SIEBEN STUFEN ZUR ESKALATION

Wissenschaftler warnt: Wölfe töten Menschen

Der kanadische Biologe Valerius Geist beschreibt sieben Stufen der Eskalation. In Mecklenburg-Vorpommern dürfte gerade Stufe fünf erreicht sein.
Wölfe sind schöne Tiere, können aber gefährlich werden.
Wölfe sind schöne Tiere, können aber gefährlich werden. Julian Stratenschulte
Valerius Geist
Valerius Geist Renate Geist - CC BY-SA 4.0“
Neubrandenburg ·

Wölfe töten Schafe mitten im Ort, Wölfe umkreisen eine Spaziergängerin im Wald und erkunden Stadtgärten, Wölfe werden von Autos angefahren: Fast täglich bekommen zurzeit Tiere und Menschen im Nordosten Probleme mit Wölfen. Den kanadischen Wolfs-Forscher Valerius Geist wundert das nicht.

 

Wenn die Menschen sich nicht wehren, werden die Wölfe gewinnen, sagt er. Der inzwischen 83-jährige Biologe war sein ganzes Berufsleben lang davon ausgegangen, dass Wölfe Menschen nicht gefährlich werden können. Als er seinen Altersruhesitz auf Vancouver Island bezog, wurde er jedoch nach eigenen Angaben eines Besseren belehrt. Er musste erleben, wie Wölfe Hunde töteten, seine Nachbarn verfolgten, seine Frau umkreisten und schließlich auch ihn selbst.

Die Tatsache, dass Wölfe bislang harmlos wirkten, liegt nach Auskunft des Wissenschaftlers schlichtweg daran, dass sie ab dem frühen 20. Jahrhundert praktisch ausgerottet und die Menschen in Kanada immer gut bewaffnet waren. Jäger, Waldarbeiter, Landvermesser, Goldsucher, Fallensteller, Lastwagenfahrer und andere Berufsgruppen töteten die Wölfe, bevor sie Schaden anrichten konnten. „Wehe dem Wolf, der sich zeigte“, so Valerius Geist.

+++ Das ist zu tun, wenn einem ein Wolf begegnet +++

Kein Angriff kommt aus heiterem Himmel

Der Wissenschaftler ist überzeugt: Wenn der Mensch sich nicht verteidigt, werden die Wölfe übergriffig. Selbstverständlich erfolgen Wolfsangriffe auf Nutztiere oder sogar Menschen nicht aus heiterem Himmel. Vielmehr gehen solchen Attacken verschiedene Phasen der Gewöhnung an den Menschen voraus, erklärt der Biologe. Er beschreibt eine Skala mit sieben klar erkennbaren Stufen, bevor ein Wolf einen Menschen angreift: „Seven stages of habituation“, sieben Stufen der Gewöhnung oder auch sieben Schritte bis zu Eskalation.

Die ersten Anzeichen sind nach Ansicht des Kanadiers mit russischen Wurzeln Rehe, Hirsche und andere Beutetiere. Wenn diese sich vermehrt in Dörfern oder Städten aufhalten, tun sie das, weil sie vor dem Wolf fliehen. Tiere flüchten aus Angst vor dem Wolf aus dem Wald in die Stadt.  In Greifswald leben aktuell ziemlich viele Wildschweine.

In der zweiten Phase nähern sich Wölfe menschlichen Behausungen vor allem nachts, so die Theorie von Valerius Geist. Das sei unter anderem an unruhig bellenden Hunden oder Wolfsgeheul erkennbar. Sie beobachten die Menschen und lernen schnell, wie weit sie gehen können. In Carwitz in der Mecklenburgischen Seenplatte war Ende vergangenen Jahres Wolfsgeheul zu hören.

Stufe drei beginnt laut Valerius Geist dann, wenn sich die Wölfe auch tagsüber zeigen. Das ist in Mecklenburg-Vorpommern aktuell fast jeden Tag der Fall. Sie beobachten die Menschen bei ihren täglichen Verrichtungen und lernen durch einfaches Zusehen zum Beispiel sogar, wie sie Gartentore öffnen können, so Valerius Geist. Im Templiner Ortsteil Petznick entdeckte Mitte Februar eine Spaziergängerin mitten im Ort einen Wolf, der am helllichten Tage im Garten ihres Nachbarn auftauchte.

