnen in der Ostsee wieder.“ Der Wissenschaftler setzt große Hoffnungen in die Entwicklung von Produkten, die die Nährstoffe langsam und nur bei Bedarf abgeben – eine boden- und vegetationsgerechte Düngung.

Kreuzfahrtschifffe in der Kritik

Bathmann verwies auf die Dringlichkeit der Schutzmaßnahmen und den schlechten Zustand der Ostsee. Die Helsinki-Kommission habe eine Karte herausgegeben, in der verschiedene Eigenschaften mit den Ampelfarben gekennzeichnet waren: „Die Karte war überwiegend rot.“

Eine weitere wichtige Eintragsquelle für Stickstoff und Phosphor sei die Kreuzschifffahrt. Die Schiffe hätten zwar Kläranlagen an Bord, mit denen die Abwässer vorgeklärt werden. Damit ließen sich jedoch diese Stoffe nicht zurückhalten. „Ein Schiff mit Tausenden Passagieren an Bord hinterlässt eine Düngungsfahne“, sagte Bathmann. Diese führe wiederum zum Wachstum von Bakterien und Algen. Die Aufrüstung der Schiffe mit Kläranlagen sei jedoch auch eine Frage der Wirtschaftlichkeit, ergänzte der IOW-Chef.

Beim Ostseetag im Rostocker Stadthafen präsentieren die führenden Forschungsinstitute Einblicke in ihre Arbeiten. Neben dem IOW sind dies das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie Rostock, das Deutschen Meeresmuseum Stralsund sowie das Thünen-Institut für Ostseefischerei ebenfalls in Rostock. Ihnen geht es unter anderem um den Zustand der Brotfische Dorsch und Hering, künftige Sturmhochwasser oder um die Rolle von neu eingewanderten Tierarten und deren Auswirkungen auf das Ökosystem.