In Phase vier sind die Wölfe laut Valerius Geist nicht mehr zu übersehen. Sie greifen Hunde und Nutztiere sogar tagsüber an, selbst wenn diese sich in unmittelbarer Nähe von Häusern befinden. Sie kommen auf Terrassen und in Gärten. Im vergangenen Jahr filmte eine Familie in Vogelsang-Warsin in Vorpommern-Greifswald einen Wolf in ihrem Garten. Menschen sind in diesem Stadium noch nicht Ziel der Angriffe, werden jedoch durch Knurren oder Zähnefletschen bedroht.

Jahrhundertelang unterschätzt

In Stufe fünf steigern sich Angriffe auf Nutztiere: In dieser Phase werden zum Beispiel Reiter umkreist und verfolgt oder größere Nutztiere wie Rinder verletzt. Sie werden mit abgerissenen Ohren, halbierten Schwänzen oder verstümmelten Genitalien vorgefunden. Oder gleich getötet: Allein die Wolfsriss-Statistik in Brandenburg zeigt 2020 eine Verdoppelung der vom Wolf gerissenen Tiere auf 813 Tiere – darunter 84 Rinder und ein Pferd.

Etappe sechs ist erreicht, wenn Wölfe sich scheinbar zahm in unmittelbarer Nähe der Menschen aufhalten. Sie stupsen Spaziergänger mit der Nase an, zupfen an der Kleidung oder kneifen auch mal in den Arm. Durch Schreien und Fuchteln lassen sie sich zwar vertreiben, sie flüchten aber nicht weit. Alles wirkt spielerisch. In Wirklichkeit beginnen sie gerade, den Menschen als Beute zu entdecken und testen, wie er sich bei Angriffen verhält.

Bei Stufe sieben ist nach Ansicht von Valerius Geist der Höhepunkt der Eskalation erreicht. Jetzt haben die Wölfe ihre Scheu vor dem Menschen endgültig verloren. Zwar sind sie noch etwas ungeschickt, gegen einen einzelnen Wolf mag sich ein Mensch noch verteidigen können, aber gegen ein ganzes Rudel dürfte selbst ein bewaffneter Mann keine Chance haben.

Nach Überzeugung von Valerius Geist haben Wissenschaftler und Politiker Wölfe in den vergangenen 100 Jahren verharmlost. Sehr wohl würden Wölfe Menschen töten, solche Vorfälle seien jedoch nicht kommuniziert worden.

Opfer gibt keine Interviews, um Wolf zu schützen

Die 24-jährige Wildtier-Biologin Trisha Wyman sei beispielsweise am 18. April 1996 von einem in Gefangenschaft gehaltenen Wolfsrudel in Ontario getötet worden. Ihr sei der Traumjob angeboten worden, sich um die Wölfe zu kümmern und ihr Verhalten zu erforschen. „Sie überlebte drei Tage“, schreibt Valerius Geist.

Im Juli 2002 sei Scott Lavigne schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht worden. Der Paddler habe im kanadischen British Columbia gezeltet und die Erkundungstouren von Wölfen nicht ernst genommen. Eine alte, ausgemergelte Wölfin mit kaputten Zähnen habe ihn angegriffen. Mit einem Messer habe er neunmal auf sie eingestochen. Das habe sie nicht getötet, aber vertrieben. Interviews habe der 31-Jährige verweigert, weil er fürchtete, die Wölfe könnten in Verruf geraten, so Geist. Ein Fall, der auch für hiesige Naturtouristiker als Beispiel für die Gefahr der Verharmlosung der Raubtiere dienen sollte.
 

Made with Flourish

Kurz-Info: Valerius Geist

Valerius Geist wurde 1938 in der Sowjetunion geboren. Er wuchs in Österreich und Deutschland auf, bevor er nach Kanada auswanderte. Er ist Biologe und emeritierter Professor der Umweltwissenschaften an der University of Calgary in der kanadischen Provinz Alberta. Er beschäftigt sich unter anderem mit der Verhaltensbiologie von großen Säugetieren in Nordamerika, dabei auch mit dem Sozialverhalten von Wölfen.

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Kommentare (40)

"Wenn die Menschen sich nicht wehren..." sowas nennt sich Wissenschaftler. Lupus Lupus war hier schon aktiv bevor der Mensch Wissenschaftler war.

darum geht es nicht.
Ich weiß nicht wo Sie Biologie oder Zoologie studiert haben, aber Sie verkennen die Lage.
Dass man Kinder und Großmütter unbeschadet aus dem Wolf herausschneiden kann, das ist das Märchen. Dass der Wolf Menschen angreift ist kein Märchen. Auch wenn unsere buntbemützten und dennoch ahnungslosen "Wolfsfreunde" das nicht wahrhaben wollen.
Sie sollten mehr Achtung vor wirklichen Fachleuten haben!

fährt manchmal sogar mit Transporter vor, um seine Beute abzutransportieren. Reifenspuren als Täuschungsmanöver des Wolfes. Und es verschwinden auch ganze Kälber ohne Spuren. Und Lämmer kurz vor Ostern... Der zweibeinige blutrünstige Wolf....

Warum kein Geschrei zu den lawinenartig sich vermegrenden Wildschweinen? Da wurd die (berechtigte) Angst nicht geschürt.

schwafeln.

Meldereiter im Mittelalter - oder - Vieh hütende Kinder - leider nur Mund zu Mund Überlieferungen

Das Märchen vom „Bösen Wolf“ hat einen wahren Hintergrund, im Mittelalter wurden oft Kinder von Wölfen verschleppt Das Mittelalterliche Kriminalmuseum in Rothenburg ob der Tauber hat das eindeutig nachgewiesen. Tausende Menschen sind so ums Leben gekommen. Das war auch einer der Gründe, warum der Wolf aus der Nähe des Menschen vertrieben wurde.

ist weder "gut" noch "böse". Der folgt seinen Instinkten und der Natur.
Was das "Böse" betrifft: Da hat der Mensch die Nase eindeutig vorn...

wollte hier keiner wissen...

In Frankreich, wo es umfangreiche historischen Aufzeichnungen gibt, sind wischen 1362 und 1918 fast 7.600 tödliche Angriffe auf Menschen dokumentiert.
(https://en.wikipedia.org/wiki/Wolf_attacks_on_humans)
Kinder mussten oft im Wald Vieh hüten. Die modernen Kinder spielen ja eher drin, also alles Ok ;-)

Herr Valerius Geist mag von Paarhufern (sein Fachgebiet) was verstehen. Seine Ausführungen zu Wölfen sind Unsinn, zumal er in Deutschland noch keinen Wolf beobachtet hat. Bei Jägern und Weidetierhaltern kommen seine Schauergeschichten natürlich gut an und so kann er sich als Referent noch ein bisschen was verdienen.
Mit Seriosität oder Wissenschaft hat das aber nichts zu tun. Schade dass so ein Quatsch in einem aufgeklärten Land noch immer abgedruckt wird.

Ich habe selbst eine Weile in der Wildnis Kanadas gelebt, wurde auch schon zur Jagd eingeladen. Ich kann Herrn Geist nur betätigen, Wölfe gelten dort als Ungeziefer und werden stark bejagt. Das ist auch der Grund warum sie dort meist sehr scheu sind.
Es wird nicht mehr lange dauern, bis man auch hier begriffen hat, wie man mit einem großen Raubtier in einer Kulturlandschaft umgehen sollte.

überheben Sie sich nicht ein wenig?

Prof. Geist ist Biologe und hat seine Beobachtungen und Recherchen zum Verhalten von Wölfen transparent dargelegt und argumentativ untermauert. Das ist der Ausgangspunkt einer wissenschaftlichen Diskussion, die ohne Ansehen der Person die Fakten zusammenträgt und versucht, die Hypothese zu falsifizieren. Begriffe wie "Unsinn" oder "Quatsch", so sie nicht konkret erläutert und begründet sind, liegen auf dem Niveau von Gepöbel und übler Nachrede. Ebenso das unbewiesene Unterschieben von Hauptmotiven (hier: Geld) für die Veröffentlichung der wissenschaftlichen Forschungsergebnisse. Lassen wir das doch bleiben! Schon die Fragestellung "Wer hat das gesagt?" oder schlimmer noch: "Welchem Lager gehört der an?" trägt nichts zum Erkenntnisgewinn des Sachthemas bei. Und schweigen wir doch fein still, wenn wir keine rationalen, nachprüfbaren Fakten beizutragen haben.
@Nordkurier: Ich fände es toll, wenn Sie noch stärker auf eine Sachdiskussion im Kommentarbereich achten würden. Es geht bei diesem Thema doch darum, etwas über die Wirklichkeit zu erfahren. Da wären Beobachtungen, die die eine oder andere Seite stützen, sehr wertvoll oder sachliche Aspekte, die einen anderen Blick auf die Beobachtungen werfen, nützlich.

ist kein Epidemiologe, Herr Wieler ein Veterinär und Herr Spahn?
Und trotzdem folgen die Leute all diesen klugen Leuten.
Warum sollte Herr Geist sich nicht auch mit Wölfen auskennen?
Nehmen Sie sich etwas zurück, verehrte antonia. Ich denke, auch Sie haben die Weisheit nicht mit Löffeln...

@antonia.drohe: "Seine Ausführungen zu Wölfen sind Unsinn, zumal er in Deutschland noch keinen Wolf beobachtet hat."
Welche seiner Ausführungen sind denn Unsinn? Können Sie das irgendwie konkretisieren? Alle seine Argumente (Stufenplan) sind inzwischen durch belegte Beispiele, von Wolfsexperten bewiesen. Stufe 5 von 7 ist in Deutschland erreicht (Siehe Artikel und diverse vorherigen Berichte).

Warum soll Valerius Geist persönlich Wölfe in Deutschland beobachten? Haben Sie selbst schon Wölfe in Deutschland beobachtet, um sich Ihre Meinung bilden zu können? Man muß doch nur die nachgewiesenen und dokumentierten Wolfsbegnungen auswerten. Die letzten beiden Stufen, die in Deutschland noch fehlen, kann man in Nordamerika aus Zeitung, Fernsehen, oder Polizeiakten und Autopsieberichten entnehmen. Wahlweise auch aus seriösen Dokumentarfilmen, die auch im deutschen Fernsehen liefen. Die Vorschriften, zum Umgang mit Wölfen in Nordamerikas Nationalparks sagen eigendlich genug über deren Gefahrenpotenzial aus.

Noch zwei Beispiele, die gerne von deutschen Wolfsexperten und Wolfsanbetern unterschlagen werden:

https://www.google.de/search?q=kenton+carnegie+wolf

https://www.google.de/search?q=candice+berner+wolf

dass Sie unter dem falschen Artikel kommentiert haben. Sie meinten sicher diesen hier:

https://www.nordkurier.de/ueckermuende/spaziergaengerin-mit-hund-wird-von-woelfen-verfolgt-1742461602.html

Und in dem Artikel, unter dem Sie jetzt gepostet haben, wird nachvollziehbar erklährt, warum die Frau sich nicht grundlos bedroht gefühlt hat.

Hier noch ein Beispiel, extra für Sie, wo sich eine Frau grundlos bedroht fühlte, trotzdem aber eine Reihe von Behörden alarmiert und (mit fadenscheinigen Begründungen) tätig wurden:

https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/lueneburg_heide_unterelbe/Wolfsberaterin-fuehlt-sich-von-Landwirt-bedroht,wolf4474.html

https://www.az-online.de/uelzen/ebstorf/totes-rind-in-der-einfahrt-landwirt-wirft-wolfsberaterin-kadaver-vor-die-tuer-90245624.html#idAnchComments

Interessante Kommentare darunter...

Ironie am Rande: Genau diese Frau setzte sich, Kraft ihres Amtes, kurz vorher dafür ein, nicht gegen einen Wolf vorzugehen, der gerade durch Uelzen spazierte.

Übrigens kann man Männer, von denen Frauen sich bedroht fühlen, befragen und nötigenfalls maßregeln/wegsperren. Fragen Sie doch mal die Wölfe, die Spaziergänger und Reiter begleiten/belästigen, was die sich dabei gedacht haben. Und vor allem, teilen Sie und das Ergebnis Ihrer Befragung mit. Erst dann muß sich niemand mehr bedroht fühlen, wenn einem Wölfe zu dicht auf die Pelle rücken.

P.S. Wirklich NIEMAND will Wölfe schlachten. Bis jetzt wurden nur wirksame Vergrämungsmaßnahmen gefordert. Wenn diese nicht funktionieren, auch mal ein Abschuß. Warum wird von deutschen Wolfsexperten, jedwedes Vergrämen von dreisten Wölfen ohne Menschenscheu verweigert? So wie von der Wolfsberaterin, die sich da grundlos von Männern bedroht fühlte?

Menschen töten Menschen!

Und deshalb dürfen auch Wölfe Menschen töten?
Typischer Fall von Whataboutism

ist es kälter als draußen...

...habe ich hingewiesen, dass man Wölfe nicht filmen und beobachten soll, sondern wo immer Kontakt, sie verscheuchen, vergrämen, ihnen die Grenzen zeigen. Und wenn es nicht hilft, drastischere Maßnahmen. So wird es in allen klassischen Wolfsländern seit Jahrhunderten gemacht. In diesen Ländern ist die Tier- und Naturliebe ausgeprägter als im romantikbekifften Deutschland.

Häufig wird die Behauptung aufgestellt, der Wolf würde nicht mehr in unsere Kulturlandschaft passen. Ich denke, daß ist falsch.
1. Wir haben einen rasanten Anstieg von klassischem Beutewild für den Wolf. Einmal durch das viele Gratisfutter für Schwarzkittel, z. B. Mais und durch Bejagung. Im Gegensatz zu der landläufigen Meinung, mit der Jagd die Anzahl des Wildes zu regulieren, ist das Gegenteil der Fall. In Studien nachgewiesen.
2. Durch die Technologisierung der Landwirtschaft, sind schlicht weniger Menschen unterwegs in Feld und Flur. Heißt, der Wolf wird weniger gestört.
3. In den letzten Jahrzehnten wurden immer mehr Flächen zu Schutzgebieten und damit zu Rückzugsräumen - auch für den Wolf- eingerichtet.
4. Der Mensch hat einfach gar keine Schutzmechanismen mehr parat, da nicht gebraucht.

Dies sind einfach nur mal ein paar Fakten.

Häufig wird die Behauptung aufgestellt, der Wolf würde in unsere Kulturlandschaft passen. Ich denke, dass ist falsch.

1. Selbst die rasante Vermehrung der Wölfe, ändert nichts an den hohen Schalenwildbeständen. Wölfe führen allenfalls zur Abwanderung in Wolfsfreie Gebiete (Widschweine in Städten, oder Rehe in deren Randgebieten). Großangelegte Drückjagden, die früher große Jagdstrecken einbrachten, sind in Wolfsgebieten kaum noch ihren Aufwand wert. Auch wegen der Gefahr für die Jagdhunde, durch Wölfe die regelmäßig und geziehlt in das Treiben gehen, um leichte Beute zu machen. Die Schäden durch Schalenwild gehen aber nicht zurück. Nur die Bejagung ist schwieriger, weil das Wild heimlicher lebt, wesentlich scheuer ist und viel zu oft den Standort wechselt, was die Wildschäden (auch in Forstkulturen/Waldverjüngung) deutlich erhöht.

2. Durch die Technologisierung der Arbeitswelt, sind schlicht mehr Menschen (zwecks Freizeitsport und Erholung) unterwegs in Feld und Flur. Heißt, der Wolf wird immer mehr gestört.

3. In den letzten Jahrzehnten wurden immer mehr große zusammenhängende Flächen zerschnitten und zerstört. Keine der renaturierten Flächen eignet sich als Rückzugraum für den Wolf, weil alle viel zu klein und weit verstreut. Oder gar von Naturschützern, gegen Raubwild abgezäunt.

4. Die Schutzmechanismen, die der Mensch früher parat hatte, sind heute verboten. Und die die es heute gibt, sind unbezahlbar, nicht praktikabel, oder auch verboten.

Dies sind einfach nur mal ein paar Fakten.

Wie schon von mir erwähnt, ist die Jagd kontraproduktiv. Der Wolf effizienter.
Nein, es sind weniger Menschen unterwegs.
Ja und Nein, was die Flächen angeht. Mehr Naturraum, aber zerschnittener

"Wissenschaftler warnt: Wölfe töten Menschen" . Ja sicher kann auch eine Gefahr von Wölfen für Menschen ausgehen. Aber sollen wir deshalb alle Wölfe töten? Müssen wir dann auch alle Wildschweine töten(https://www.focus.de/panorama/welt/behoerden-warnen-immer-mehr-wildschwein-attacken-keiler-toetet-jaeger-in-mecklenburg-vorpommern_id_7937307.html) ? Die Frage ist doch wie teilen wir den Lebensraum fair mit den Tieren teilen. Und sicher gehört dazu, dass man um den richtigen Umgang mit Wölfen weiß. So wie man auch wissen muss wie man richtig mit seinem Hund umgeht damit der nicht zu Gefahr wird. Das hat alles mehr mit dem Erziehen und Lehren des Menschen zu tun als mit dem Wolf selbst.

Der Artikel klärt hier auf. Aber er überzieht meines Erachtens auch, schon in der Überschrift. Ich habe das Gefühl der der NK sich gezielt auf polarisierende Themen setzt um mehr Klick zu erzielen. Ich verstehe das jede Zeitung genügend Einnahmen benötigt um gut informieren zu können. Aber ich glaube nicht das sich diese einseitigen Kampagnen mit der Zeit auszahlen werden. Warum nicht auch mal ein wissenschaftliche Betrachtung wie es mit dem Wolf weitergehen kann, ohne das er wieder ausrottet werden muss. Oder ob der Wolf auch positive Nutzen für unsere Breiten hat. Vlt gab es das schon hier aber dann hab ich es verpasst.

Das ist auf jeden Fall der richtige Ansatz, den Sie hier einfordern.
Der Wolf als Spitzenpredator hat auf jeden Fall einen positiven Einfluss auf die Abläufe in der Natur. Im Gegensatz zum menschlichen Jäger, kann er viel besser erkennen, welches Wild erlegtwerden muß.
Bereits jetzt weiß ich von einigen Landwirten, daß seitdem der Wolf wieder eine Bedrohung für Pflanzenfresser darstellt, der Verbiß in den Feldern deutlich zurück gegangen ist. Gleiches gilt für die Forst.

aber nicht heiligsprechen und dort wo er potentiell gefährlich wird in die Schranken weisen.
Wenn es sein muss auch durch jagdliche Maßnahmen.
Leider hat sich das noch nicht bis in die Amtsstuben durchgesprochen.

Na ja, in Amtstuben gibt es keine Wölfe ;)

da leben ganz viele Murmeltiere in Sicherheit

Ich bin auch gegen eine Heilig Sprechung. Ich leine meine Hunde mittlerweile an was mich nicht stört. Ich finde die Entscheidung prinzipiell Wölfe zu befürworten gut- es mangelt jedoch an guten, bezahlbaren und sinnvollen Konzepten.
Ohne Vergrämung / ich meine nicht sofort Abschuss- sehe ich es allerdings auch bedenklich eine Scheu aufrechtzuerhalten.
Aber ich darf ja nicht mal in die Hände klatschen, wenn 4 Elstern ständig dem Geflügel die Eier zu Nichte machen auf meinem Hof.
Es gibt auch so scheint es sehr Konfrontative Seiten aber kaum
etwas dazwischen. Das ist keine Lösung. Wo ist der Versuch mal die Menschen mit verschiedenen Interessen an einen Tisch zu bringen, um
Gute Lösungen zu finden?

für Landlebende und Landwirtschaft werden leider zum großen Teil von ahnungslosen Städtern gemacht.
Bei denen wächsen Eier im Regal und Hühnchen in der Kühltruhe.
Und der Wolf ist ein Kuscheltier im städtischen Streichelzoo.
Stellt ihnen einfach mal für vier Wochen einen kleinen Bauernhof zur Verfügung und lasst sie ihre Nahrungsmittel selbst produzieren.
Ich wette eine Packung Eier, dass sie nach dieser Zeit dehydriert und halbverhungert oder schon tot von dort abgeholt werden müssen...

das werden auch die Stadtmutanten irgendwann verstehen. Spätestens dann, wenn Wölfe in Städten herumlaufen, über Gartenzäune springen, und Hunde und Katzen reißen. Dann gäbe es eine ganz andere Diskussion, und alle haben es immer schon gewusst.

Momentan kommen mehr Menschen durch Merkels Corona-Politik ums Leben, als durch den Wolf. Darüber berichten hier kaum jemand. Aber lieber den Wolf als Feind ganz groß aufblasen. Ihr könnt doch gleich einen neuen Hollywood Streifen darüber drehen. Da werden dann Wölfe zu Zombies und laufen Amok. In Deutschland werden jedes Jahr mehr Menschen durch Hunde attackiert und schwer verletzt als durch Wölfe. Darunter auch viele Kampf,- und Jagdhunde. Wenn ihr euch verteidigen wollt, braucht ihr ein Gewehr. Das dürft ihr aber nicht haben, weil man dafür einen Waffenschein und vieles weitere Papierkram braucht. Wer sich trotzdem eins besorgt, gilt als Reichsbürger. Darum lebe ich lieber mit dem Wolf und finde meinen Frieden.

„In Deutschland werden jedes Jahr mehr Menschen durch Hunde attackiert und schwer verletzt als durch Wölfe.“
Vielleicht weil es wesentlich mehr Hunde gibt als Wölfe?
Und Hunde in direkter Umgebung des Menschen leben?

Stufe 8: der Wolf verkleidet sich als Großmutter und wartet im Bett auf Dich.

auch vor einiger Zeit dieses schreckliche Ereignis, daß ein Wolf das Pferd von hinten auffraß, während es einen Pferdeschlitten zog. Irgendwo hatte ich doch gelesen: "Sein Pferdeschlitten wird von einem Wolf attackiert. Die Bestie frisst das Pferd von hinten auf und steckt....". Es handelte sich wohl um einen Baron, soviel weiß ich noch.

Ihr Zitat hat mit dem Baron nichts zu tun:
https://www.welt.de/geschichte/article185448144/Wolfs-Angriffe-Als-Woelfe-sich-selbst-in-Staedten-ihre-Opfer-holten.html

Die naive unbegrenzte Vermehrung von Wölfen ist in D. ein weltweit einmaliger Fehler. Wölfe sind nicht bedroht und benötigen diese Kulturlandschaft nicht. Für Artenvielfalt, Tierwohl u.v.a.m. sind sie jedoch eine immer noch verschwiegene Katastrophe. Was die Harmlosigkeit betrifft, so hat Boitani (Mitwirk. FFH RL 1992 ) der Natur einen verheerenden Dienst erwiesen, indem er Realitäts-Bekämpfern eine Institutionalisierung geschaffen hat. Inzwischen nicht mal mehr gewollt, nachdem ihm andere Erkenntnisse vorliegen, aber leider wurden die Wissenschaftler durch massive Droherei längst aus den Medien vertrieben. Bestes Bsp. dafür: Prof J. M. Moriceau, der nur die Situation vor der Ausrottung dokumentierte. Den Prof. Geist kann man noch hören, da er in Vancouver noch sicher zu sein scheint. Die offensichtlich noch mutige Autorin sollte die Erkenntnisse der Univ. Caen sichten (Conference Moriceau bei YT reicht da schon). Das Beutetier-Überangebot wird nun mal wieder knapper werden, und damit auch das Verhalten der Wölfe wieder "natürlicher".

Gerade habe ich eine Doku über die Rückkehr der Wölfe gesehen: Hessischer Rundfunk: „Der Wolf ist zurück - und jetzt“
Es ist unfassbar was da wieder für Unwahrheiten verbreitet werden. Zwei Beispiele: „Der Wolf ist vom Aussterben bedroht.“ Falsch: Laut WWF und IUCN ist der Bestand der Wölfe nicht gefährdet.
„In Deutschland ist noch nie ein Mensch vom Wolf angegriffen worden“. Auch falsch: Im Mittelalter sind sehr viele Menschen von Wölfen getötet worden.
Das öffentlich-rechtliche Fernsehen macht sich offenbar zum Sprachrohr der Wolfslobby.

"Nach Überzeugung von Valerius Geist haben Wissenschaftler und Politiker Wölfe in den vergangenen 100 Jahren verharmlost. Sehr wohl würden Wölfe Menschen töten, solche Vorfälle seien jedoch nicht kommuniziert worden."

Genau, wurde von den offiziellen Stellen alles unter den Tisch gekehrt! Kennen wir doch aus der Corona-Krise; Stichwort Bill Gates und die ausgeschlürften Kinder, die in der Unterwelt gefangen gehalten werden. Ironie aus.

Ulrich Wotschikowsky, von allen Seiten geschätzter, leider inzwischen verstorbener Wolfsexperte, hatte eine klare Meinung zu den Theorien von Herrn Geist. Auf das Thema Wolf sei der nämlich, eigentlich Experte für Huftiere, erst im Ruhestand gestossen. Seine Position würde von der Fachwelt nicht geteilt, seine Empfehlungen seien abwegig, seine Vorschläge wirklichkeitsfremd. Seine Ausführungen seien hanebüchene Litanei. "Seine Schilderungen lesen sich wie von einem empörten Wolfsgegner, nicht wie von einem kritischen Wissenschaftler" und "Val Geist beschwört mit den Wölfen eine völlig irrationale Gefahr herauf. Bei ihrer Einordnung in ein Gesamtgeschehen geht ihm jeder Maßstab verloren." (Wolfsite Wölfe in Deutschland, 15.01.2015: Kulturlandschaft ist überall - eine Erwiderung auf Valerius Geist).

Wer sich denn mal die ellenlangen anekdotenartigen Texte von Herrn Geist antut, stellt schnell fest, dass die Texte wenig wissenschaftlich daherkommen, z. B. beruft er sich auf Berichte von Hans Friedrich von Flemming von 1719. "Flemmings Bericht über den Wolf ist sachlich und auf den Punkt gebracht. Er betrachtet Wölfe als von Gott gesendete Strafe." Könnte Flemming vielleicht auch gelogen oder übertrieben haben? Nein, aus diesem Grund nicht: "Wie könnte er es wagen, seinen umfassenden Bericht über die sehr teuren und Zeit konsumierenden Mittel der Wolfskontrolle auf einer Lüge aufzubauen?" (Quelle: wolfeducationinternational.com). Würden Wolfsgegner lügen? Niemals! Wieder Ironie aus.

Mangels nicht vorhandener (oder nach V. Geist "nicht kommunizierter") Wolfsangriffe auf Menschen in Europa in den letzten 40 Jahren, beruft sich Geist gern auf vermeintliche Fälle in Russland, so zum Beispiel 200 Fälle im 19. Jahrhundert. Weil sich die AfD dieser Zahlen für den Wahlkampf bediente, hat das ZDF-Magazin Frontal 21 im August 2018 von der russischen Botschaft folgende Antwort erhalten: "Statistische Angaben über Angriffe von Wölfen im Russischen Reich haben wir nicht und zweifeln daran, dass so eine landesweite Zählung damals durchgeführt wurde.
Die erwähnte Äußerung des Politikers ist auch unwahrscheinlich, da sich die Grenzen des Landes im 19. Jahrhundert nicht einmal verändert haben und die Technologie solcher Zählungen gar nicht entwickelt war. Daher können wir die Zahl nicht bestätigen." (Quelle: ZDF Frontal 21, 20.08.2019: Der Wolf im Wahlkampf - mit der Angst auf Stimmenfang).

John Linnell, Institut für Naturforschung in Trondheim und Mitverfasser des wissenschaftlichen Linnell-Reports über Wolfsangriffe, hat 2018 im Interview des SPIEGEL hervorgehoben, dass es in den letzten 40 Jahren keine tödlichen Angriffe wildlebender Wölfe auf Menschen in Europa gegeben habe. Warum trotzdem anderes behauptet werde? "Politiker und Wolfsgegner machen den Menschen Angst, um sie manipulieren [...]. Das ist zynisch und schmutzig, aber der Trick wird oft angewandt, einfach weil er so gut funktioniert." (Quelle: Spiegel 10/2018, "Gefährliche Märchen" von Julia Koch, Seite 104-105).

Man kann als seriöse Zeitung ja gern darüber berichten, dass es Menschen wie Valerius Geist gibt. Will man sich jedoch keine einseitige Berichterstattung oder gar Panikmache für Clicks vorwerfen lassen, wäre es empfehlenswert, solche Panikschürereien auch entsprechend für den Leser einzuordnen.

In Frankreich, wo es umfangreiche historischen Aufzeichnungen gibt, sind wischen 1362 und 1918 fast 7.600 tödliche Angriffe auf Menschen dokumentiert.
(https://en.wikipedia.org/wiki/Wolf_attacks_on_humans)
Kinder mussten oft im Wald Vieh hüten. Die modernen Kinder spielen ja eher drin, also alles Ok ;-)